Online-Medien stark frequentiert
Millionen vor Fernsehern - Ansturm auf Zeitungen

Die Terroranschläge in den USA haben den deutschen Fernsehsendern eine selten hohe Zuschauerresonanz beschert. Die Tageszeitungen fanden einen reißenden Absatz.

dpa HAMBURG. Die Fernseh- und Hörfunkkanäle sendeten zum Teil in der Nacht zum Mittwoch pausenlos aus den USA und setzten ihre Berichterstattung nahtlos im Laufe des Tages fort. Die Tageszeitungen brachten teilweise Extrablätter heraus, die wöchentlichen Nachrichtenmagazine "Spiegel" und "Focus" kündigten vorgezogene Erscheinungstermine an, "Stern" und "Die Woche" Sonderseiten.

Der Berliner Sender n-tv meldete mit einem Tagesmarktanteil von 9,3 % einen historischen Rekord und über den Tag 13,5 Mill. Zuschauer. Den mit n-tv kooperierenden amerikanischen News-Kanal CNN schalteten allein in Deutschland fünf Mill. Menschen ein, NBC eine Million, den Ereigniskanal Phoenix 5,4 Millionen.Viele andere deutsche Sender übernahmen über n-tv hinaus Bilder von CNN. Anwälte kündigten nach Angaben von n-tv an, den "Bilderklau" juristisch zu überprüfen.

Unter den großen Vollprogrammen, die sich am Dienstag kurz nach 15 Uhr in die Berichterstattung eingeschaltet hatten, verbuchte die ARD die größte Resonanz. Die "Tagesthemen" ab 15.49 Uhr verfolgten 5,54 Mill. Zuschauer, den "Brennpunkt" ab 20.15 Uhr 7,75 Millionen. Die ZDF-"heute"-Ausgabe um 19 Uhr sahen 7,89 Mill. Interessierte. Die Sender der ProSieben-Gruppe (SAT.1, ProSieben, Kabel 1, N24 und auch Neun live) sendeten bis Mittwochmorgen ein gemeinschaftliches News-Programm, das nach Quoten jedoch gegen die öffentlich-rechtliche Konkurrenz abfiel.

Wenig Interesse an Champions-League

RTL verbuchte von 19.21 bis 22.30 Uhr im Durchschnitt 5,30 Mill. Zuschauer und brachte dann die Spiele der Chamions-League, die auf weniger Interesse stießen. Die großen Sender wollten im Laufe des Mittwochs weiter aus den USA berichten. ProSieben und SAT.1 zeigten am Vormittag allerdings wieder Unterhaltungssendungen. Der Musiksender Viva setzte beide Programme vorläufig aus. MTV zeigte keine Shows und beschränkte sich auf Videoclips mit "getragener" Popmusik. Auch der ARD/ZDF-Kinderkanal zeigte eine Nachrichtensendung - speziell für Kinder aufbereitet.

Die überregionalen Tageszeitungen brachten großflächige Fotos auf der Seite eins. Erstmals in ihrer Geschichte druckte die "FAZ" Bilder auf ihrer Titelseite. "Großer Gott, steh uns bei!" lautete die Schlagzeile der "Bild"-Zeitung, die auf sieben Sonderseiten über den Terror berichtete. In Berlin meldeten viele Zeitungen "Ausverkauf",. Der Axel Springer Verlag hob die Auflagen seiner Blätter an. Die "Berliner Zeitung" druckte mit 198 000 Stück 8000 mehr, der "Berliner Kurier" legte um 25 000 auf 167 000 Exemplare zu, der "Tagesspiegel" um 16 000 auf 139 000.

Zahlreiche Extrablätter

Die in Dortmund erscheinenden "Ruhr-Nachrichten" gingen am Dienstagabend mit einem Extrablatt (Auflage 10 000 Stück) auf den Markt, auch die "Badische Zeitung" in Freiburg erschien mit einem Extrablatt (Auflage 5000). Die "Stuttgarter Zeitung" und die "Stuttgarter Nachrichten" reagierten in der ersten Ausgabe mit Sonderseiten. Auch der "Wiesbadener Kurier" informierte seine Leser mit einer Sonderausgabe.

Im Rhein-Neckar-Raum erschien am Mittwoch die erste Ausgabe der Jugend-Tageszeitung "Extra". Anstelle der geplanten Schlagzeile "Wir sind da!" über dem Bild eines lachenden Jugendlichen titelte die vom Axel Springer Verlag herausgegebene Zeitung "Die Welt in Angst". "Es sollte ein fröhlicher Tag werden", sagte Chefredakteur Jan-Eric Peters. "Dann der Schock."

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