Olympia-Sprecher nicht immer Herr der Lage
Angermann, der Stilblüten-Meister

Die ersten Etappen der Olympischen Winterspiele sind für den deutschen Mannschaftssprecher Klaus Angermann auch eine "Tour de France" der Stilblüten und kleinen Patzer gewesen. Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein taufte er in "Claudia Goldstein" und ihre Kufen-Kollegin Anni Friesinger stellte er mit "Anni, die Sonne", vor.

HB/dpa SALT LAKE CITY. Als auch noch die eine und andere Frage des Radsport-Experten und Fernsehjournalisten bei der Pressekonferenz mit den Eisschnellläuferinnen im Deutschen Haus von Salt Lake City daneben ging, bekannte er: "Ich bin nicht so bewandert im Eiskunstlauf."

Nicht ganz im Bilde war der 63-Jährige auch, als er Biathlon- Bundestrainer Frank Ullrich fälschlicherweise als Jan Ullrich vorstellte. Verwunderung löste Angermann in der Dependance des Deutschen Hauses in Park City nicht nur aus, dass er das verspätete Eintreffen von Olympiasiegerin Andrea Henkel (Biathlon) und des Olympia-Zweiten Georg Hackl (Rodeln) zum Journalistengespräch mit einem "Spießrutenlaufs des Erfolges" begründete. Zu Ehren von Hackl kletterte er nämlich auch noch auf einen Stuhl. "Wenn du Gold geholt hättest, hätte ich auf dem Tisch getanzt", sagte Angermann im Überschwang.

"Ich habe ein paar Bolzen geschossen, aber ich stehe zu meinen Fehlern", meinte Angermann. So etwas passiere überall mal. Viel wichtiger sei, "dass ich das Ganze sportgerecht verkaufe". Tatsächlich bemüht sich der freundliche Gentleman-Journalist, den deutschen Sportler im Interesse seiner ehemaligen Kollegen viel zu entlocken. Dafür hat er sich intensiv vorbereitet und zwölf der 15 deutschen Mannschaften vor Olympia aufgesucht. "Von Anfang November bis Ende Januar bin ich 15 000 Kilometer mit dem Auto gefahren", berichtete Angermann, der von 1972 bis 1998 von Olympischen Winterspielen als Rodel- und Bobexperte berichtete.

Den Job als Sprecher des deutschen Olympia-Teams bezeichnet er als "Auszeichnung und Gipfel meiner Laufbahn". Und als ihm das Ehrenamt vom Nationalen Olympischen Komitee (NOK) angetragen wurde, habe sein "Herz einen Schlag " getan. In Salt Lake City musste Angermann, der von morgens um Sechs bis spät in die Nacht auf den Beinen ist, auch feststellen: "Es ist eine zusätzliche Tour de France." Von diesem Radsport-Ereignis wird er zwar als TV-Mann nicht mehr berichten, dafür aber seine Erfahrungen aller Voraussicht nach in einem Buch bündeln. "Ich habe Anfragen von zwei Verlagen, denn die Tour feiert 2003 100-jähriges Bestehen", sagte Angermann.

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