Online-Banking mit EC-Karte
Startschuss für die digitale Unterschrift

Digitale und handschriftliche Signaturen sind seit Mai 2001 per Gesetz gleichgestellt. Doch im Bankgeschäft sucht man Einsatzmöglichkeiten bislang vergeblich. Während andere noch abwarten, will die Hypo-Vereinsbank (HVB) als erstes deutsches Kreditinstitut den Schritt in die Praxis wagen und im Frühjahr 2002 EC-Karten mit Chips zur digitalen Signatur ausgeben.

DÜSSELDORF. Die neuen EC-Karten werden zunächst an 10 000 Privatkunden verteilt. Zusammen mit den Karten erhalten sie ein Lesegerät und eine Lern-CD-ROM mit allen notwendigen Informationen. So ausgestattet kann jeder Kunde dann im Internet auf Formulare, etwa für Kontoeröffnungen und Kreditanträge, zugreifen. Er "unterschreibt", indem er die Karte ins Lesegerät einführt und seine Geheimzahl eingibt. Die persönlichen Daten, das so genannte "digitale Zertifikat", sind im Geldchip der Karte integriert.

Innerhalb der nächsten Jahre will die Hypo-Vereinsbank einen Großteil ihrer Privatkunden mit Signaturkarten ausstatten. Schon 2005 sollen damit alle Bankgeschäfte und künftig auch Behördenkommunikation möglich sein. Welche Kosten auf die Kunden zukommen, ist indes noch ungewiss. Erst während der Test-Phase will die Hypo-Vereinsbank endgültig entscheiden, ob Lesegeräte und Karten dem Kunden in Rechnung gestellt werden.

Die Gefahr des Missbrauchs ist nicht höher als mit einer EC-Karte

Melanie Krahl, von der TC Center-Trust AG, die mit der Hypo-Vereinsbank zusammen das System entwickelt und die Daten auf der Karte dem gesetzlichen Standard entsprechend verschlüsselt, erklärt den Vorteil dieser Form der Signatur: "Eine EC- oder Bankkarte hat heute quasi jeder, da liegt das auf der Hand". Sicherheitsbedenken hält sie für unbegründet. Nur wer Karte und Geheimzahl habe, könne damit Geschäfte tätigen - "die Gefahr des Missbrauchs ist also nicht höher als mit der normalen EC-Karte auch". Wenn es eine Schwachstelle im System gäbe, dann sei es der Mensch, ist Melanie Krahl sicher.

"Das digitale Zertifikat ist nicht auslesbar", erklärt sie weiter. Übersetzt heißt das, dass beim Signieren keine Informationen über die Verschlüsselung aus der Chipkarte herausgelangen. Ebenso wenig ist es möglich, Signaturdaten vom Chip herunter zu lesen, um sie für Geschäfte im Netz zu missbrauchen. Das Prinzip ist ähnlich dem HBCI (Homebanking Computer Interface) -Standard, der zurzeit als sicherstes Verfahren gilt.

Deutsche Bank startet auch im kommenden Jahr

Dass noch keine andere Bank ihren Privatkunden die digitale Signatur anbietet, liegt denn auch nicht an Sicherheitsbedenken. "Die Hypo-Vereinsbank ist die erste, die sich getraut hat", meint Melanie Krahl und Ralf Horak, Sprecher der Hypo-Vereinsbank, ist sicher, dass die anderen deutschen Banken bald nachziehen. Bei der Deutschen Bank, zum Beispiel, laufen die Vorbereitungen auch auf Hochtouren. "Wir sind schon weiter als das Planstadium", erklärt Deutsche Bank-Sprecher Michael Lermer. Mit Chipkarten arbeitet die Bank im Online-Banking schon länger. Im Frühjahr sollen die Daten nach dem gesetzlichen Standard verschlüsselt und damit die rechtsgültige digitale Signatur möglich werden.

Anders als die Hypo-Vereinsbank gibt die Deutsche Bank jedoch separate Karten aus und will das auch in künftig tun. Sie will die Signaturdaten nicht in den Chip der EC-Karte integrieren, weil die digitale Signatur dort eine Funktion unter vielen - wie zum Beispiel Geld- oder Rabattkarte wäre. "Wenn wir die Karte einmal einziehen müssen, gingen diese Anwendungen verloren", erklärt Michael Lermer die Bedenken. Da die Deutsche Bank mit "WebSign 24" schon jetzt im Onlinebanking mit Chipkarten arbeitet, ist die Kostenfrage hier schon klarer: 28 beziehungsweise 36 Euro kosten die heute erhältlichen Lesegeräte. 10 Euro müssen die Kunden für die Karte zahlen.

Die Dresdner Bank plant in absehbarer Zeit keine Signaturkarten. Obwohl sie, ebenso wie Hypo-Vereinsbank, Deutsche und Commerzbank, zu den Gesellschaftern der TC Trust-Center gehört, stellt Sprecher Karl-Friedrich Brenner klar: "Wir sehen im Moment keinen Handlungsbedarf". Schon seit 1999 bietet die Dresdner Bank eine sogenannte "Smartcard" für Online-Geschäfte an - sogar mit kostenlosem Lesegerät. Ergebnis: Die Resonanz war gering. Für Brenner gibt es nur eine Erklärung: Online-Kunden wollen ihre Bankgeschäfte überall erledigen, insbesondere am Arbeitsplatz. Zusätzliche Geräte stören da nur. Brenner. Ob die Möglichkeiten der digitalen Signatur daran etwas ändern, müsse sich zeigen: Brenner: "Wir warten ab und beobachten das."

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