Olympische Spiele 2012
Fünf Olympia-Kandidaten ringen um Bestnote

Für Dieter Graf Landsberg-Velen ist es ein "herrlicher Schleudersitz", für Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Stuttgart und Leipzig ein entscheidendes nationales Examen für die Olympischen Spiele 2012. 180 Tage vor der Kür des deutschen Kandidaten am 12. April in München durch die NOK-Vollversammlung startet der 76 Jahre alte Schlossherr aus Balve mit seinem 10- köpfigen Team am Donnerstag in Hamburg seine Prüfungs-Tour.

HB/dpa HAMBURG. Im März dann wird das NOK das gräfliche Zeugnis öffentlich machen. Wer die Bestnote bekommt, der bietet die technisch besten Voraussetzungen als olympischer Gastgeber und darf als Favorit gelten. Doch die NOK-Mitglieder haben nach Ansicht von Landsberg- Velen in München auch eine "sportpolitische Wahl" vorzunehmen: "Gewählt werden sollte, wer international die größte Chance hat." Vergeben werden die Spiele im Juli 2005 durch die Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), und das gegen größte Konkurrenz aus Nordamerika (New York oder San Francisco) und Europa.

Die NOK-Prüfer werden die Kandidaten auf elf IOC-Kriterien untersuchen, ergänzt um einige nationalen Gesichtspunkte. Die höchste Gewichtung haben die allgemeine Infrastruktur und die Beherbergungskapazität mit jeweils Faktor fünf, dazu kommen das Olympisches Dorf, die Sport-Infrastruktur, der Transport (je 4), das generelle Bewerbungskonzept, die Sicherheit (je 3), die Umweltaspekte, die Erfahrung mit Sport-Großereignissen (je 2) und die Unterstützung durch Politik und Öffentlichkeit (1). Das alles geht in die Finanzpläne der Spiele ein, die gesondert eingeschätzt werden.

Für alle Kriterien und Unterkriterien gibt es eine Skala von 1 bis zehn (mangelhaft bis sehr gut). Die Endnote bildet der Koeffizient aus allen Bewertungen. Zwar will das NOK offiziell kein Ranking vornehmen. Doch Landsberg-Velen sagt: "Wenn wir die Zahlen veröffentlichen, sprechen sie für sich." Dann spätestens findet die Beschreibung seiner Aufgabe als "herrlichen Schleudersitz" eine Erklärung. "Herrlich", weil es Landsberg-Velen "Freude macht, noch einen gewissen Beitrag leisten zu können". "Schleudersitz", weil es "mindestens vier Bewerber geben wird, die sich nicht gerecht beurteilt fühlen könnten".

Dem ehemaligen Präsidenten der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) macht zwar ein Rückenleiden schwer zu schaffen. Doch gehört der langjährige Vizepräsident des NOK und des Deutschen Sportbundes (DSB) zu den nicht gerade zahlreichen Persönlichkeiten im deutschen Sport, die den aufrechten Gang immer gepflegt und ihre Unabhängigkeit stets bewahrt haben. So nannte ihn DSB-Präsident Manfred von Richthofen im vergangenen Jahr bei der Verabschiedung als FN-Chef "das Gewissen des Sports". Diese Unabhängigkeit wird von ihm in den kommenden Monaten besonders gefordert, Druck wird es aus allen Richtungen geben.

Bemerkenswert ist, dass Landsberg-Velen nicht erste Wahl war. NOK- Präsident Walther Tröger wollte zunächst seinen Freund, den Bob- und Rodel-Präsident Klaus Kotter, als Vorsitzenden der Evaluierungskommission durchsetzen. Nach heftigem Gerangel kam dann doch noch ein beachtlicher Elferrat zusammen, der Graf hält jedenfalls große Stücke auf ihn: "Es ist eine gute Kombination aus ehemaligen Aktiven und sportlichen Funktionsträgern, die auch in ihren Berufen etwas vorzuweisen haben." Jeder musste eine verbindliche Erklärung unterschreiben, in keiner Weise befangen zu sein und sich nicht vereinnahmen zu lassen.

Wie groß die Chance des deutschen Kandidaten im internationalen Rennen sein wird, darüber mag Landsberg-Velen keine Aussage machen. Als Teilnehmer an acht Olympischen Spielen und Kenner der internationalen Sport-Hierarchie kennt der Graf den steinigen Weg für eine deutsche Olympia-Kandidatur. Eine "ganz wichtige Frage" werde sein, ob die vier Verlierer von München sich solidarisch hinter den deutschen Bewerber stellen werden.

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