O'Neill schließt Interventionen am Devisenmarkt nicht prinzipiell aus
Euro profitiert kräftig von schwachen US-Daten

Reuters FRANKFURT. Der Euro hat am Freitag kräftig nach unerwartet schwachen US-Konjunkturdaten und verwirrenden Aussagen von US-Finanzminister Paul O'Neill bis auf Kurse um 0,9177 $ zugelegt.

Überraschend zogen die US-Erzeugerpreise im Januar so stark wie seit zehn Jahren nicht mehr an, die Industrieproduktion nahm zugleich um 0,3 % ab. Ebenfalls unerwartet fiel der von der Universität Michigan ermittelte Index des Verbrauchervertrauens im Februar mit 87,8 Punkten auf den tiefsten Stand seit mehr als sieben Jahren. Äußerungen des italienischen Finanzministers Vincenzo Visco, der bis zum Jahresende mit einer Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) rechnet, ließen den Euro vorübergehend etwas abbröckeln.

Gegen 18.30 Uhr MEZ notierte die Währung mit 0,9159/66 $, nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) am Mittag in Frankfurt den Referenzkurs mit 0,9113 $ ermittelt hatte. Zum Yen fiel der Euro wegen verstärkter Yen-Nachfrage japanischer Unternehmen vor dem Ende des Fiskaljahres am 31. März zeitweise auf ein Acht-Wochentief unter 105 Yen. Zur japanischen Währung wurde der Euro mit 105,67/86 Yen gehandelt. Die US-Valuta notierte mit 115,37/47 Yen.

Das Arbeitsministerium in Washington hatte mitgeteilt, die US-Erzeugerpreise seien im Januar um 1,1 nach 0,2 % im Vormonat (revidiert von unverändert) gestiegen. Dies war der stärkste Anstieg seit September 1990. In der Kernrate, ohne Lebensmittel- und Energiepreise, sei ein Plus von 0,7 nach 0,1 % im Dezember zu verzeichnen gewesen. Von Reuters befragte Volkswirte hatten in dem Berichtszeitraum einen Anstieg der Erzeugerpreise von 0,3 % erwartet.

Überrascht habe auch der Rückgang der Industrieproduktion, sagten Händler. Diese ist im Januar nach Zahlen der Fed im vierten Monat in Folge gefallen. Die Produktion sank zum Vormonat um 0,3 % nach minus 0,5 % im Dezember, teilte die US-Notenbank mit. Von Reuters befragte Volkswirte hatten mit einer unveränderten Industrieproduktion gerechnet. Die US-Kapazitätsauslastung sank im Januar den Angaben zufolge auf 80,2 % nach 80,7 % im Vormonat. Dies sei der tiefste Stand seit August 1992. Analysten hatten nur mit einem Rückgang auf 80,4 % gerechnet. Sie werteten die Zahlen als weiteren Beleg für den Wirtschaftsabschwung in den USA.

Völlig unerwartet kam Händlern zufolge der starke Rückgang des Vertrauens-Index der Universität Michigan. Der Index sei nach vorläufigen Berechnungen auf 87,8 Punkte nach 94,7 Zählern im Januar gesunken, hieß es am Freitag aus New Yorker Marktkreisen. Dies sei der tiefste Stand seit November 1993. Von Reuters befragte Analysten hatten einen Anstieg des Indexwertes auf 95,1 Punkte erwartet.

O'Neill hatte in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" gesagt: "Wir betreiben nicht, wie vielfach gesagt wird, eine Politik des starken Dollar. Meiner Meinung nach ist ein starker Dollar das Ergebnis einer starken Wirtschaft." Zugleich hatte O'Neill Interventionen am Devisenmarkt nicht prinzipiell ausgeschlossen, auch wenn er diese "grundsätzlich" nicht befürworte. Mit Blick auf die US-Konjunktur äußerte sich der Finanzminister deutlich zurückhaltender als US-Notenbankchef Alan Greenspan vor wenigen Tagen.

In Reaktion auf die Äußerungen O'Neills sagte ein Händler: "Unsere Kunden waren über die Äußerungen (O'Neills) schockiert und haben sofort $ verkauft". Einige bezeichneten die Reaktion als übertrieben. O'Neill habe nicht die Finanzmärkte verunsichern oder den $ herunterreden wollen. "Er versuchte uns stattdessen die Botschaft mitzuteilen, dass Regierungen weder die Währung noch die wirtschaftlichen Fundamentaldaten kontrollieren können", sagte ein Analyst von UBS Warburg.

Ein Sprecher des US-Finanzministeriums trat dem Eindruck eines Wechsels in der US-Währungspolitik entgegen und sagte: "Es hat keine Änderung der Politik des starken $ gegeben".

Im Vorfeld des des am Samstag in Palermo beginnenden Treffens der Finanzminister der sieben führenden Industrienationen (G7) sagte Italiens Finanzminister Visco am Freitag, er rechne mit einer EZB-Zinssenkung bis zum Ende 2001. Die Inflation stelle in Europa keinen Grund zur Sorge dar und der Motor der Wirtschaft laufe rund. Den etwas schwächeren Wechselkurs des Euro bezeichnete er als ein "Nicht-Problem". Auf dem G7-Treffen wird der Euro Visco und anderen Finanzministern zufolge kein wichtiges Thema sein.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%