Online-Broker rutschte tief in die roten Zahlen
Comdirect sucht Kooperation mit der Commerzbank

Der Online-Broker Comdirect will nach herben Verlusten im vergangenen Jahr mit der Konzernmutter Commerzbank kooperieren.

pot FRANKFURT/M. Man prüfe eine Zusammenarbeit, um das Filialnetz der Commerzbank als zusätzlichen Vertriebskanal zu nutzen, sagte Vorstandschef Bernt Weber auf der Bilanzpressekonferenz. Zunächst könne dies dazu führen, dass die Kunden in den Bankfilialen Online-Depots eröffnen können.

Damit zeichnet sich ein Strategiewechsel innerhalb des Commerzbank-Konzerns ab. Bisher arbeiteten die Zweigstellen der Bank und die Online-Tochter unabhängig voneinander. Zugleich stellte Weber aber klar, dass das Internet der Hauptvertriebsweg für Comdirect bleibe. Die Möglichkeit, eigene Shops oder mobile Vertriebsmitarbeiter einzusetzen, sei geprüft und verworfen worden. Zudem betonte er, dass Comdirect selbstständig bleiben werde. Es gebe keine Bestrebungen für eine Integration in die Commerzbank.

Weber zeigte sich zuversichtlich, im laufenden Jahr die Gewinnschwelle zu erreichen. Er rechnet allerdings mit einem nur "verhaltenen Wachstum" bei den Neukunden, zumal eine deutliche Erholung der Börse nicht vor Herbst zu erwarten sei. Im letzten Jahr war der Direkt-Broker vor allem wegen des desaströsen Auslandsgeschäfts tief in die roten Zahlen gerutscht. Der Konzern verbuchte nach Steuern einen Verlust von 160,7 Mill. nach einem Gewinn von etwas über 2 Mill. im Jahr zuvor. Abschreibungen auf die Tochterfirmen in Frankreich, Italien und Großbritannien schlugen in der AG mit zusammen 204 Mill. zu Buche. Nun wird das Auslandsgeschäft ausgedünnt: Am Wochenende wurde die französische Tochter verkauft, der Ableger in Italien soll Ende dieser Woche geschlossen werden.

An Großbritannien will Comdirect dagegen festhalten und dort 2004 schwarze Zahlen schreiben. Vor dem Hintergrund der Konsolidierung des britischen Online-Marktes sieht Weber sogar die Möglichkeit, Kunden von anderen Banken zu übernehmen. Entsprechende Gespräche liefen bereits.

Ungeachtet der Börsenflaute stieg die Zahl der Kunden in Deutschland von 577 000 auf knapp 617 000. Einschließlich der Auslandsfilialen hatte Comdirect 648 600 Kunden. Diese handelten aber weitaus weniger als während des Börsenbooms. Die Zahl der Orders sank von 15,3 auf 8,7 Mill. Dennoch wurde in Deutschland ein operativer Gewinn von 12 Mill. verbucht. Weber führte dies auf einen strikten Sparkurs zurück, der beibehalten werde. Die Belegschaft schrumpfte im letzten Jahr um 245 auf 1 290 Mitarbeiter. Auch IT-Investitionen und Marketing-Aufwendungen wurden reduziert. Zudem führte Comdirect erstmals in der Bankbranche Kurzarbeit ein, die in einigen Bereichen mittlerweile wieder beendet wurde. Derzeit prüft das Management ein neues Preismodell, das ein häufiges Nutzen der Comdirect-Dienste honorieren soll.

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