Archiv
Opel gegen Saab - Rennen um die Mittelklasse-Produktion eröffnet

Der Startschuss für das Rennen Opel gegen Saab ist gefallen. Die beiden Werke in Rüsselsheim und im schwedischen Trollhättan liefern sich ein Duell um die Produktion der neuen Mittelklasse ihres Mutterkonzerns General Motors (GM) .

dpa-afx RÜSSELSHEIM. Der Startschuss für das Rennen Opel gegen Saab ist gefallen. Die beiden Werke in Rüsselsheim und im schwedischen Trollhättan liefern sich ein Duell um die Produktion der neuen Mittelklasse ihres Mutterkonzerns General Motors (GM) . Von 2008 an will GM die Nachfolgemodelle des Opel Vectra und Saab 9.3 nur noch an einem Ort vom Band laufen lassen, um Kosten zu sparen. Eine gemeinsame Plattform macht dies möglich.

Die beiden Standorte müssen nun in einem Konzept beweisen, dass sie die rund 250 000 Wagen pro Jahr besser und günstiger produzieren können als ihr Konkurrent. "Ausschlaggebend sind etwa Lohnkosten, notwendige Investitionen und Kapazität des Werks", sagt ein Sprecher der GM-Europazentrale in Zürich. "Das Werk, das Anfang 2005 nicht den Zuschlag bekommt, steht aber keineswegs vor dem Aus. Es kann sich um andere Modelle bewerben." Gewerkschaften und Arbeitnehmer fürchten jedoch um die jeweils rund 6 000 Arbeitsplätze.

Die Zusammenlegung macht betriebswirtschaftlich absolut Sinn. Beide Fabriken sind nur zu gut 60 Prozent ausgelastet - einer der Gründe dafür, dass der weltgrößte Autobauer in Europa seit Jahren nicht aus den roten Zahlen herauskommt. Die GM-Manager haben bereits ein dickes Sparpaket präsentiert, mit dem im nächsten Jahr in Europa rund 12 000 der 62 000 Stellen gestrichen werden sollen. Die Zentralisierung der Produktion ist darin noch nicht berücksichtigt.

Beide Standorte haben Stärken und Schwächen. Für Rüsselsheim spricht die Modernität des Werks, in das GM erst vor zwei Jahren 750 Mill. Euro investiert hat. Zudem hat das Opel-Stammwerk vor wenigen Monaten den Zuschlag für die weltweite Entwicklung der Mittelklasse erhalten. Eine Trennung der Entwicklung von der Produktion ist schwer vorstellbar. Gegen Opel sprechen der teure Euro und die hohen Lohnkosten.

In Trollhättan liegen die Löhne im Durchschnitt 30 Prozent unter denen in Deutschland. "Heute wird der Rüsselsheimer Vectra mit etwa 800 Euro höheren Personalkosten pro Fahrzeug produziert, als wenn er in Trollhättan gebaut würde", sagt der Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer. Opel müsse diesen Wert halbieren. Sein Vorschlag lautet: "Die Mitarbeiter müssen pro Woche fünf Stunden länger ohne Lohnausgleich arbeiten. Das kann den Standort retten."

In Schweden sind zudem die Schwellen für den Kündigungsschutz geringer und die Arbeitszeiten flexibler. Dafür müssen die ungünstige Lage im Norden und die niedrigeren Kapazitäten ausgeglichen werden. Die schwedische Regierung hat bereits ein Hilfspakt in Höhe von 220 Mill. Euro bereitgestellt, um die Infrastruktur rund um den Standort auszubauen. Direkte Subventionen sind nach EU-Recht verboten. Die GM-Entscheider beeindruckt das wenig: "Das ist doch purer Aktionismus. An den Kosten ändert das nichts", verlautet aus Zürich. Das Rennen sei völlig offen.

Auch der Rüsselsheimer Betriebsrat sieht das schwedische Vorpreschen gelassen. "Wir haben ein attraktives Angebot vorgelegt", sagt der Betriebsratsvorsitzende Klaus Franz. "Alles andere ist zweitrangig." Der Standort habe deutlich bessere Chancen als im Wettbewerb um den Kompaktvan Zafira. Bei dieser konzerninternen Bewerbung hatte Rüsselsheim im Juni dieses Jahres gegen das Werk im polnischen Gliwice (Gleiwitz), das mit sehr niedrigen Löhnen punktete, den Kürzeren gezogen.

Manche Branchenkenner sehen dagegen kaum Zukunft für Rüsselsheim. "Dort wird wie überall in Deutschland viel zu teuer produziert, vor allem wegen der Löhne", sagt Prof. Wolfgang Meinig von der Forschungsstelle Automobilwirtschaft der Universität Bamberg. "Auf längere Sicht wird vor allem die Produktion von Volumenmodellen aus Deutschland verschwinden. Diese Wagen kann man in jeder anderen Ecke der Welt produzieren."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%