Olympisches Wetter
Manipulatoren wollen Pekinger Himmel „schönen“

Versucht wird es seit langem, doch die Erfolge sind begrenzt. Trotzdem soll das olympische Wetter in Peking optimal manipuliert werden - in Richtung "schön". Die chinesischen Organisatoren, die gern alles unter Konrolle haben, wollen vor allem erreichen, dass die Eröffnungsfeier am Freitag nicht durch Niederschläge getrübt wird.

HB PEKING. Es sind Gewitter und Regenschauer vorhergesagt. Das wäre "eine Katastrophe", wie die staatlichen Medien schaudernd berichten. Die China-Meteorologen planen deshalb, die Wolken mit Silberjodid zu "impfen". Ob diese weltweit mehrfach eingesetzte Methode ausgerechnet in Peking überzeugend funktioniert, ist umstritten.

"Wir experimentieren mit dieser Technik", erklärte Zhang Qiang vom Pekinger Büro für Wetterveränderungen vor Journalisten in Peking. Die Wetterbehörden wollen einerseits die Wolken abregnen lassen, bevor sie die Olympia-Stätten erreichen. Sie könnten aber auch versuchen, an Tagen mit besonders starker Luftverschmutzung Regen zu "produzieren", um die Luft zu reinigen. Außerdem könnten Chemikalien Regenwolken so beeinflussen, dass sie erst abregnen, wenn sie an den Olympia-Anlagen vorbeigezogen sind.

"Natürlich hoffen wir, dass wir ihnen gutes Wetter bringen können. Wir schauen uns die Wetterverhältnisse genau an und haben einen Notfallplan für leichten Regen", so Zhang Qiang. Die Methode hat nach Angaben der Wetterbehörden nur bei kleineren Wolken Erfolg. Tatsache ist aber, dass kaum eine Nation von der Technik der Wettermanipulation soviel Gebrauch macht wie das Reich der Mitte.

Schon vor 50 Jahren sollen die Chinesen damit experimentiert haben, um auf diese Weise den trockenen Norden zu bewässern. Laut staatlicher Medien soll sogar eine Armee von 32000 Menschen an 26 verschiedenen Stationen mit der Wettermanipulation beschäftigt sein. Auf Internetfotos sehen die Bodentruppen der Pekinger "Regenmacher" wie martialische Kampfwetterfrösche aus. Sie tragen grüne Stahlhelme auf dem Kopf, Uniform am Leib und halten sich an einer grünen Kanone fest. Das Hauptquartier der olympischen Regenmacher liegt im siebten Stock eines unscheinbaren Bürogebäudes in Westpeking. Nur eine aufdrapierte Batterie bunter Raketen erinnert an die tollkühne Aufgabe, die hier bewältigt werden soll.

"Wir haben mit schwereren Wetterverhältnissen zu kämpfen als die vorangegangenen Olympia-Städte", sagt Wang Yinchun, die Sprecherin des städtischen Wetteramts. Temperatur und Niederschläge variierten stark. Während der Spiele vom 8. bis zum 24. August beträgt die Niederschlagswahrscheinlichkeit 36,6 Prozent. Das hätten die Messdaten aus 30 Jahren Wetterbeobachtung ergeben. Für den Tag der Eröffnung liegt sie sogar bei etwa 41 Prozent.

Nach Angaben der US-Wissenschaftszeitschrift "Technology Review" gibt die Volksrepublik jährlich 60 bis 90 Millionen Dollar für das "Regenmachen" aus. Von 1999 bis 2007 seien mehr als 250 Milliarden Tonnen Niederschlag produziert worden. Die Technik stamme aber eigentlich aus den USA, wo einst der Wissenschaftler Bernard Vonnegut, Bruder des Schriftstellers Kurt Vonnegut, mit Silberjodid experimentierte.

Auch Russland habe sich in der Vergangenheit daran versucht, den "Wettergott" zu spielen. Trotz 30 Jahren Experimentierens gibt es laut einem Report der US- amerikanischen Akademie der Wissenschaften aus dem Jahr 2003 aber "immer noch keinen überzeugenden wissenschaftlichen Beweis für die Wirksamkeit für die Versuche absichtlicher Wetterbeeinflussung". Auch China versucht derzeit daher, seine Versuche auf dem Feld lieber kleinzureden. "Das vom Menschen veränderte Wetter ist nicht so zielgerichtet und korrekt wie wir dachten", gab der Chefvorhersager des Pekinger Wetteramts, Sun Jisong, zu.

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