Online-Dienst Xbox Live gestartet: Microsoft verlegt Konsolen-Schlachtfeld ins Internet

Online-Dienst Xbox Live gestartet
Microsoft verlegt Konsolen-Schlachtfeld ins Internet

Der erbitterte Wettstreit der Spielekonsolen geht in eine neue Runde im Internet. Der weltgrößte Computerkonzern Microsoft startete am Freitag auf der Computermesse CeBIT in Hannover seinen Online-Spieledienst Xbox Live in Deutschland und sieben weiteren europäischen Ländern.

HB/dpa HANNOVER. Xbox-Besitzer mit Breitband- Internetzugang können nun online gegeneinander antreten und sich über ein Headset unterhalten. Microsoft hofft, mit der neuen Online- Plattform der Playstation2 des Marktführers und Hauptkonkurrenten Sony Marktanteile abzuringen. Sony will seine Online-Plattform in Deutschland im Sommer starten.

Branchenkenner wie auch Spielbegeisterte sind sich einig: Der Kampf um Marktanteile zwischen dem japanischen Elektronikkonzern und dem US-Softwareriesen wird künftig im Internet ausgetragen. Während die Unternehmen mit dem Verkauf ihrer Konsolen nach den gnadenlosen Preiskriegen der vergangenen Jahre eher ein Verlustgeschäft einfahren, setzten sie auf die Bindung der Kunden mit dem Verkauf neuer Spielekonzepte. Nach Schätzungen des Marktforschungsinstituts Datamonitor kann die Online-Spielebrache bis zum Jahr 2004 mit einem Wachstum auf rund zwei Milliarden Dollar von heute 670 Millionen Dollar rechnen.

Sony will in Deutschland am 24. März eine Testphase für seine Online-Plattform starten. In den USA hat der japanische Elektronikkonzern seit dem Start des Dienstes Anfang des Jahres nach eigenen Angaben bereits 600 000 Netzwerkadapter für die Playstation2 verkauft. "Das ist im Vergleich zur Konkurrenz fast das Doppelte", sagte Guido Alt, Pressesprecher von Sony Computer Entertainment. Microsoft hatte jüngst die Zahl seiner Xbox Live-Nutzer mit 350 000 Abonnenten angegeben. Dem Start in Europa war eine Testphase von dreieinhalb Monaten vorausgegangen.

Während Microsoft mit Xbox Live ein gebührenpflichtiges Abo-Konzept verfolgt, in dem den Spielern eine einheitliche, betreute Plattform angeboten wird, hatte Sony bislang die Gestaltung der Internet-Dienste den Spieleherstellern selbst überlassen. "Wir setzen auf ein offenes System ohne Abo-Gebühren", sagte Alt. Für zusätzliche Attraktivität will das Unternehmen mit umfangreichen Unterhaltungsangeboten aus Filmen und Musik sorgen.

Jüngste Meldungen, dass Sony eine Partnerschaft mit IBM zum Aufbau einer besonderen, flexiblen Netzwerkstruktur (Grid) speziell für die Playstation eingegangen sei, dementierte das Unternehmen unterdessen. Ohnehin gibt sich der Marktführer auch mit seinem Messeauftritt auf der CeBIT in Hannover gelassen. Vor dem Marktstart seines Online-Dienstes in Deutschland präsentiert das japanische Unternehmen mit seinem ersten "EyeToy"-Produkt eine völlig neue Form von realistischen Spielen. Mit Hilfe einer kleinen Kamera wird der Spieler direkt in das Spielszenario integriert und agiert statt mit Joystick oder Tastatur direkt mit seinen Körperbewegungen. "Mit den neuen Produkte sprechen wir eine völlig neue Käuferschicht an", sagte Alt.

Trotz großer Anstrengungen war es Microsoft bislang nicht gelungen, Sony seine Marktführerschaft im lukrativen Konsolen-Markt streitig zu machen. Damit zumindest die nächste Runde im Kampf um Marktanteile für den Riesen aus Redmond ein Erfolg wird, hält das Unternehmen für seine Xbox-Live-Plattform in den nächsten fünf Jahre Investitionen in Höhe von zwei Milliarden Dollar bereit. Die Erwartungen des Unternehmens sind groß. "In den USA haben wir an manchen Tagen bis zu 50 000 Spieler gezählt, die gleichzeitig gegeneinander antreten", sagte Bachmayer. In Europa sei die verfügbare Kapazität in der Testphase bereits nach wenigen Tagen erschöpft gewesen. Zum offiziellen Start werde jedoch in jedem Fall genügend Server-Kapazität zur Verfügung stehen. "Hohe Zugriffszahlen wie in den USA erschrecken in unserem Unternehmen niemand", ist sich Bachmayer sicher.

Mit ihren Auftritten auf der CeBIT haben sich Microsoft und Sony in diesem Jahr eine ganz neue "Spieleplattform" erobert. Erstmals dürfen die beiden großen Konkurrenten ganz offiziell ihre High-Tech- Spielekisten auf der Computermesse CeBIT in Hannover präsentieren. Da die Grenzen zwischen Computer- und Unterhaltungsindustrie immer mehr verwischen, gab die Deutsche Messe bereits vor einigen Monaten bekannt, dass sie wesentliche Bereiche der Unterhaltungsindustrie nicht mehr von der CeBIT ausschließen will. Im vergangenen Jahr hatte Microsoft noch erwirkt, dass Sony seine Playstation2 vom Stand nehmen musste.

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