Olympische Sommerspiele
Eine Welt hinter Zäunen

Die 29. Olympischen Sommerspiele beginnen voller Widersprüche. Der heimliche Star: das Absperrgitter. Ein unglücklicheres Symbol für die Begegnung der Kulturen könnte es kaum geben. Ein Streifzug durch Peking.

PEKING. Die Verbotene Stadt in Peking, zwei Tage vor Beginn der 29. Olympischen Sommerspiele. Im Stechschritt marschieren zehn Soldaten über den Hauptplatz der alten kaiserlichen Anlage, die das einfache Volk bis zum Ende der Monarchie nicht betreten durfte. Es wimmelt vor Menschen.

Ein westlicher Tourist, kurzes Haar, kräftige Figur, wahrscheinlich Brite, rennt den grün uniformierten Militärs hinterher. Als er sich auf einer Höhe mit ihnen befindet, marschiert er mit. Nebenher, im Stechschritt - es sieht aus wie in einem Film von Monty Python. Seine Begleiterin schießt ein Foto, eine Gruppe junger Chinesen beobachtet die Szenerie. Sie kichern, sie lachen über Soldaten der stolzen, großen, fürchterlichen Volksbefreiungsarmee. Sie lachen sie aus.

War das nun eine westliche Lektion in zivilem Ungehorsam? Eine Konsequenz der Begegnung der Völker durch Olympia? Vielleicht leisten die Spiele, bei aller Sorge wegen der Propaganda des chinesischen Regimes, ja doch einen kleinen Beitrag für die Liberalisierung des Landes. Vielleicht träumt die Welt tatsächlich denselben Traum, wie es das Motto der Spiele nahelegt.

"One world, one dream" heißt es, aber wer sich fernab der Verbotenen Stadt auf dem Olympiagelände bewegt, kann sich schon fragen, welcher Traum das eigentlich sein soll. Das Areal im Norden der Stadt ist hermetisch abgeriegelt. Schon um mit der neuen U-Bahn-Linie 8 dorthin zu gelangen, muss man akkreditiert sein. Dem Ausstieg folgt die Sicht auf famose Sportanlagen, das Vogelnest, die Schwimmhalle - und die Begegnung mit einem heimlichen Star der Spiele - dem Absperrgitter. Hunderte Meter zieht es sich um jedes Gebäude, jede Arena eine Trutzburg. Es sind auch die Spiele des Zauns, und ein unglücklicheres Symbol für die Begegnung der Kulturen könnte es kaum geben.

Zum olympischen Dorf dürfen nicht einmal Taxis fahren, vor dem Eingang stehen in dichtem Abstand die Soldaten, auf roten Podesten unter blauen Sonnenschirmen. Einmal drinnen, eröffnet sich eine andere Welt. Sportler in ihren Trainingsanzügen. Männer, Frauen, Jugendliche. Weiße, Schwarze, Asiaten - und manchmal großer Aufruhr, wenn unter den Tausenden namenlosen Athleten ein Star wie Rafael Nadal oder Roger Federer auftaucht.

Seite 1:

Eine Welt hinter Zäunen

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Seite 5:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%