Online-Markt noch ungewiss
IOC erörtert olympische Chancen im Internet

Reuters LAUSANNE. Der Marketing-Chef des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Dick Pound, hat die internationale Sportwelt vor zu großen finanziellen Erwartungen an eine Vermarktung des Sports im Internet gewarnt. Vor der Eröffnung einer internationalen Konferenz mit Vertretern aus Sport, Wirtschaft und Neuen Medien am Montag in Genf sagte Pound in einem Interview mit Reuters, für ihn sei derzeit nicht erkennbar, wie das IOC kurzfristig mit dem Internet große Gewinne erwirtschaften könne. Viel wahrscheinlicher sei es, dass die Olympischen Spiele von einer noch intensiveren Fernsehberichterstattung profitierten.

Die auf zwei Tage angesetzte Konferenz in Lausanne soll von IOC-Präsident Antonio Samaranch eröffnet werden. In seiner vorab bekannt gewordenen Grußadresse warnt Samaranch davor, die Möglichkeiten des Internets für den Internationalen Sport ebenso zu ignorieren wie es dereinst ein IOC-Vertreter getan hatte, als er die Einführung des Fernsehens für die Olympischen Spiele als irrelevant abgetan hatte.

Pound, der als aussichtsreicher Kandidat für die im Juli anstehende Nachfolge Samaranchs gilt, sagte, für die Vermarktung des Sports über das Internet liege noch keine verlässliche Wirtschaftsberechnung vor. Selbst an der New Yorker Börse seien in den vergangenen Monaten Zweifel daran laut geworden, wie mit dem Internet verlässlich Kapital erwirtschaftet werden könne. Es sei gut und schön, sich von Ideen begeistern zu lassen. Aber Pound warnte davor, allen Versprechungen Glauben zu schenken.

In ihrer Zusammensetzung ist die Konferenz von Lausanne mit führenden Vertretern des internationalen Sports, der Medien, der Neuen Medien, der Werbewirtschaft und der Telekommunikation bisher einzigartig. Weltweit sind die Sport-Websites die erfolgreichsten und am meisten besuchten im Netz. Und immer häufiger rufen die Fans die Ergebnisse ihrer Idole und Mannschaften direkt auf ihre Mobiltelefone.



Online-Markt bringt Vermarktungsschwierigkeiten

Der schnell wachsende Online-Markt stellt aber Sportorganisationen wie das IOC zunehmend vor Probleme; haben sie doch während der vergangenen 20 Jahre die finanzielle Absicherung der Spiele über den Verkauf der Fernsehrechte für Millionenbeträge gesichert. Viele Sportfunktionäre fürchten nun, dass der Wert der Fernsehverträge durch die separate Vermarktung von Internetrechten unterhöhlt werden könnte.

Der US-Fernsehsender NBC hat für die Vermarktungsrechte der Olympischen Spiele von Sydney im vergangenen September 705 Mill. $ gezahlt. Der Vertrag läuft bis zu den Sommerspielen 2008. Dann soll NBC 894 Mill. $ zahlen. Während der Spiele in Sydney überwachte das IOC in großem Stil im Internet die Berichterstattung über das Sportereignis. Dabei sollten mögliche Verstöße gegen Übertragungsrechte entdeckt und vereitelt werden.

Die Übertragungsrechte werden vermutlich ein heiß diskutierter Punkt der Konferenz von Lausanne sein. Pound aber machte klar, dass das IOC nicht bereit sei, separate Internetrechte zu verkaufen und stattdessen seine Fernsehpartner unterstützen werde.



Zukunft ist noch ungewiss

Führende IOC-Vertreter geben aber zu, dass sie noch nicht wissen, was die Zukunft für den Sport und die Neuen Medien bringen wird. So sagte etwa der IOC-Vizepräsident Thomas Bach am Sonntag, vermutlich werde das interaktive Fernsehen eine verstärkte Rolle spielen. Und der IOC-Internet-Experte Franklin Servan-Schreiber meint, die Zukunft könne in animierten 3-D-Sportgrafiken liegen und nicht in traditionellen Videos, die auf die Computerschirme überspielt würden. Doch auch Pound gab sich zuversichtlich, als er sagte, das Großartige sei, dass man angesichts der Vielfalt der Konferenzteilnehmer im Vorhinein nicht wisse, was herauskommen werde. Die Vertreter des Fernsehens würden vermutlich darauf verweisen, dass ihr Medium dasjenige sei, das die Botschaft an die Welt weiterleite. Die Vertreter der Neuen Medien dagegen argumentierten vermutlich, dass die Welt am Vorabend eines neuen Zeitalters stehe und das IOC seine Chance nicht verpassen dürfe. "Ich glaube aber, ohne dass ich alle Seiten gehört habe, dass wir, sollten wir in die Internet-Welt einsteigen, dies gemeinsam mit den Fernsehveranstaltern machen werden, zumindest auf die absehbare Zukunft bezogen", zeigte sich Pund kompromissbereit.

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