Olympische Reiterspiele
Olympia-Reitanlage sucht ihresgleichen

Die Olympische High-Tech-Reitanlage in Hongkong lässt bei Ross und Reiter keine Wünsche offen. "Hier ist alles tipptopp", freut sich Dressurreiterin Isabell Werth. Auch Ludger Beerbaum, der bereits seine sechsten Olympischen Spiele erlebt, sprach ein Lob aus.

Gebürstet und gestriegelt: Die Außenstelle Hongkong hat sich für die olympischen Reiterspiele herausgeputzt. 2 100 Kilometer südlich von Peking ist im Stadtteil Sha Tin eine High-Tech-Reitanlage entstanden, die ihresgleichen sucht. Vor der atemberaubenden Kulisse von Wolkenkratzern und Gebirgsketten fühlen sich Ross und Reiter gleichermaßen wohl. Der Streit um die zweite Auslagerung der Reiterspiele bei Olympia seit 1956 ist verstummt.

"Das ist die beste Infrastruktur, die ich von Olympischen Spielen kenne", meint Ludger Beerbaum. Der Springreiter muss es wissen, erlebt der 44-Jährige doch seine sechsten Spiele. Und IOC-Präsident Jacques Rogge will den Komfort der Pferde am eigenen Leibe spüren: "Wenn ich die Reiterspiele besuche, dann werde ich für die Übernachtung nach einem Stall und nicht nach einem Zimmer fragen", kündigte der Belgier schmunzelnd an.

Hongkong hat seine Chance genutzt

Das Lob aus dem Olymp macht es deutlich: Hongkong hat seine Chance genutzt, nachdem es 2005 den Zuschlag erhalten hatte. Möglich gemacht hat das der Hongkong Jockey Club. Der weltweit reichste Verein seiner Zunft betreibt die benachbarte Pferderennbahn und hat sich die Olympia-Anlage 97 Mill. Euro kosten lassen.

Geld ist genug da. Jährlich strömen zwei Mill. Gäste auf die zwei Bahnen des Klubs, der 2006 mit rund einer Milliarde Euro Hongkongs größter Steuerzahler war.

"Hier ist alles tipptopp. Vom Boden bis zum Dach", schwärmt Isabell Werth. Die viermalige Dressur-Olympiasiegerin traf vor zehn Tagen als eine der ersten Reiterinnen ein. Mittlerweile sind alle deutschen Dressur- und Vielseitigkeitsreiter da. Die Springreiter trudeln in den nächsten Tagen ein. 202 Paare gehen an den Start. "Auch andere Nationen sind von den Trainingsbedingungen begeistert", sagt Dressur-Bundestrainer Holger Schmezer.

250 First-Class-Unterkünfte

Prunkstück der neuen Anlage sind die Stallungen, die den Kampf gegen die Tropenhitze als einzige Schwachstelle Hongkongs besonders verdeutlichen. 250 First-Class-Unterkünfte bieten den teuren Vierbeinern höchsten Komfort und werden permanent auf 24 Grad Celsius gekühlt, bei einer Außentemperatur von 35 Grad. Jeder Stall ist 3,6 mal 3,6 Meter groß und bietet mehr Raum als der bisherige Standard. Die Unterkünfte sind mit automatischen Trinksystemen ausgestattet.

Ebenfalls sehenswert ist das neue Reitstadion mit einem Fassungsvermögen für 18 000 Besuchern. Auf der 100 mal 80 Meter großen Sandfläche werden alle sechs Entscheidungen in den drei Disziplinen ausgetragen. Lediglich der Geländeritt in der Vielseitigkeit über 5,7 Kilometern findet auf dem Golfplatz des Beas River Country Klub nördlich von Sha Tin statt.

Erstmals in der Reit-Geschichte Olympias gibt es in unmittelbarer Nähe ein Veterinär-Labor. Das Labor mit 44 hauptamtlichen Fachkräften gehört seit Jahren zum festen Kundenstamm des Weltreiter-Verbandes und untersucht bis zu 18 000 Proben pro Jahr.

"Grüne" Spiele auch in Hongkong

Der Hongkong Jockey Club stellt auch seine supermoderne Pferdeklinik mit zehn Ställen zur Verfügung, da die eigenen Rennpferde in den heißen August-Wochen Pause haben. Neun Veterinärspezialisten kümmern sich dort mit modernster Technik um die vierbeinigen Patienten.

Den Anstrich "grüner" Spiele will sich Hongkong natürlich auch geben. In einer Wiederaufbereitungsanlage wird der komplette Stallmist inklusive Pferdekot auf umweltverträgliche Weise zu Düngemittel verarbeitet. Für eine weitere Nutzung von Teilen der Anlage ist ebenfalls gesorgt. Eine Reitschule soll nach den Spielen einziehen. Zudem ist die Einrichtung eines Museums vorgesehen. Rogge selbst hat dafür Unterstützung signalisiert und könnte der Ausstellung nach seinem Besuch gleich ein eigenes Werk überlassen. Möglicher Titel: Meine Nacht im Stall.

© SID

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