Online-Marketing
Deutsche Firmen verschenken bei Youtube viele Möglichkeiten

Für deutsche Unternehmen sieht es im Bereich des Online-Marketing nicht gut aus. Auf der Fachmesse OMD präsentierten die Münchener Berater Aquarius Consulting ernüchternde Fakten: die auf dem Videoportal Youtube am erfolgreichsten vertretenen Firmen kommen aus den USA oder Japan - heimische Marken laufen dem Werbetrend bislang nur hinterher.

DÜSSELDORF. Eine riesige Abrissbirne donnert von links mit voller Wucht in die Flanke eines getunten und tiefergelegten Autos und schleudert das demolierte Gefährt aus dem Bild. Zum Vorschein kommt ein dahinter geparkter Golf GTI. "Unpimp my auto", eine von Volkswagen produzierte Persiflage auf die amerikanische Autotuning-Serie "pimp my ride", gehört mit zu den beliebtesten Videos auf Youtube. Und es ist damit eine echte Ausnahme. Denn nach weiteren deutschen Vertretern, die Videoportale erfolgreich als Werbekanal nutzen, muss man lange suchen.

Das Münchener Beratungshaus Aquarius Consulting hat auf der Online-Marketingmesse OMD in Düsseldorf einmal genau nachgerechnet. Danach haben die zehn weltbesten Marken rund 290 Millionen Aufrufe auf Youtube erzielen können. Doch selbst mit den millionenfachen Abrufen der skurrilen VW-Werbebotschaften schaffen es die Wolfsburger nicht auf einen Platz in die Spitzengruppe. Die wird ausschließlich von US- und japanischen Firmen dominiert.

Videokanäle wie Youtube (Google), Gopher (Sony) oder deutsche Pendants wie Myvideo.de (ProSieben/Sat1) oder Clipfish.de (RTL) versuchen sich derzeit als Ersatz oder Ergänzung zur klassischen TV-Werbung zu positionieren. Sie punkten damit, dass sie junge, internetaffine Zielgruppen erreichen. So steigerte Marktführer Youtube die Zahl der Nutzer zwischen Januar und Juni laut Comscore von monatlich 48 Millionen auf über 66 Millionen.

Auch in Deutschland sind Videoportale auf dem Vormarsch. Nach Erhebungen des Branchenverbandes Bitkom schauen sich heute 71 Prozent aller Webnutzer zumindest gelegentlich Videos über das Internet an. In Großbritannien sind es sogar schon über 80 Prozent. "Videoportale gehören inzwischen genauso zum Alltag wie die Online-Suche oder das Online-Shopping", sagt August Scheer, -Wilhelm Präsident des Bitkom.

Doch viele deutsche Firmen lassen diese Chancen ungenutzt. So finden sich in der von Aquarius vorgestellten Rangfolge auf den ersten zehn Plätzen Firmen wie Apple und selbst die überraschenderweise nur auf dem fünften Rang. Sieger ist dagegen der Spielekonzern Nintendo noch vor Microsoft und Walt Disney. Mit im Marken-Olymp sind auch MTV und Sony. "Deutsche Firmen haben das Potenzial von Youtube noch gar nicht erkannt", sagt Aquarius-Chef Rainer Wiedmann. VW käme gerade mal als mit Abstand bestes Unternehmen auf den elften Rang.

"Es lässt sich deutlich erkennen, wer hier schon eine Strategie entwickelt hat und wer nicht", sagt Wiedmann. In der realen Welt starke Marken wie IBM, Mercedes-Benz, Citibank oder Allianz seien im virtuellen Umfeld von Youtube "weit abgeschlagen". Als ein anderes negatives Beispiel nennt der Mediafachmann Audi. "Mit dem eigenen 'www.audi.tv' setzt der Konzern auf das falsche Pferd. Damit lässt sich gar nicht schnell genug Reichweite im Internet aufbauen", analysiert Wiedmann, und wundert sich: "Da gibt es nicht mal einen Kanal, auf dem Audi-Fans ihre eigenen Videos einstellen können."

Dabei gilt das so genannte virale Marketing längst als eines der wichtigsten Instrumente des modernen Marketing. Die Idee dahinter: Ins Netz gestellte Videos werden von einem Besucher an den anderen weiterempfohlen oder auf anderen Internetseite eingebaut. Dadurch wird im besten Fall eine enorm schnelle Verbreitung erreicht.

Ein weiterer Vorteil: Dieses Marketing ist abgesehen von den Produktionskosten eigener Inhalte kostenfrei. Das ist allerdings sehr zum Leidwesen der Videoportale. Die sind nämlich auf ihrer Suche nach einem durchschlagenden Geschäftsmodell, um Werbeeinnahmen zu generieren, noch nicht fündig geworden.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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