Olympia-Tagebuch
Bitte tief durchatmen!

Vor einem Monat hing der Smog so dicht über Peking, dass man kaum die nächste Häuserzeile sah. Jetzt hat Chinas Hauptstadt plötzlich einen Himmel, es strahlt tagsüber die Sonne, und nachts sind sogar Sterne zu sehen. Die Olympiamacher können aufatmen und die Pekinger durchatmen. Gaaaaaanz tief, bitte.
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Das es genau das richtige Wetter für Sport ist, etwa für einen Triathlon, hat am Dienstag Jan Frodeno aus Saarbrücken bewiesen – mit Gold. Erinnert man sich noch an die zwei US-Triathleten, Julie Ertel und Matt Reed, die kurz vor der Eröffnung der Sommerspiele mit Atemmasken aus dem Flieger in Peking stiegen? Inzwischen bestaunen die beiden den blauen Himmel über Peking nur noch.

Und was gab es vor den Spielen für eine Debatte um den Marathon. Selbst IOC-Chef Jacques Rogge hatte nach einem Besuch im Smog-Peking gedroht, den Königslauf notfalls zu verschieben. Am vergangenen Sonntag dann klagten etliche Marathonläuferinnen bei ihrem Lauf, es ihnen sei kalt. Im August, in Peking!

Die Sommerspiele haben für die Pekinger plötzlich eine ganz neue Qualität. Nicht nur die Laune bei den eher brummigen Chinesen der Hauptstadt ist deutlich besser. Der Spaziergang in Park ist plötzlich gesund. Seit zehn Jahren sei die Luft nicht mehr so gut gewesen, verkündete am Dienstag das Umweltamt.

Tatsächlich: Man konnte sogar die Bergketten im Westen der Stadt sehen, mit bloßem Auge. Und kleine Kinder blicken verwirrt zum Himmel und fragen, was das denn für komische weiße Flecken sind. „Schäfchenwolken“, habe ich meiner Tochter erklärt. Das war fast ein bisschen wie Ferien auf dem Bauernhof. Mitten in Peking.

Das IOC hat die Luft über Peking nun offiziell für unbedenklich erklärt – eine Art Rogge-Gütesiegel. Wie viele Tage dauern die Spiele noch? Wenn es nach den Einwohnern der 17-Millionen-Metropole ginge, sollten die Sommerspiele zu einer Dauereinrichtung gemacht werden.

Immerhin wissen wir in Peking nun, wie es sein könnte. Wenn nicht jeden Tag 1 000 neue Autos auf die Straße kommen und wenn die Fabriken ringsum wirklich Umweltfilter einbauen und saubere Luft aus dem Schornstein pusten. Ok, bald sind die Spiele vorbei, dann wird in China wieder in die Hände gespuckt. Bis dahin aber werde ich jeden Tag durchatmen – gaaaaanz tief.

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