Online-Broker sucht einen europäischen Partner
DAB erwägt Rückzug aus dem Neuen Markt

Dem Neuen Markt droht ein neuer Tiefschlag. Der zur Hypo-Vereinsbank gehörende Online-Broker Dab Bank droht mit einem Rückzug von der Wachstumsbörse.

FRANKFURT/M. "Wir überlegen ernsthaft, uns aus dem Neue Markt zurückzuziehen", sagte Vorstandschef Matthias Kröner dem Handelsblatt. Nach den jüngsten Entwicklungen an der Wachstumsbörse müsse man sich fragen, welchen Sinn eine Notiz habe. Unter dem Eindruck der zahlreichen Pleiten und Skandale hatten zuvor bereits einige andere "seriöse" Unternehmen mit dem Ausstieg gedroht.

Das defizitäre Auslandsgeschäft der Dab will Kröner durch Partnerschaften stärken. Gespräche mit potenziellen Partnern liefen bereits, sagte Kröner. Angestrebt werde der Zusammenschluss mit einem größeren Online-Dienstleister, der wie die Dab selbst in mehreren Ländern vertreten ist. Auf die Frage, mit welchen Firmen gesprochen wird, sagte Kröner: "Die Liste der großen Online-Anbieter wird immer kürzer". Zu den großen Spielern in Europa zählen etwa Fimatex, eine Tochter der französischen Großbank Societe Generale, und die britischen Anbieter Egg und If. Societe Generale hatte erst kürzlich mit dem Interesse an Consors ihre Expansionsgelüste nachhaltig demonstriert.

DAB spürt Börsenflaute

Mit der Partnersuche reagiert Kröner auf die Übernahme von Consors durch BNP Paribas. BNP will Consors mit der eigenen Online-Tochter Cortal zusammenlegen, wodurch einer der größten Online-Anbieter Europas mit 1,2 Millionen Kunden entsteht. Die DAB kommt auf rund 560 000 Kunden. "Cortal Consors erhöht den Druck auf alle Beteiligten, nach einer strategischen Lösung zu suchen", sagt Kröner. Er erwartet eine Konzentration der europäischen Online-Broker, an der die DAB beteiligt sein werde.

Freilich hat Kröner auch ohne Fusionen viel zu tun. Im letzten Jahr verbuchte die Dab einen Verlust von 196 Mill. . Der Broker spürt die Börsenflaute, die die Anleger von den Aktienmärkten fern hält. Im ersten Quartal handelten die Kunden - hochgerechnet auf das Gesamtjahr - nur 8,7 mal. "Damit können wir natürlich noch nicht profitabel sein", räumt Kröner ein, obwohl die Kosten im Jahresvergleich um einen zweistelligen Prozentsatz gesenkt worden seien. Das Budget für 2002 wurde auf der Basis 12,9 Trades pro Kunde gemacht. Kröner geht daher davon aus, dass Dab in diesem Jahr erneut rote Zahlen schreiben dürfte. Analysten erwarten Verluste in zweistelliger Millionenhöhe.

DAB streicht weitere 80 Stellen

Kröners Ziel ist es, im Jahr 2003 mit deutlich weniger als 10 Trades je Kunde profitabel zu sein. Um dies zu erreichen, will die Bank, die am Mittwoch Quartalszahlen vorlegt, den strikten Sparkurs fortsetzen. So werden in diesem Jahr noch einmal 80 Stellen wegfallen, nachdem seit Anfang 2000 bereits 160 Jobs gestrichen wurden. Dann käme die DAB auf unter 800 Mitarbeiter.

Auf diesem Weg soll eine auf den ersten Blick eher unscheinbare, aber für Anleger und DAB gleichwohl wichtige Neuerung helfen: Spätestens im vierten Quartal dieses Jahres will der Broker Wertpapieraufträge seiner Kunden intern zusammen führen und nur noch die Spitze an die Börse bringen. Kröner hält dieses im Fachjargon als "Internalisierung" bekannte Modell vor allem deshalb für interessant, weil so die Börsengebühren (Schlussnoten) eingespart werden. Ziel ist es, die externen Kosten pro Transaktion um bis zu 2,5 zu senken.

Noch offen ist, ob die DAB die Internalisierung selbst übernimmt. Alternativ könnte sie die ihr zufließenden Kundenaufträge (Orderflow) an einen externen Broker verkaufen, der dann die Ausführung übernimmt. Dieses in den USA weit verbreitete Handelsmodell und gewinnt auch in Deutschland immer mehr Anhänger. So plant die Deutsche Börse für September die Einführung des Handelssegments Xetra Best, das den Banken eine interne Abwicklung von Kleinanlegeraufträgen erlaubt.

Quelle: Handelsblatt

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