Olympia-Vorbereitung
Reiter vom Winde verweht

Der Taifun Kammuri peitschte am Mittwoch über die olympischen Reit-Anlage, das Vormittagstraining fiel ins Wasser, und die deutschen Reiter blieben sicherheitshalber im Hotel. Zudem konnten 24 Pferde nicht nach Hongkong gebracht werden. Der tropische Sturm hat den Zeitplan der olympischen Reit-Wettbewerbe kräftig durcheinandergewirbelt.

Die Plastik-Absperrung des Dressurvierecks flog in hohem Bogen durch die Luft, Abdeckplanen und Olympiafahnen lösten sich von den Tribünendächern, die Sandplätze waren aufgeweicht: Drei Tage vor dem Auftakt des Reitturniers meldeten die Behörden in der Olympia-Außenstelle Hongkong Land unter. Der Taifun "Kammuri" legte das Leben in der Millionen-Metropole lahm und ließ die Sorge um einen regulären Ablauf der Reiterspiele wachsen.

"Wir wollten morgens um sieben Uhr trainieren, doch man ließ die Pferde nicht aus dem Stall", sagte Hans Melzer, Bundestrainer der Vielseitigkeitsreiter. Die Übungseinheiten unter freiem Himmel wurden komplett gestrichen. Erst als der schlimmste Sturm am Mittag vorbeigezogen war, durften die Reiter ihre Vierbeiner in der Halle bewegen. "Viel kann man da nicht machen. Doch man muss die Situation nehmen wie sie ist", sagte Vielseitigkeitsreiter Hinrich Romeike aus Nübbel.

Einen Rückschlag in der Vorbereitung auf den am Samstag beginnenden Wettkampf befürchtete Melzer nicht. "Lieber es knallt jetzt, als später während des Wettkampfes", sagte der Coach. Laut Wettervorhersage soll der Taifun am Donnerstag an Kraft verlieren, üblicherweise folgen dann einige Regentage. "Das ist gar nicht so schlecht. Dann haben wir vielleicht bei den Prüfungen nicht die befürchtete Hitze", meinte Romeike.

Mit einer Geschwindigkeit von 68 Meilen (110km/h) war der schlimmste Sturm dieses Sommers ohne große Ankündigung durch die Stadt gefegt. Die Behörden sprachen von einem Taifun der Stärke acht, der höchsten Kategorie. Geschäfte, Kindergärten und Schulen blieben geschlossen, die Menschen wurden aufgefordert, zu Hause zu bleiben. In den olympischen Einrichtungen arbeiteten nur Not-Besetzungen, Shuttle-Busse fuhren sporadisch.

"Wir wollten zum Training, als ich die Nachricht bekam, dass der Shuttle nicht fahren würde", sagte Bettina Hoy. Die deutsche Team-Weltmeisterin ist dieses Mal nicht als Athletin vor Ort, sondern betreut den japanischen Reiter Yoshiaki Oiwa.

Hoy wollte jedoch ausschließen, dass etwa der Boden für den Geländeritt am Montag Schaden genommen hätte. "Sie haben so viel Geld in die Geländestrecke investiert. Der Untergrund wird so einen Sturm überstehen", sagte die im englischen Gatcombe lebende Reiterin.

Betroffen vom Taifun war auch der Transport der letzten Olympia-Pferde. In Amsterdam saß eine Maschine mit 14 Vierbeinern aus China, den USA und vier weiteren Nationen fest. In Dubai entfiel der Flug für zehn Pferde aus Australien und Saudi-Arabien. Beide Flugzeuge durften wegen des Sturms im Zielort nicht starten und mussten die Reise um einen Tag verschieben.

Bislang hatten die Organisatoren in Hongkong mit zu hohen Temperaturen gerechnet. Üblich sind im August mehr als 30 Grad Celsius und eine Luftfeuchtigkeit von über 90 Grad, sodass eine Reihe von Vorsichtsmaßnahmen getroffen wurden.

Die Stallungen sind allesamt gekühlt, die Wettkämpfe wurden in die kühleren Abendstunden gelegt. Am Samstag beginnt das Programm mit der Dressur der Vielseitigkeitsreiter. Für den Notfall wurden zwei Überhang-Tage eingerichtet.

© SID

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