Online-Vertrieb macht die Versandhäuser flexibler
Versandhändler profitieren vom Internet

Das Internet beschert Deutschlands Versandhändlern einen steigenden Marktanteil im Geschäft mit den Endverbrauchern. Während die Ladengeschäfte 2003 nach Schätzungen des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels ein weiteres Prozent ihres Umsatzes verlieren werden, rechnen die Versender im Durchschnitt mit einem Plus von einem Prozent.

cs WIESBADEN. "Wir werden unseren Anteil am gesamten Einzelhandelsgeschäft in diesem Jahr damit womöglich auf 6,1 % steigern können", sagte Rolf Schäfer, Präsident des Bundesverbands des Deutschen Versandhandels (BDV), gestern in Wiesbaden vor der Presse. Schon jetzt gelten die Deutschen mit 6 % beim Versandhandel und einem Gesamtumsatz von 21,3 Mrd. Euro unangefochten als Versand-Europameister.

Den Erfolg verdankt die Branche vor allem dem World Wide Web. "Der neue Vertriebsweg ermöglicht eine deutlich bessere Warenpräsentation", sagt BDV-Hauptgeschäftsführer Thomas Steinmark. Er macht die Versandhäuser zudem flexibler: Während Kataloge ein halbes Jahr lang mit festen Preisen werben, können Angebote online rasch aktualisiert werden. Bei DVD-Playern etwa, die dem Preisverfall stark ausgesetzt sind, werden die Versender damit wettbewerbsfähiger. 17 % ihres Umsatzes, so der BDV, erzielen die Unternehmen aus diesem Grund bereits online - Tendenz steigend.

Gleichzeitig haben es die traditionellen Versandfirmen durch ihre professionellere Logistik und Kundenbetreuung geschafft, Wettbewerber aus der New Economy wie Primus-Online oder Evita abzuhängen. Sieben Unternehmen in der Top-10-Liste deutscher Internet- Warenhäuser sind altbekannte Versandhändler - darunter Quelle, Neckermann, Otto und Heine.

Selbst Marktführer Amazon.de, der in Deutschland inzwischen 6,86 Mill. Kunden zählt, schließt nicht aus, künftig auch mit Katalogen auf den Markt zu gehen. "Das gehört derzeit zwar nicht zu unserem Geschäftsmodell", sagte Amazon-Geschäftsführer Ralf Kleber, "mitunter macht eine solche Multi- Channel-Strategie aber Sinn."

Die Präferenzen von Katalog- und Internet-Kunden gleichen sich ohnehin immer stärker an. Lag der durchschnittliche Umsatz eines Internet-Surfers in den ersten drei Quartalen bei 275 Euro, bestellten traditionelle Katalogkunden mit 289 Euro gerade einmal 4,5 % mehr. "Es sind also nicht nur Schnäppchenkäufe, die im Internet getätigt werden", schließt daraus Rolf Schäfer.

Zudem ist der Internet-Handel längst keine Domäne mehr von Computer-Freaks. 43 % aller Haushalte besitzen einen Zugang zum Web, das Durchschnittsalter der Online-Nutzer liegt bei 37,7 Jahren. 7,6 % der Internet-Shopper waren im vergangenen Jahr sogar älter als 60 Jahre. Zum Vergleich: Nur 1,8 % der Web-Einkäufer hatten das Alter von 20 Jahren noch nicht erreicht. "Das erschließt uns inzwischen auch die Zielgruppe der älteren Konsumenten", berichtet Schäfer.

Vor allem vom Weihnachtsgeschäft erhofft sich die Branche einen weiteren Schub. "Wir rechnen mit einem Online-Anteil von 40 % zu Weihnachten", so der Verband. Von den erwarteten 4 Mrd. Euro Umsatz im so genannten Fernabsatz würden damit die online bestellten Geschenke mit rund 1,6 Mrd. Euro zu Buche schlagen.

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