Online-Reiseanbieter erschließt neue Einnahmequellen
Lastminute.com will in Deutschland bald in die schwarzen Zahlen

Über das Internet lässt sich also doch Geld verdienen: Im Herbst will der britische Online-Reiseanbieter Lastminute.com auch in Deutschland die Gewinnschwelle erreichen.

jojo MÜNCHEN. Im Heimatmarkt Großbritannien sowie in Frankreich ist das 1998 gegründete E-Commerce-Unternehmen bereits seit dem abgelaufenen ersten Quartal operativ profitabel.

"Unser Ziel ist es jetzt, so schnell wie möglich eine Milliarde Pfund Umsatz zu erreichen", betonte Unternehmensgründerin Matha Lane Fox gestern in München. Im laufenden Geschäftsjahr wird die Firma rund 300 Mill. £ (475 Mill. Euro) einnehmen und unterm Strich noch rote Zahlen schreiben. Erst das nächste Geschäftsjahr soll dann durchweg operativ profitabel sein.

Lastminute.com entfernt sich dabei immer mehr vom reinen Reiseanbieter. "Die Einnahmen aus Werbung steigen stetig, weil sich viele Leute über unsere Seite informieren", freut sich der neue Deutschland-Chef Jan Marks über eine zusätzliche Einnahmequelle, die bereits ein Viertel vom Umsatz ausmacht. Auch der Service-Bereich, also der Verkauf von Geschenken und Tickets wächst kräftig.

In seinem Kerngebiet, dem Verkauf von Reisen, bewegt sich Lastminute.com in einem heftig umkämpften Bereich: Startups rangeln mit den Internet-Angeboten großer Konzerne um die sehr zurückhaltende Kundschaft. Die größten Erfolg hier zu Lande hat bislang die Webseite der Deutschen Bahn, "bahn.de". Die großen europäischen Fluggesellschaften sind durch Opodo.de ebenfalls mit einem eigenen Online-Angebot unter den meistbesuchten Reiseseiten hier zu Lande.

Am Neuen Markt notierte unabhängige Anbieter wie die Travel24.com AG tun sich dagegen schwer und haben vielfach bislang noch keinen Euro verdient. Entsprechend notiert der Aktienkurs von Travel 24 seit Wochen unter einem Euro.

Lastminute.com dagegen hat an der Londoner Börse in den vergangenen Wochen wesentlich besser abgeschnitten als der Vergleichsindex FTSE 100. Innerhalb eines Jahres hat die Aktie rund zwei Drittel an Wert gewonnen. Goldman Sachs erwartet auch weiterhin, dass sich das Papier besser entwickelt als der Markt. Im Vergleich zu den Höchstständen vor zwei Jahren bewegt sich das Papier freilich noch immer auf niedrigem Niveau.

In Deutschland hat Lastminute.com zwischen Januar und März den Verlust auf 522 000 £ im Vergleich zum Vorjahr halbiert. Im gesamten Jahr sollen zwischen 20 und 30 Mill. Euro in die Kassen fließen. Das ist allerdings lange nicht so viel, wie beim Start 1999 erhofft: "Das Internet-Geschäft in Deutschland wächst nicht so schnell wie alle erwartet haben", zieht Fox eine nüchterne Bilanz ihres Engagements hier zu Lande.

Mit verstärkter Werbung sollen deshalb in den nächsten Monaten neue Kunden gewonnen werden. Nicht ausgeschlossen, dass Fox auch deutsche Wettbewerber übernimmt. "Wir schauen uns viele Kandidaten an", sagt die 29-Jährige. Details wollte die Vorzeige-Frau der britischen Internet-Szene nicht nennen. Lastminute sei allerdings lediglich bereit, in eigenen Aktien zu zahlen.

Quelle: Handelsblatt

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