Opec strebt einen Preis von 22 bis 28 Dollar pro Barrel an
Analysten erwarten Ölfördererhöhung

rtr FRANKFURT. Analysten deutscher Banken gehen angesichts positiver Signale seitens einzelner Mitglieder der Opec von einer baldigen Erhöhung der Ölförderquoten aus. Vermutlich werde am Mittwoch beim nächsten Treffen der Opec in Wien eine Erhöhung der täglichen Ölförderung um 500 000 bis eine Million Barrel beschlossen, hieß es am Montag in Expertenkreisen. Auslöser der Erwartung sind zunehmende offizielle und inoffizielle Bekundungen aus den Ölministerien der maßgeblichen Opec-Mitglieder in den vergangenen Tagen, die auf eine wachsende Bereitschaft zu einer höheren Fördermenge hinweisen.

So hatte am Montag der Vizepräsident der staatlichen Ölförderfirma des Iran - der innerhalb der Opec gemeinsam mit Algerien, Lybien und Nigeria zu den sogenannten "Preisfalken" zählt - Hojatollah Ghanimifard, gesagt, Iran werde sich an einer Fördererhöhung der Opec beteiligen. Der Ende März beschlossene Förderanstieg um 1,4 Millionen Barrel pro Tag - dem der Iran sich damals zunächst wiedersetzt hatte - sei nicht umfassend genug gewesen. Der derzeit hohe Ölpreis schade auch den Förderländern, da die Empfänger weniger verbrauchten und sich nachalternativen Energiequellen umsähen. Analysten nannten diesen Umschwung überraschend, da der iranische Ölminister Bijan Zanganeh noch in der vergangenen Woche die Ansicht zurückgewiesen hatte, es gebe eine Ölverknappung auf dem Weltmarkt.

Von Saudi-Arabien, dem größten Ölförderland und einflußreichsten Mitglied der Opec wird ohnehin - vor allem von den USA - erwartet, dass es einer Fördererhöhung nicht nur zustimmt, sondern auch die anderen Opec-Mitglieder von dessen Notwendigkeit überzeugt. "Eine Fördererhöhung scheint bevorzustehen", sagte Ölmarktanalyst Jens-Uwe Wächter von Deutsche Bank Research am Montag. "Um wieviel bleibt abzuwarten, man kann aber wohl von einem Anstieg um 500 000 bis eine Million Barrel täglich ausgehen."

Saudi-Arabien fördert nach eigenen Angaben täglich rund acht Millionen Barrel Rohöl und könnte die Förderung sofort auf 10,5 Millionen Barrel steigern. Der Iran fördert rund 3,62 Millionen Barrel pro Tag. Wächter sagte, mehr als ein Anstieg um "einige hunderttausend Barrel täglich maximal" sei im Fall des Iran kaum vorstellbar. Das Land liefe damit Gefahr Anteile auf dem Weltmarkt einzubüßen.

"Es ist anzunehmen, dass eine Fördererhöhung in dem genannten Rahmen bevorsteht", erwartet auch Manfred Horn, Ölmarktexperte beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Die Opec selbst habe sich eine Preisspanne von 22 bis 28 Dollar pro Barrel im März zum Ziel gesetzt, die nun ständig überschritten werde.

Bei ihrem jüngsten Treffen Ende März hatte die Opec ein informelles Abkommen getroffen, dem zu Folge der Ölpreis gemessen an sieben asiatischen, afrikanischen und südamerikanischen Ölsorten im laufenden 20-Tagesdurchschnitt 22 Dollar nicht unter- und 28 Dollar nicht überschreiten sollte. Andernfalls, hatte es verschiedentlich geheißen, werde die geförderte Ölmenge um 500.000 Barrel täglich hochgefahren. Dies war jedoch auch nach dem deutlichen Überschreiten des Durchschnitts in der vorvergangenen Woche nicht geschehen. Am Freitag lag der Durchschnittspreis des Korbes bei 28,57 Dollar. Von dem nächsten Treffen wird erwartet, dass die Opec dieses Abkommen formalisiere, sagte Horn.

Der Ölpreis hatte angesichts der jüngsten Meldungen in den vergangenen Tagen nachgegeben. Am Montag gegen 16.00 Uhr MESZ lag der Preis für einen Barrel der Nordseemarke Brent, lieferbar im August, mit minus 25 Cent bei 28,10 Dollar. In der vergangenen zwei Wochen hatte der Preis für Brent - damals noch aus dem Juli-Kontrakt - mehrfach die Marke von 30 Dollar übersprungen.

Eine Fördererhöhung werde sich auch dämpfend auf die Benzinpreise in Europa und den USA auswirken, erwartet Horn. Eine unerwartet hohe Nachfrage nach Treibstoff angesichts sinkender Lagerbestände in den USA habe überhaupt erst zu dem jüngsten Ölpreisanstieg geführt. "Zumindest bei einer Erhöhung um täglich eine Million Barrel würden die Öl und Benzinpreise schon allein wegen der psychologischen Wirkung fallen." Diese Entwicklung werde auch durch den festeren Euro unterstützt.

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