Online-Umfrage
Die ganze Welt wählt Obama

Eine isländische Webseite zeigt: Bei einer globalen US-Präsidenten-Wahl hätte John McCain keine Chance gegen Barack Obama. Wirklich keine Chance.

DÜSSELDORF. Ein Klick und die ganze Welt wird blau, fast vollständig blau. Blau ist die Farbe für Barack Obama. Die roten Fleckchen Erde, die seinen Konkurrenten John McCain gehören, muss man auf dem Bildschirm mit der Lupe suchen. Wer die Website If the world could vote besucht und seine Wahl trifft, sieht es sofort: die ganze Welt Obamaland.

Von Afghanistan bis Zimbabwe: mehr als 300 000 Menschen aus 193 Ländern haben bislang auf der so schlichten wie wirkungsvollen Seite abgestimmt. Sie alle zusammen würden dem demokratischen Kandidaten einen sozialistisch anmutenden Wahlerfolg schenken, wenn sie denn könnten: knapp 87 Prozent für Obama, nur 13 für McCain. Von Swing States - wahlentscheidenden, umkämpften Bundesstaaten - nichts zu sehen.

Ausgedacht haben sich die Seite drei Studenten in Island. "Ich lag im Bett und habe über die Wahlen nachgedacht. Ich wollte zeigen, was für eine Verantwortung die Amerikaner haben und dass sich der Rest der Welt dafür interessiert", sagt Bragi Thor, einer der Gründer: "Wir wollten dafür eine Plattform bieten." Zwei weitere Freunde halfen ihm beim Programmieren und Bekanntmachen der Seiten. Für den 23-jährigen Thor ist die Untersuchung des globalen Wählerwillens ein spannendes Experiment: er studiert Psychologie.

Die technischen Einstellungen der Seite verhindern, dass von einem Rechnerzugang mehrmals abgestimmt werden kann. Extreme Verzerrungen sind also ausgeschlossen. Klare Ergebnisse hingegen nicht. Denn was das Wahl-Experiment zutage fördert, ist ziemlich eindeutig: Nicht nur global, auch im Online-Amerika gibt es für den Vietnam-Veteranen McCain kaum eine Chance. Immerhin 100 000 Amerikaner haben ihre Stimme über die isländischen Wahlbeobachter schon abgegeben: Deutliche 82 Prozent wollen "Change" statt McCain.

Land für Land ist es fast immer das gleiche. Nur bei ein paar ganz wenigen Ausnahmen würde es sich für McCain überhaupt lohnen, bei einer globalen Wahl um das mächtigste Amt der Welt anzutreten: in Albanien, Aserbaidschan, Tschechien oder Mazedonien liegt McCain vorn. Zwei Fans hat McCain auch in Burkina Faso - das reicht bislang für 100 Prozent der Stimmen. Und Deutschland? Reiht sich in die Mehrheit ein: 92 Prozent für Obama.

Bis zum Wahltag am 4. November bleiben den McCain-Anhängern nicht mehr viele Möglichkeiten, im Netz noch einen Stimmungswandel herbeizuführen. Dass dessen Konkurrent - der in den TV-Debatten der Kandidaten zuletzt nur noch unter "der da" firmierte - offensichtlich über die deutlich internet-affineren Sympathisanten verfügt, sollte dem McCain-Lager für den hektischen Kampagnen-Schluss zu denken geben. Auch in den offiziellen Umfragen amerikanischer Medien und Institute liegt der Republikaner zurück. Es kann eigentlich jede Mobilisierung gebrauchen.

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