Olympia-Splitter vom 20. August
Von goldrichtigen Entscheidungen und einem Tränenmeer

Hochsprung-Olympiasieger Andrej Silnow zeigte Russlands Funktionären mit seinem Gold die lange Nase. Derweil hadern Lolo Jones und Sanya Richards mit verpassten Chancen. Die Olympia-Splitter vom 20. August.

Goldrichtig: Eigentlich wollten Russlands Sport-Funktionäre in Peking auf Hochsprung-Olympiasieger Andrej Silnow verzichten. Er hatte bei den nationalen Meisterschaften nur Rang vier belegt. Doch dann sprang der 23-Jährige Ende Juli in London mit 2,38 m Jahres-Weltbestleistung, und die Teamleitung traf eine goldrichtige Entscheidung. Silnow wurde nachnominiert und prompt Olympiasieger. "Ich danke allen, die an mich geglaubt haben. Ich musste hier Gold holen, um zu beweisen, dass das Vertrauen gerechtfertigt war", sagte der 23-Jährige.

Sprintversuch: Als er Gold sicher hatte, versuchte sich Diskus-Olympiasieger Gerd Kanter als Sprinter. Mit der estnischen Fahne als Fallschirm überm Kopf stürmte der 29-Jährige die Zielgerade des Olympiastadions im Stile von 100m-Olympiasieger Usain Bolt herunter.

Tränenmeer: Wer die Homepage von Hürdensprinterin Lolo Jones anklickt, bekommt erstmal was auf die Ohren. "Whatever Lola wants, Lola gets", ertönt im Hintergrund. Die Musik stammt aus dem Musical Damn Yankees. Doch in Peking bekam die Amerikanerin nicht, was sie wollte. Die 26 Jahre alte Favoritin trat in Führung liegend in die vorletzte Hürde, verlor Gold aus den Augen und wurde nur Siebte. Anschließend war sie in Tränen aufgelöst: "Dass mir das ausgerechnet im wichtigsten Rennen meines Lebens passieren muss! Es ist wie beim Autorennen, wo du volles Risiko gehst und dann aus der Kurve fliegst und in Flammen aufgehst. Heute bin ich abgebrannt."

Betrogen: Die 400m-Olympiadritte Sanya Richards fühlt sich von ihrem Körper um Olympiagold betrogen. Sie leidet am chronisch wiederkehrenden Behcet Syndrom, einer virösen Gefäß- und Schleimhautentzündung, die die Ausdauerfähigkeit schwächt. Außerdem bekam sie 70m vor dem Ziel deutlich in Führung liegend Probleme mit der Oberschenkel-Muskulatur. "Ich habe so hart gearbeitet. Das war alles umsonst. Mein Körper hat mich im Stich gelassen", sagte die 23-Jährige. Trösten muss die gebürtige Jamaikanerin nun Football-Spieler Aaron Ross von Super-Bowl-Sieger New York Giants, mit dem sie seit einiger Zeit liiert ist.

Gesprächsbedarf: Über 250 000 Mobilfunknutzer haben während der Eröffnungsfeier in und um das Nationalstadion in Peking telefoniert. Diese Zahl ist olympischer Rekord und fast doppelt so hoch wie bei der Eröffnungsfeier in Athen. Über 110 000 Konversationen seien pro Stunde abgewickelt worden - obwohl im "Vogelnest" zu dieser Zeit nur gut 90 000 Zuschauer saßen.

Medaillenbiss: Olympiasieger beißen auf dem Podium gewöhnlich in ihre Medaillen, um die Fotografen zu beglücken. Sogenannte Experten aus China haben für das Ritual jetzt eine alternative Erklärung angeboten. Demnach sei der Geschmack der Medaille nach all dem Stress beim Wettkampf "erholsam".

© SID

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