OM-Gruppen legt Übernahmeangebot für London vor
Börsenfusion London-Frankfurt gestoppt

Das für Donnerstag in Frankfurt geplante Votum zum Zusammenschluss der Deutschen Börse mit der LSE ist bis auf Weiteres ausgesetzt.

dpa FRANKFURT/MAIN/LONDON. Die Fusion der Börsen Frankfurt und London ist vorerst gestoppt. Nach der London Stock Exchange (LSE) hat auch die Deutsche Börse AG ihre für Donnerstag anberaumte Hauptversammlung verschoben. Dort sollte der Zusammenschluss zur europäischen Leitbörse iX gebilligt werden. Der Aufsichtsrat der Deutschen Börse beschloss die Vertagung am Montag in Frankfurt. Damit halte sich die Deutsche Börse "alle strategischen Optionen offen". Ein neuer Termin steht noch nicht fest.

Grund für den unbefristeten Aufschub ist das feindliche Übernahmeangebot des schwedischen Börsenbetreibers OM an die LSE - Aktionäre. Damit soll der Zusammenschluss von London und Frankfurt zu iX vereitelt werden. Der LSE-Vorstand lehnte das Angebot am Montag bereits zum dritten Mal ab. Allerding mehren sich in London die Stimmen der Befürworter für die schwedische Offerte.

Nachdem OM am Montag das Angebot im Gesamtvolumen von 1,3 Mrd. Euro präzisierte, verteidigte der LSE-Vorstand den Zusammenschluss mit der Deutschen Börse. Mit OM könne "viel weniger" erreicht werden. LSE-Vorstandschef Don Cruickshank sagte, das am Montag vorgelegte vollständige Übernahmeangebot von OM enthalte "nichts Neues" für die LSE - Aktionäre. Unterdessen berichten britische Medien, auch die US-Technologiebörse NASDAQ erwäge inzwischen einen Frontenwechsel zu Gunsten von OM. Es sei bereits zu ersten Kontakten gekommen, berichtete der "Daily Telegraph".

Auch die Gruppe Euronext - die Börsen Paris, Brüssel und Amsterdam - sowie die Reuters-Tochter Instinet erwägen Übernahmeofferten an die LSE-Aktionäre. Im Gegenzug wird bei der Deutschen Börse in Frankfurt mit Madrid und Mailand als Partnern ein eigenes Angebot erwogen.

Aufsichtsrat und Vorstand der Deutschen Börse stehen nach wie vor hinter dem Projekt iX. "Der Zusammenschluss von Deutsche Börse und LSE ist aus Sicht der Deutschen Börse weiterhin die attraktivste Option", betonte der Chef des Kontrollgremiums und Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Rolf Breuer.

Trotz des Rückschlags für die weit reichenden Pläne des Frankfurter Börsenchefs Werner Seifert wurde dieser am Montag vorzeitig in seinem Amt bestätigt. Seifert, der auch als Vorsitzender der iX vorgesehen war, soll nun bis 2006 Vorstandsvorsitzender der Deutsche Börse AG bleiben. "Der Aufsichtsrat versteht dieses Votum auch als Ausdruck des ungeschmälerten Vertrauens in eine weiterhin erfolgreiche Amtsführung von Werner G. Seifert", betonte Breuer.

Die Verschiebung der Börsenfusion Frankfurt/London ist nach Meinung der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) eine "absolut richtige Entscheidung". Eine einseitige Zustimmung der Deutsche Börse AG hätte allen übrigen Partnern in Europa und damit denkbaren Alternativen "die Tür zugeschlagen", sagte der hessische DSW-Geschäftsführer Klaus Nieding in einem dpa-Gespräch.

Nachdem bereits in London die Zustimmung ausgesetzt worden sei, wäre Frankfurt unnötig in Zugzwang geraten. Mit dem Übernahmeangebot von OM im Rücken hätte die LSE die Frankfurter ständig mit Nachbesserungen konfrontieren können. Vor allem wäre die Gefahr gewachsen, dass nicht nur die Dax-Titel, sondern auch der Neue Markt in Richtung Themse abwandern. Diese Bedrohung ist der entscheidende Einwand am Frankfurter Bankenplatz gegen den ausgehandelten Fusionsvertrag. Auch das hessische Wirtschaftsministerium und die Landeszentralbank haben mehrfach auf diesen Punkt hingewiesen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%