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Online-Versandhändler vermieten Kundenadressen trotz Vertraulichkeitsversprechens

Reuters BERLIN. Kunden von Online-Versandhäusern müssen trotz einer angeblich vertraulichen Behandlung ihrer persönlichen Daten mit Werbepost anderer Unternehmen rechnen. Wie die Zeitschrift "Computerbild" am Dienstag berichtete, haben sechs Versandhäuser Kundenadressen zweifelsfrei an andere Firmen weitergegeben, obwohl sie in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen zugesichert hätten, persönliche Daten ihrer Kunden vertraulich zu behandeln. Die Sprecherin des Versandunternehmens Quelle, Sabine Hauck, räumte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters ein, dass Adressen trotz dieses Hinweises an andere Unternehmen vermietet würden. Im datenschutzrechtlichen Sinn gebe Quelle jedoch keine Daten weiter.

Hauck sagte, der Satz "alle persönlichen Daten werden selbstverständlich vertraulich behandelt" sei für Kunden möglicherweise missverständlich. Datenschutzrechtlich gehöre eine Adresse nicht zu den persönlichen Daten. "Ich könnte mir vorstellen, dass das nicht für jeden transparent ist", sagte die Quelle-Sprecherin.

Ihr Unternehmen gestatte anderen Firmen, die Adressen einmalig für eine Werbeaktion zu nutzen. Danach müsse der "Mieter" die Daten löschen. "Das ist Usus in der Branche", sagte Hauck. Derzeit gebe es keine Möglichkeit für Online-Kunden, der Weitergabe der Adressen bereits bei der Bestellung zu widersprechen, etwa durch Ankreuzen eines entsprechenden Online-Formulars.

Die Pressesprecherin des Versandhauses Neckermann, Ines Hennig, bestätigte, dass ihr Unternehmen Adressen vermiete. Diese Praxis entspreche dem Bundesdatenschutzgesetz, deshalb gebe es keinen gesonderten Hinweis auf der Unternehmens-Website. Die Kundenreaktionen zeigten auch nicht, dass ein solcher Hinweis nötig sei. Der Sprecher des Versandhauses Otto, Detlev von Livonius, sagte, Daten würden nur innerhalb des Konzerns weitergegeben. So sei es zu erklären, dass Tester der "Computerbild" nach einer Bestellung bei Otto Post von der Bon Prix Handelsgesellschaft, einer Konzerntochter, erhalten hätten.

Die Praxis der Unternehmen sei zwar fragwürdig, sagte der Bundesdatenschutzbeauftrage Joachim Jacob der "Computerbild", verstoße aber gegen kein Gesetz. "Computerbild" hatte bei Testbestellungen die verwendeten Kundennamen jeweils leicht verändert und konnte so erkennen, von welchem Versandhaus die später von anderen Unternehmen für Werbezwecke verwandten Daten stammten.

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