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Opel-Vorstand startet Verhandlungen mit dem Betriebsrat

Im eskalierenden Konflikt um drohende Massenentlassungen bei Opel wollen Betriebsrat und Vorstand der deutschen General-Motors-Tochter am Montag Verhandlungen aufnehmen.

dpa-afx RÜSSELSHEIM/BOCHUM. Im eskalierenden Konflikt um drohende Massenentlassungen bei Opel wollen Betriebsrat und Vorstand der deutschen General-Motors-Tochter am Montag Verhandlungen aufnehmen. "Oberste Priorität hat es jetzt, die Thematik auf den Verhandlungsweg zu bringen", sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz am Sonntag der dpa. An dem Gespräch sollen der Vorstandsvorsitzende, der Arbeitsdirektor, der Fertigungsvorstand sowie die Betriebsräte der Werke in Rüsselsheim, Bochum und Kaiserslautern teilnehmen. General Motors (GM) hatte am Donnerstag radikale Sparpläne angekündigt: Demnach sollen bis 2006 europaweit 12 000 Stellen gestrichen werden, 10 000 davon an den deutschen Opel-Standorten.

Im Kampf um ihre Arbeitsplätze bleiben die Arbeiter des besonders hart betroffenen Bochumer Opel-Werkes bei ihrer harten Linie. Sie wollen auch am Montag die Produktion lahm legen, sofern GM und Opel betriebsbedingte Kündigungen nicht deutlich ausschließen. Die Entscheidung darüber, ob die Belegschaft zur nächsten Schicht um sechs Uhr wieder antritt, liege bei den Beschäftigten, sagte Europa- Betriebsrat Klaus Hemmerling am Sonntag. "Wenn positive Signale von General Motors kommen, könnte die Arbeit wieder aufgenommen werden." Sie war am Donnerstag unmittelbar nach Bekanntwerden der GM-Pläne eingestellt worden. Auch während der bislang letzten regulären Schicht bis Samstag früh standen die Bänder im Bochumer Opel-Werk still. Das ganze Wochenende über blockierten Arbeiter die Werkstore.

Vize-Europachef Bringt Auffanggesellschaften INS Gespräch

Zu möglichen Spielräumen, den Stellenabbau zu begrenzen und Massenentlassungen zu verhindern, kamen am Wochenende noch keine konkreten Signale aus dem GM-Management. Der Vizechef von GM Europe, der frühere Opel-Vorstandsvorsitzende Carl-Peter Forster, brachte eine Auffanggesellschaft ins Gespräch. "Wenn es uns gelingt, die betreffenden Mitarbeiter in Beschäftigungsgesellschaften zu überführen, können wir betriebsbedingte Kündigungen vermeiden", sagte Forster der "Welt am Sonntag". Damit wären die Arbeitsplätze zwei Jahre garantiert, allerdings bei deutlichen Lohneinbußen. Die Belegschaft in Bochum sprach sich am Sonntag bereits dagegen aus. Dies sei nur ein verzögerter Weg in die sichere Arbeitslosigkeit.

GM-Europachef Fritz Henderson bekräftigte im "Spiegel", die geplanten Einsparungen von 500 Mill. Euro jährlich seien ohne Werksschließung zu schaffen. Auf die Frage, wie lange Opel ohne den angekündigten Sanierungskurs durchhalten könne, sagte er der "Bild am Sonntag": "Gar nicht mehr." Auf die Opel-Standorte könnten sogar noch härtere Schnitte zukommen: "Wenn sich die Autowirtschaft weiter verschlechtert, müssen wir weiter nachjustieren." Henderson und sein Vize Forster ließ keinen Zweifel daran, dass vor allem das Bochumer Werk gefährdet ist: "Die Gefahr einer Schließung ist nicht vom Tisch", sagte Henderson. "Wenn wir jetzt nicht schnell und schlau handeln, hat Bochum keine Zukunft", unterstrich Forster.

'DA Werden DIE Positionen Gewechselt WIE DIE Unterwäsche'- Betriebsrat

"Da werden die Positionen gewechselt wie die Unterwäsche", kommentierte Franz am Samstag die Zitate in der Wochenendpresse. Es sei ein Teil des Problems, dass sich seit Wochen die Spekulationen jagten. Dies verunsichere die Beschäftigten und die Kunden: "Das Marken-Image wird vom eigenen Management besudelt." Die Arbeitsniederlegungen in Bochum habe das Management selbst zu verantworten: Die Beschäftigten seien durch gezielte Indiskretionen aus der europäischen GM-Zentrale provoziert worden. Den Betriebsräten habe dies keine Chance zu sachlicher Information gelassen: "Ich habe volles Verständnis für die Beschäftigten, die ihrer Empörung Luft verschaffen."

Angesichts der jahrelangen hohen GM-Verluste in Europa und des erbitterten Widerstandes der Opel-Beschäftigten stellen sich Management und Arbeitnehmer auf lange und schwierige Gespräche ein. Betriebsratschef Franz warnte vor der Illusion, die Verhandlungen könnten "innerhalb von sehr kurzer Zeit beendet sein". Die Materie sei so komplex und habe möglicherweise so fundamentale Auswirkungen, dass er nicht damit rechne, dass es schon innerhalb von ein, zwei Wochen Ergebnisse gebe. Jetzt sei eine Phase nötig, in der die Verhandlungspartner in Ruhe unterschiedliche Szenarien durchspielen könnten. Auch der GM-Europachef Fritz Henderson sprach im Interview mit dem "Spiegel" von "schwierigen Verhandlungen"; sie müssten aber zu einer Einigung führen, "denn es kann niemand ein Interesse an einem langen Konflikt haben".

Lange Auseinandersetzung Droht

Eine lange Auseinandersetzung droht Opel nach dem Willen der Bochumer Beschäftigten, wenn GM bei seiner harten Linie bleibt: Wenn das Werk geschlossen werden solle, werde es den "längsten und härtesten Arbeitskampf geben, den Opel je erlebt hat", sagte Betriebsrat Hemmerling. Die Arbeitnehmervertreter erwarten, dass auch in den europäischen Werken in England, Belgien und Polen von Montag an die Produktion ruht. Die Betriebe werden von Opel Bochum beliefert. "Am Montag dürfte dort die Pipeline leer sein, dann kann auch dort nicht mehr gearbeitet werden", sagte der Betriebsratssprecher Lothar Marquardt am Samstag.

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