Olympia-Tagebuch
IOC-Chef Rogge: Schlaflos in Peking

So sieht einer aus, der schlaflose Nächte hinter sich hat. Rote Augenringe, verlegene Haartolle, Furchen im Gesicht. Dabei dürfte Jacques Rogge, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), den Jetlag längst überwunden haben. Immerhin ist er schon ein paar Tage in Peking. Ob der "Herr der Ringe" also die letzte Nacht durchgefeiert hat?
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PEKING. Wohl kaum. Rogge hat sich eher in zähen Verhandlungen mit den Chinesen geübt, die erstmals die Olympischen Spiele ausrichten. Und kurz vor Beginn gab es da noch etlichen Gesprächsbedarf, auch wenn alle Stadien so wunderbar geworden und schon lange fertig sind.

Doch in Sachen Internet-Zugang während der Spiele hat Olympia-Chef Rogge eine herbe Niederlage einstecken müssen. Dabei weiß eigentlich jeder Manager, der in China aktiv ist, dass vor allem die Chinesen mit Ausländern Geschäfte machen - und nicht umgekehrt. Aber irgendwie hat das dem obersten Hüter des Weltsports niemand gesagt.

Darum sieht der IOC-Chef an diesem Mittag wohl so angeschlagen aus. Der Mann ist "angezählt", würde man in der olympischen Boxarena sagen. Doch die ist weit entfernt, in der Pekinger Innenstadt. Auf dem Olympiagelände muss Rogge dafür in sengender Hitze und grauem Smog das "Imagination Center" des Konzerns General Electric (GE) einweihen. Auch das gehört eben zu seinen Aufgaben. Matt lauscht Rogge den Reden. Man müsse doch auch sehen, woher die chinesische Regierung komme, sagt gerade Ferdinando Beccalli-Falco, Chef von GE International. Aus dieser Prespektive verdienen Chinas Führer "ein Kompliment der ganzen Welt." Das klingt auch ein bisschen nach Trost für Rogges Internet-Schlappe.

Doch dann ist da noch die Sache mit der Luft. Vom GE-Pavillon ist es vielleicht ein Kilometer bis zum "Vogelnest", der gewaltigen olympischen Hauptarena. Doch die schimmert nur diffus durch den Dunst, in dem übrigens schon etliche internationale Olympioniken trainieren. Und so interessiert nach Ende der Zeremonie alle Reporter nur eine Frage: "Wie finden Sie denn heute das Wetter, Herr Rogge?"

Er ist müde, er schwitzt, er ist genervt. Er sei sehr zuverisichtlich, sagt der IOC-Chef zunächst noch tapfer. Als dann ein Reporter wissen will, ob man denn bei diesem Wetter wirklich einen Marathon laufen könne, wird die Antwort schon etwas unwirsch: "Ich bin kein Experte, da müssen wir erst die Wetterdaten kennen."

Ein Blick zum Himmel hätte genügt. Und das Hemd klebt unterm feinen Zwirn. Später werden im Pressezentrum die Pekinger Umweltdaten preisgegeben. Fazit: Wieder kein guter Tag. Weder für die Luft - noch für Rogge.

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