Olympia-Tagebuch
Pekinger Farbenlehre

Am Wochenende war Peking mal wieder in eine dicke Dunstglocke eingehüllt. Ok – Dunst ist nicht gleich Smog. Und man muss fair sein: Eine Woche weniger Verkehr und Industrie kann aus Peking keinen Luftkurort machen. Nur klingt das offiziell eben immer ganz anders. Das ist das Problem. Und die Fakten sind ernüchternd.
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Am Sonntag sind die ersten deutschen Olympia-Sportler in Peking angekommen. Zum Glück sind es die Kanuten und nicht die deutschen Langstreckenläufer. Denn die hätten vielleicht gleich wieder kehrt gemacht und den nächsten Flieger gen Heimat genommen. Der Grund: Am Wochenende war Peking mal wieder in eine dicke Dunstglocke eingehüllt.

Ok - Dunst ist nicht gleich Smog. Und man muss fair sein: Eine Woche weniger Verkehr und Industrie kann aus Peking keinen Luftkurort machen. Nur klingt das offiziell eben immer ganz anders. Das ist das Problem. Und die Fakten sind ernüchternd. Eine Woche nach dem Start des Fahrverbots und nach Fabrikabschaltungen ist die Luft in Chinas Olympiastadt noch immer stickig und bleilastig.

Mit großem Interesse war ich darum bei der Pressekonferenz des Vizedirektors des Pekinger Umweltamtes, Du Shaozhong. Pekings Luftqualität sei in der Tat in der vergangenen Woche wirklich "nicht gut" gewesen, musste er einräumen. Der gemessene Luftindex lag Donnerstag und Freitag noch auf einem Level, bei dem die chinesischen Behörden Menschen mit Herz- oder Lungenproblemen vor jeder Anstrengung im Freien warnen. Klingt nicht gerade nach Marathonwetter, oder?

Doch wunderbar, wie der chinesische Umweltexperte Du sich die Pekinger Luft unermüdlich sauber redete. Was zähle, sei schließlich der Trend, so die überraschende Mitteilung. Da sei Besserung in Sicht. Die Luftschadstoffe hätten seit Anfang Juli um ein Fünftel gegenüber dem Vorjahreszeitraum abgenommen. Und: Peking habe so viele "Blaue-Himmeltage" wie nie zuvor im Juli gehabt, zauberte Herr Du damit sogar Wolken und Smog weg.

Wie bitte? Die Sonne war über Peking in diesem Monat doch nur selten zu sehen, so ein zaghafter Einwand. "Blaue-Himmeltage" sei ja auch nur so ein Begriff, erklärt der Fachmann vom Umweltamt milde lächelnd. Nach den Vorgaben seiner Behörde bedeute das noch lange nicht, dass man dann wirklich einen blauen Himmel über Peking zu sehen bekomme.

Der Laie staunt und der Experte wundert sich. Wir lernen: Nach der Pekinger Farbenlehre ist ein blauer Himmel nicht zwingend blau; und für Olympias Luftqualität zählt der Trend mehr als das Ergebnis.

So verkündete Chinas staatliche Nachrichtenagentur Xinhua gestern auch, die Pekinger Olympiaorganisatoren seien zuversichtlich, während der Sommerspiele im August für "saubere Luft" zu sorgen. Dazu gab es im Internet ein Bild mit einem strahlend blauen Himmel über Peking. Wann das aufgenommen wurde, stand allerdings nicht dabei.

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