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Opec sieht sinkende Ölpreise mit Sorge - Furcht vor Überproduktion

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) blickt vor ihrer Konferenz an diesem Freitag in Kairo mit Sorge auf die schnell sinkenden Rohölpreise.

dpa-afx WIEN. Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) blickt vor ihrer Konferenz an diesem Freitag in Kairo mit Sorge auf die schnell sinkenden Rohölpreise. Angesichts des Preisrückgangs von mehr als 46 auf 34,21 Dollar für ein Barrel (159 Liter) Mitte der Woche denkt Opec-Präsident Purnomo Yusgiantoro sogar schon wieder über eine Senkung der Förderung des Kartells nach. Allerdings soll zunächst die Entwicklung im Winter abgewartet werden. Analysten in Wien gehen davon aus, dass Opec in Kairo zunächst nur die massive Überproduktion von Staaten wie Saudi-Arabien bremsen wird.

Die Ausgangslage auf den internationalen Ölmärkten hat sich in den vergangenen Wochen grundlegend geändert. Vorbei ist die Zeit, da Experten angesichts der ständig steigenden Nachfrage nach Energie für Chinas boomende Wirtschaft im kommenden Jahr mit Versorgungsengpässen rechneten. Schon jetzt gebe es eine weltweite Überproduktion von 1,3 bis 2,0 Mill. Barrel täglich, berichtet das internationale Energie-Beratungsunternehmen PVM in Wien. Und die elf Opec-Länder tragen dazu durch ihre auf das Maximum hochgefahrene Förderung bei. Analysten schätzen, dass die Opec, die ihre offizielle Förderquote im Juni und September auf 27 Mill. Barrel erhöht hatte, mittlerweile zwischen 28,5 und 30 Mill. Barrel täglich produziert.

Doch die Panik der Händler und Spekulanten, die den Preis für Rohöl in den USA im Spätsommer in die Reichweite der 60-Dollar-Marke trieben, ist inzwischen der Ernüchterung gewichen. "Der Bär ersetzt den Bullen", charakterisierte PVM vergangene Woche die Lage. Die abgekühlte Weltkonjunktur, wachsende Reserven, überquellende Lager und ein bisher eher milder Winter in den USA, dazu die unter Volllast laufenden Raffinerien in Nordamerika und Europa drücken die Preise.

Bei der Opec läuten deshalb die Alarmglocken. Sinkende Nachfrage zusammen mit einer andauernden Überproduktion könnten zu einem unkontrollierbaren und anhaltenden Preisverfall führen, warnten Vertreter der Förderländer. Opec-Funktionäre wiesen darauf hin, dass bei der künftigen Preisgestaltung nicht nur die Inflationsraten der vergangenen Jahre, sondern auch die aktuelle Dollar-Schwäche einbezogen werden müsse. So entsprach der so genannte Korbpreis (Durchschnittspreis) des Kartells für ein Barrel von 34,21 Dollar am Mittwoch nur noch 25,42 Euro.

Opec-Präsident Yusgiantoro machte deshalb in dieser Woche deutlich, worüber man in Kairo sprechen müsse. "Es gibt drei Tagesordnungspunkte: Den Korbpreis, das Preisband der Opec und die (Förder)-Politik für das kommende Jahr".

Nicht wenige Opec-Länder sind der Meinung, dass das inzwischen längst übertroffene Preisband für Rohöl des Kartells von 22 bis 28 US Dollar einer Korrektur nach oben bedarf. Eine Senkung der offiziellen Förderquoten von zurzeit 27 Mill. Barrel pro Tag werde die Opec noch nicht wagen, heißt es in Wien. Denn noch sind die Vorwürfe von EU und US-Regierung nicht vergessen, die der Opec im Frühsommer wegen ihrer restriktiven Förderpolitik die Schuld an der Ölkrise gaben. Die Opec brauchte Monate, um ihren schlechten Ruf als "Preistreiber" wieder zu reparieren. Yusgiantoro beruhigte bei seiner Ankunft in Kairo denn auch die Gemüter: "Weil die Nachfrage stark und die Ölpreise noch immer hoch sind, muss die Opec eine über den Quoten liegende Produktion erlauben", sagte er.

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