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Olympiastadion Berlin: Denkmal für die Zukunft

Berlin (dpa) - Schon zwei Jahre vor dem Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in der deutschen Hauptstadt ist das Sport-Denkmal Olympiastadion Berlin fit für seine große Zukunft.

Berlin (dpa) - Schon zwei Jahre vor dem Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in der deutschen Hauptstadt ist das Sport-Denkmal Olympiastadion Berlin fit für seine große Zukunft.

Die Arena der von den Nazis missbrauchten Olympischen Spiele von 1936 ist in den vergangenen vier Jahren für 242 Millionen Euro auf einen hoch modernen Stand gebracht worden. Berlin hat neben dem Pariser Platz am Brandenburger Tor nun eine zweite prächtig aufgemöbelte «gute Stube», sogar noch ein bisschen größer und protziger als das Areal am Wahrzeichen der Hauptstadt.

In den Festreden wird die Vergangenheit gewiss nicht ausgeblendet, mit Erinnerungen an 1936, an glorreiche unsterbliche Sieger wie Jesse Owens, später an die Rolling Stones oder an den Besuch von Papst Johannes Paul II. Aber gleichzeitig beginnt an diesem Wochenende (31. Juli/1. August) mit den zweitägigen Feiern zur offiziellen Eröffnung der Countdown für den 9. Juli 2006, den Tag des WM-Finals. Zwischen 1,5 und 2 Milliarden Menschen werden dann auf dem Globus via TV die Übertragungen vom Schauplatz Berliner Olympiastadion verfolgen. Für 2009 hat sich Berlin um die Leichtathletik-WM beworben.

Zum ersten Mal sollen die Vorzüge des Stadions für das staunende Publikum richtig sicht- und hörbar werden. Bühnenatmosphäre pur ist am 31. Juli zu erleben, wenn internationale Popstars wie Nena, Pink, der Dirigent Daniel Barenboim und die Blue Man Group in einer großen Abendshow auftreten. Die völlig neuartige Flutlichtanlage strahlt aus 312 Speziallampen zentimetergenau die handelnden Akteure an, die bis zu 75 000 Zuschauer bleiben im Dunkeln. Einen Tag später spielt Berlins Bundesligist Hertha BSC gegen Besiktas Istanbul.

Vor allem das fast 70 Meter frei herausragende Dach modelliert das neue Gesicht des Stadions. Die Architekten Gerkan, Marg und Partner und die ausführende Walter Bau AG schufen trotz der gigantischen Dimension der Riesenschüssel für die Betrachter eine spürbare Nähe zum Geschehen auf dem um 2,65 Meter abgesenkten Spielfeld.

Das Stadion darunter hat dagegen weitgehend sein Antlitz bewahrt. Der Umbau musste unter strengsten Auflagen des Denkmalschutzes erfolgen. So sind laut Bauleiter Hans-Wolf Zopfy «gut 70 Prozent der alten Baumasse noch erhalten». Stück für Stück wurden Zehntausende von Kubikmetern der alten Natursteine abgebaut, mit Sandstrahltechnik gereinigt und wieder eingesetzt.

Das Stadion ist für den Umbau nicht abgerissen worden wie sein Vorgänger von 1913. Berlin hatte 1911 den Zuschlag für die Spiele 1916 vom IOC erhalten. Otto March baute das erste Stadion für Olympia in Deutschland. Der Erste Weltkrieg vereitelte die Spiele. Den Auftrag für die Arena der Spiele 1936 erteilte Diktator Adolf Hitler dem Sohn von Otto March, Werner March. In knapp 2 Jahren entstand von 1934 an das Olympiastadion auf dem Reichssportfeld.

Es ist die Geschichte, die an jeder Betonpore des alten und neuen Stadions klebt. Und bis heute fragen Touristen aus aller Welt am häufigsten: «Wo stand Hitler?». Geschichtsfragen dieser Art sollen auf zahlreichen Tafeln in der Arena beantwortet werden.

Der historischen Dimension will der Geschäftsführer des Stadionbetreibers, Winfrid Schwank, nicht aus dem Weg gehen. Sein Konzept richtet sich stärker an der Zukunft aus. Das neue Olympiastadion soll auch Kulisse für die Silvesterparty Berlins werden, die wegen U-Bahnbaus nicht mehr am Brandenburger Tor steigen kann.

Hochzeiten und Taufen, aber auch andere Feiern oder Betriebsversammlungen könnten hier stattfinden. Das Nutzungsrecht kann im Internet ersteigert werden. Die nächste Zukunft, mit dem absoluten Highlight des WM-Finals, soll vielseitig sein. Auch wenn das Stadion erst einmal mit Kinderkrankheiten zu kämpfen hat: Behindertenverbände haben sich massiv beschwert, und die Kirchen haben ihre große Kapelle nicht zum Start fertig bekommen. Aufnahmefähig sind im Stadionbauch dagegen die Verwahrzellen für Fußball-Randalierer. Gewöhnungsbedürftig ist die erstmals (hertha-) blaue Tartanlaufbahn.

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