Online-Marktführerschaft angestrebt
Postbank kooperiert mit AOL

Die Deutsche Postbank AG strebt in Deutschland die Marktführerschaft beim Online-Banking an. Bis zum Jahr 2005 will das Institut am Branchenprimus Deutsche Bank 24 vorbeiziehen und seinen Marktanteil von knapp neun auf 13 Prozent steigern.

BONN. Dies sagte Wolfgang Klein, im Postbank-Vorstand zuständig für das Electronic-Banking dem Handelsblatt. Die Zahl der Online-Konten und Depots soll von 1,2 auf 3,5 Mill. fast verdreifacht werden. Dabei setze die Bank auf eine "integrierte Privatkundenstrategie von Filial- und Onlinebanking".

Diese soll sich ab Februar kommenden Jahres in einem überarbeiteten, einheitlichen Onlineauftritt von der Postbank und ihrem Online- Broker Easytrade widerspiegeln. "Ziel ist es, alle Produkte und Finanzdienstleistungen auch online anzubieten", sagt Klein.

Neue Kunden verspricht sich die Postbank von einer strategischen Kooperation mit AOL Deutschland im Bereich Finanzinformation. "Die Vereinbarung läuft über zwei Jahre und garantiert der Postbank eine hohe Präsenz", sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung AOL Deutschland, Uwe Heddendorp.

Drei Gründe sprächen für die Neugewinnung von Onlinekunden, sagt Klein: Deren Zahlungseingänge seien 40 % höher als bei anderen Kunden; zudem sei der Anteil derer, die mehr als ein Produkt kaufen, im Onlinegeschäft 13 % höher, aber die Abwicklung verursache nur einen Bruchteil der Kosten des Filialbetriebs. Statt einer Mark fielen nur drei Pfennige je Transaktion an. Im Jahr 2005 soll jede zweite Überweisung online erfolgen, derzeit ist es jede fünfte. Außerdem sollen die Online-Abschlüsse im gleichen Zeitraum auf mehr als 110 000 Stück verzehnfacht werden. Dabei will die Post-Tochter von dem Rückzug der Großbanken aus der Fläche und den laut Klein bestehenden Schwierigkeiten des Sparkassen- und Genossenschaftsverbunds profitieren, Leistungen zentral anzubieten.

Klein drückt aufs Tempo, will verlorenes Terrain beim Onlinebanking gut machen. Vor diesem Hintergrund wäre auch der Kauf eines Onlinebrokers vorstellbar. "So könnten wir unsere Wachstumsziele schneller erreichen. Sollte der Preis stimmen, integrieren wir jeden Anbieter", betonte der Vorstand, der eine Konsolidierung des deutschen Onlinebrokerage-Marktes erwartet. Gleichzeitig dämpft er die jüngsten Spekulationen um eine Übernahme des Direktbrokers Consors durch die Postbank. "Derzeit führen wir keine Gespräche mit Consors oder einem anderen Onlinebroker." Klein betonte, die Preisvorstellungen von Postbank und Consors klafften auseinander. "Nun ist Consors am Zuge, eine vernünftige Option abzugeben." In der Branche werden vor allem die Auslandsaktivitäten von Consors als Hinderungsgrund eines Deals angesehen: sie passten zu der deutschlandfokussierten Postbank nicht. Sie müssten verkauft oder abgewickelt werden, dies drücke einen Kaufpreis.

Mit der Entwicklung bei Easytrade ist Klein zufrieden: Die Verluste lägen dieses Jahr mit 15 Mill. Euro unter den angesetzten 21,6 Mill. Euro. "Das ist der geringste Verlust aller Onlinebroker in Deutschland."

Als Vertriebstrumpf betrachtet Klein die rund 13 000 Post-Filialen, über welche die Postbank ihre Produkte vertreibt. "Sie sind ein Geschenk, dass es zu Nutzen gilt". Angesicht von täglich 2,5 bis 3 Mill. Kundenkontakten - von denen bisher nur 15 % der Postbank gälten - schlummere hier ein "riesiges Akquisitionspotenzial". Gepunktet habe die Postbank bereits bei der Riester-Rente. "Jeder zweite neu gewonnene Kunde hatte bisher kein Girokonto bei uns", sagte Klein. Trotz des Filialnetzes sei die Postbank von der Kostenseite her günstiger als mancher Wettbewerber, dies habe eine interne Studie ergeben.

Eine Trendwende verzeichnen die Bonner bei den Girokonten - im zweiten Jahr hintereinander zog die Girokontenzahl nach einem mehrjährigen Rückgang an. Netto 100 000 neue Kunden prognostiziert Klein für 2002.

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