Onlineshops müssen sich in diesen Tagen beweisen
Mit letzter Kraft ins Weihnachtsgeschäft

Viele Internethändler befinden sich zurzeit in einer Position, in der sie nur verlieren können: Gelingt es ihnen nicht, die Kundenwünsche zu erfüllen, droht nicht wenigen das Aus. Wenn sie mit massivem Aufwand sicher stellen, dass die Ware tatsächlich pünktlich ihre Empfänger erreicht, steigen die Kosten. Refinanzieren lässt sich das Aufbaugeschäft aber kaum noch: Die Kapitalmärkte zeigen zurzeit wenig Toleranz für weite Wege zum Gewinn.

DÜSSELDORF. Die Weihnachtssaison entscheidet über das weitere Schicksal zahlreicher deutscher Internethändler. Nach den Worten von Bernd Skiera , Professor für E-Commerce an der Universität Frankfurt, zeigt sich dabei zunehmend, dass die so genannte Old Economy auch in diesem Sektor weitaus bessere Chancen hat als zunächst angenommen.

"Die Diskussion darüber, wer tatsächlich in absehbarer Zeit die großen Gewinne macht, hat sich in Richtung auf die großen Unternehmen verschoben", sagte Skiera im Gespräch mit Handelsblatt.com. "Das Kernproblem der jungen Internetunternehmen bleibt das Fulfillment. Rechnungen schreiben oder Päckchen ausliefern können andere oft besser."

Neben dem Durchmarsch etablierter Konzerne im Internet registriert der E-Commerce-Experte einen weiteren Trend. "Weil bei Internethändlern wie Amazon die variablen Kosten bisher mit dem Umsatz steigen, gehen die Unternehmen dazu über, unter der vertrauten Umgebung Produkte von Drittanbietern zu offerieren." Die Nutzung der Marke für Geschäfte fremder Anbieter habe aber neben dem Vorteil, dass sich die Geschäftsmodelle auf diese Weise skalieren ließen, einen entscheidenden Schwachpunkt. "Mit der Auswahl der Kooperationspartner kann ein Unternehmen viel falsch machen. Die große Geschwindigkeit, mit der verschiedene Anbieter jetzt in die Internet-Shops aufgenommen werden, ist bedenklich. Meine Vermutung ist, dass vielfach die Sorgfalt zu kurz kommt."

Skiera, der bereits seit dem Sommersemester 1999 Studenten Grundzüge des E-Business vermittelt, hält die auschließliche Kritik, den Gründern der Startups mangele es an Praxiserfahrung, nicht für gerechtfertigt. "Ursache für den Gründungsboom war vor allem auch der Kapitalmarkt, der viele Ideen, und unter ihnen auch solche ohne Aussicht auf Gewinne, finanziert hat. Dass der Markt so schnell und drastisch kippt, hätte keiner erwartet."

Alte Marken mischen den Markt auf

Statistiken der vergangenen Wochen zeigen, dass nur noch wenige reine Internethändler großen Kundenzuspruch finden. Neben Buchversendern wie Amazon , Bol und Buecher.de (Mediantis) rangiert das Online-Angebot des traditionellen Versandhausunternehmens Otto sowohl beim Marktforschungsunternehmen MMXI Europe als auch beim Internetpanel von Nielsen/NetRatings an vorderer Stelle.

Branchenkenner rechnen damit, dass allen Onlineshops die härtesten Bewährungsproben erst noch bevor stehen. In den Tagen kurz vor Weihnachten, wenn der Erlebniskauf im stationären Handel vom Stressverkauf in letzter Minute abgelöst wird, könnten die virtuellen Geschäfte ihren Informationsvorteil ausspielen.
In vergangenen Wochen dagegen haben viele Nutzer einer Studie des Marktforschungsuntermehmens Jupiter zufolge die Internetseiten vor allem nach Geschenken durchstöbert, die im traditionellen Handel gekauft wurden. Die Shops in den USA, beim Internethandel Deutschland noch voraus, profitieren schon jetzt von schnellen Käufen per Mausklick vom Arbeitsplatz, wie Nielsen/NetRating-Zahlen belegen.

Einige Internethändler machen hierzulande aber schon die Schotten dicht. "Eine Lieferung vor Weihnachten können wir nicht mehr garantieren", heißt es beispielsweise bereits 10 Tage vor Weihnachten bei der Hotline des Online-Auktionshauses Ricardo.

Metro-Ableger Primus-Online gibt sich großzügiger: Für alle Bestellungen, die bis zum 20. Dezember bestätigt werden, wird eine fristgerechte Lieferung garantiert. Sollte es dennoch zu Verzögerungen kommen, werden 30 Prozent Rabatt auf den Kaufpreis gewährt, verspricht das Unternehmen.

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