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Online bis zum Ende

Allen Zweiflern zum Trotz: Das Internet ist ein Segen für die Menschheit. Es heißt, mitunter ließe sich damit nicht nur Geld verdienen, es - und das ist noch viel wichtiger - erfülle auch noch die geheimsten Wünsche.

Auch wenn schon einige Unternehmer den eigenen Träumen zum Opfer gefallen sind, gibt es in der rasanten Entwicklungsgeschichte des Mediums doch immer wieder Momente, in denen gar Moral- und Kulturpessimisten ob der technologischen Urgewalt verstummen.

Vielleicht entwickeln eines Tages Online-Historiker ein Ranking solcher Momente. Dabei werden sie dann feststellen, dass sich die Meilensteine des Internet-Zeitalters dadurch auszeichnen, einer möglichst großen Schar von Zielpersonen möglichst viel Gutes oder möglichst viel Schlechtes wiederfahren zu lassen.

Beste Chancen, jetzt einen solchen Meilenstein zu setzen, hat "Zoffpad". Die neue Erfindung mit dem streitbaren Namen kommt vom Startup Zoffmedia GmbH-Unternehmen und ist ein Computer für den speziellen Einsatz am Patientenbett im Krankenhaus. An einem beweglichen Arm am Kopfende des Bettes angebracht, soll der mit verschiedenen medizintechnischen Geräten gekoppelt werden. Ärzte sollen künftig via Internet zum Beispiel die aktuellen EKG-Werte ihrer Patienten und die Fieberkurve der vergangenen Tage auf den eigenen Computerbildschirm holen können.

Krankenhäuser sollen bereits großes Interesse an der bahnbrechenden Neuentwicklung zeigen. Was spricht schon dagegen, dass sich endlich auch Ärzte der Heimarbeit verpflichten? Und schließlich, den gläsernen Patienten sollte es schon lange geben. Für Krankheitsdaten interessiert sich im weltweiten Netz ohnehin niemand, oder? Gemach, die Verschlüsselung der Daten basiere auf einer neuen Technologie, die Angst vor Hackern sei also unbegründet, beruhigen die Jungunternehmer. Aber hat Bill Gates nicht auch schon mal von Datensicherheit gesprochen?

Nicht so wichtig. Außerdem kann "Zoffpad" ja noch mehr. Endlich wird der Klinikaufenthalt nicht mehr zum langweilig öden Lebensabschnitt. Durch Berührung des Bildschirms steuerbar, kann der Patient mit der Umwelt auf vielfältige Weise in Kontakt treten. "Während seines Aufenthaltes im Krankenhaus kann er sich nicht nur im Internet informieren, sondern auch seine E-Mails abrufen, sein persönliches Programm im Fernsehen verfolgen und den Radiosender seiner Wahl hören", verspricht Zoffmedia.

Schöner kanns auch in der Schwarzwald-Klink nicht sein. Und vielleicht ist der Patient dann ja auch am Sterbebett nicht mehr allein. Da muss man doch hin! Anfang 2002 sollen die ersten Geräte endlich in einem Krankenhaus installiert sein. Na, dann: Hals- und Beinbruch.

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