Olympische Spiele
Vom Multimillionär bis zum Sozialfall

Olympische Spiele bringen nicht nur die Völker der Welt zusammen, sondern auch die sozialen Schichten - und das sogar innerhalb der einzelnen Delegationen. Im deutschen Olympiateam kommen alle Einkommensschichten zusammen. Rund 90 Prozent der Peking-Fahrer werden staatlich oder privat subventioniert.

HB/dpa PEKING/BERLIN. Im deutschen Team stehen für die Extreme dabei Basketball-Star Dirk Nowitzki (Jahresverdienst bei den Dallas Mavericks: 15 Millionen Dollar) am oberen und Florence Ekpo-Umoh am unteren Ende der Einkommensskala. Die 400-Meter-Läuferin mit nigerianischen Wurzeln, 2003 des Dopings überführt, ist Empfängerin von Hartz-IV.

In einer sozialen Klassifizierung der Stiftung Deutschen Sporthilfe (DSH) taucht Ekpo-Umoh daher unter der Rubrik "Sonstige" auf. Drei Prozent der 439 deutschen Teilnehmer an den Spielen in Peking werden in dieser Kategorie geführt. 33 Prozent sind Studenten, 22 Prozent Berufs- oder Zeitsoldaten, 15 Prozent Auszubildende oder Schüler, zwei Prozent Bundespolizisten und 25 Prozent Selbstständige oder Berufstätige. Ob Vollprofi, Halbprofi oder Profi auf Zeit, die meisten sind, unter Einkommensgesichtspunkten, dem Status eines Amateurs näher als dem eines Berufssportlers. Was aber nicht bedeutet, dass sie ihren Sport nicht professionell betreiben. Michael Ilgner, Geschäftsführer der DSH sagt deshalb: "Der Begriff Profi gehört abgeschafft, weil er nicht mehr aussagestark genug ist."

Die Sporthilfe, Deutschlands wichtigster privater Sportförderer, hat 99 Prozent der Peking-Fahrer in irgendeinem Stadium ihrer Karriere unterstützt. Gegenwärtig tut sie das noch bei knapp 90 Prozent. Die Ausnahme bilden 45 Athleten, die genug verdienen, um eine Förderung nicht nötig zu haben. Zu ihnen zählen die 14 Handballer und zwölf Basketballer, sechs Reiter, fünf Straßenradfahrer, die Tennisprofis Nicolas Kiefer, Philipp Kohlschreiber und Rainer Schüttler, die Leichtathleten Tim Lobinger, Danny Ecker und Sabrina Mockenhaupt sowie Schwimmerin Britta Steffen und Tischtennisspieler Timo Boll.

Der prominenteste "Ehemalige" ist natürlich Nowitzki. Der NBA-Star gehörte einst dem Nachwuchskader an, zahlte seine Fördersumme zurück und entrichtet nun einen jährlichen Beitrag. Dagegen steht der ebenfalls glänzend verdienende Turnstar Fabian Hambüchen noch unter dem jährlich kündbaren DSH-Vertrag. Fünf Prozent seiner inzwischen beträchtlichen Marketingeinnahmen muss er deshalb an die Sporthilfe abführen. Wie es geht, wenn aus einer Unterstützten der Sporthilfe ihr Sponsor wird, hat Magadalena Neuner vorgemacht. Die Biathletin gilt bereits als Werbe-Millionärin. Bei einer Million Euro pro Jahr fielen für die Sporthilfe 50 000 Euro ab.

In den vier Jahrzehnten ihres Bestehens hat die Sporthilfe 40 000 Athleten mit über 350 Millionen Euro unterstützt. Ziel ist eine ganzheitliche Planung einer Sportkarriere, die bereits in jungen Jahren einsetzt und gegenwärtig 2 000 Nachwuchssportler einbezieht. Die Stiftung betreibt einen Förderaufwand zwischen zehn und zwölf Millionen Euro pro Jahr, über die Hälfte davon kommt durch Mäzenatentum zustande. Das Ausmaß der individuellen Förderung bemisst sich an der Kaderzugehörigkeit (Elite, A, B, C). Die 150 Mitglieder des Elite-Kaders bekommen, neben anderen Hilfen, einen monatlichen Zuschuss von 350 Euro.

Doch längst hat die DSH ihr von ihrem Mitgründer Josef Neckermann einst reklamiertes Fördermonopol verloren, was "zeitgemäß und grundsätzlich gut ist" (Ilgner), aber auch Wildwuchs bedeutet und durch mangelhafte Koordination einen deutschen "Sport-Förderalismus" hervor gebracht hat. 14 der 16 Bundesländer besitzen mittlerweile eigene Sporthilfen, gefördert wird über Verbände, Landessportbünde, Olympiastützpunkte, Fördergesellschaften, städtische Stiftungen, Vereine und Sponsoren aus der Wirtschaft.

Hauptförderer des deutschen Spitzensports ist aber die Bundesregierung. Sie unterstützt ihn in diesem Jahr mit etwa 200 Millionen Euro. 126 Millionen Euro davon gehen in die zentralen Maßnahmen der Verbände des Deutschen Olympischen Sportbundes. Dazu sind allein die Sportplanstellen bei der Bundeswehr auf 740 gewachsen, was die Armee etwa 25 Millionen Euro kostet. Inklusive Bundespolizei und Zoll gibt es mittlerweile über 1 000 solcher staatlicher Stellen. Das Durchschnittsgehalt liegt dabei zwischen 1400 und 1 500 Euro netto.

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