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Opel Bochum steht weiter still - Angeblich Kündigungen erwogen

Die Proteste der Opel-Mitarbeiter gegen den geplanten drastischen Stellenabbau erreichen mit einem europaweiten Aktionstag am Dienstag einen vorläufigen Höhepunkt. Die Produktion im Bochumer Werk steht den sechsten Tag in Folge still.

dpa-afx RÜSSELSHEIM/BOCHUM. Die Proteste der Opel-Mitarbeiter gegen den geplanten drastischen Stellenabbau erreichen mit einem europaweiten Aktionstag am Dienstag einen vorläufigen Höhepunkt. Die Produktion im Bochumer Werk steht den sechsten Tag in Folge still. Einem Pressebericht zufolge erwägt das Opel-Management fristlose Kündigungen für mutmaßliche Anführer des wilden Streiks. Bundeskanzler Gerhard Schröder mahnte die Beschäftigten und den Opel - Mutterkonzern General Motors (GM) zu einer Verhandlungslösung.

In Bochum werden bis zu 10 000 Menschen zu einer Kundgebung erwartet. Insgesamt sollen sich an den Standorten der europäischen GM-Konzerntöchter Opel, Vauxhall und Saab rund 40 000 Beschäftigte an verschiedenen Veranstaltungen beteiligen. In Kaiserslautern wollen 2 500 Arbeiter vorübergehend die Arbeit niederlegen. Auch am Stammsitz Rüsselsheim wird die Produktion wohl zeitweise ruhen. In Bochum beschloss auch die Frühschicht am Dienstagmorgen, die Arbeit ruhen zu lassen.

Die Tageszeitung "Die Welt" berichtete unter Berufung auf informierte Kreise, die Kündigung "mutmaßlicher Rädelsführer" der Bochumer Proteste solle mit Verstößen gegen das Betriebsverfassungsgesetz begründet werden. Zunächst wolle Opel jedoch die Entwicklung beim Aktionstag abwarten. GM will in Europa 12 000 der insgesamt 63 000 Stellen abbauen. Nach Angaben des Betriebsrats sollen in Deutschland 10 000 Jobs verschwinden, davon jeweils 4 000 in Rüsselsheim und Bochum.

Die Beschäftigten des Werkes in Bochum setzten auch in der Nacht trotz aller Appelle zur Wiederaufnahme der Arbeit ihren Ausstand weiter fort. Durch die Produktionsausfälle wurden im belgischen Werk Antwerpen für die Nachtschicht die Teile knapp. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) erklärte, er erwarte nun ein Signal des Vorstands. Die Arbeitsniederlegung halte er allerdings für falsch. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) mahnte am Montagabend in Berlin zu einer Lösung am Verhandlungstisch.

Die großen Wirtschaftsverbände kritisierten den wilden Streik in Bochum als Gefahr für den Standort Deutschland. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt sagte der "Berliner Zeitung" (Dienstag): "Wilde Streiks sind unzulässig und rechtswidrig. Sie gefährden den Standort Deutschland, führen zu einer Radikalisierung und schaden dem Betriebsfrieden." Unterdessen ließ die Opel-Geschäftsleitung Flugblätter verteilen, auf denen die Beschäftigten aufgefordert werden, ihre Arbeit wieder aufzunehmen.

Bei den Verhandlungen in Rüsselsheim will die Arbeitnehmerseite vor allem Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen verhindern. General Motors hatte vergangene Woche angekündigt, in Deutschland binnen zwei Jahren 10 000 Stellen streichen zu wollen, davon jeweils 4 000 in Bochum und Rüsselsheim.

Die Arbeitnehmerseite bekräftigte am Montag ihre Bereitschaft, einen Beitrag zu der von GM geplanten Kostenreduzierung von 500 Mill. Euro zu leisten. "Ich gehe davon aus, dass sich die Personaleinsparziele erheblich relativieren lassen", sagte der Frankfurter IG-Metall-Bezirksleiter Klaus Mehrens der dpa. An der ersten Verhandlungsrunde nahmen keine prominenten IG-Metall- Funktionäre teil, ein Spitzengespräch zwischen Opel und der Gewerkschaft wurde aber für die kommenden Tage nicht ausgeschlossen. IG-Metall-Vize Berthold Huber sagte der "Stuttgarter Zeitung" (Dienstag), dass die Verhandlungen über den Erhalt der Standorte am Donnerstag fortgesetzt würden.

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