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Opel-Vorstand verhandelt mit Betriebsrat - harte Linie in Bochum

Im eskalierenden Konflikt um drohende Massenentlassungen bei Opel suchen Management und Betriebsrat der deutschen General-Motors-Tochter eine rasche Verhandlungslösung.

dpa-afx RÜSSELSHEIM/BOCHUM. Im eskalierenden Konflikt um drohende Massenentlassungen bei Opel suchen Management und Betriebsrat der deutschen General-Motors-Tochter eine rasche Verhandlungslösung. "Oberste Priorität hat es jetzt, die Thematik auf den Verhandlungsweg zu bringen", sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz am Sonntag der dpa. Die Gespräche sollen bereits am Montag in Rüsselsheim beginnen und nach Angaben der IG Metall am Donnerstag fortgesetzt werden. GM hatte am Donnerstag radikale Sparpläne angekündigt: Demnach sollen bis 2006 europaweit 12 000 Stellen gestrichen werden, 10 000 davon - fast jeder dritte Arbeitsplatz - an den deutschen Opel-Standorten.

Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) rief die Beschäftigten in Bochum auf, am Montag die Produktion wieder aufzunehmen. "Die Arbeitnehmer, die vor den Toren stehen, verbessern die Chancen, dass der Standort erhalten wird, nicht", sagte er am Sonntag in der ARD-Sendung "Sabine Christiansen". Ungeachtet dessen harrten auch in der Nacht zum Montag rund 300 Opel-Mitarbeiter vor den Werkstoren in Bochum aus.

Bochumer Frühschicht Nahm Produktion Zunächst Nicht AUF

Die Frühschicht in Bochum nahm die Produktion zunächst nicht auf. Der Betriebsrat will den Mitarbeitern nach eigenen Angaben am Montagmorgen über den Stand der Dinge informieren. Die Belegschaft solle entscheiden, ob die Produktion wieder aufgenommen wird. Die Mitarbeiter fordern weiterhin vom Management die Zusicherung, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen in Bochum geben wird.

Dem "Handelsblatt" (Montagausgabe) sagte Franz, schon vor dem Beginn der Verhandlungen zeichne sich eine Annäherung ab. Vorbild für eine Lösung auch bei Opel ist für Franz der in einem fast 30- stündigen Verhandlungsmarathon am Donnerstag geschlossene Beschäftigungspakt zwischen dem Karstadt-Quelle-Vorstand und den Arbeitnehmern des Handelsriesen. Allerdings befürchtet Franz, dass die seit Tagen anhaltende Blockade des Bochumer Opel-Werkes eine Verhandlungslösung erschweren könnte. Die Arbeitsniederlegungen in Bochum seien emotional zwar zu verstehen. "Wir brauchen jetzt aber eine intelligente Strategie auf der Arbeitnehmerseite, die Verhandeln und Kämpfen gleichzeitig einschließt."

Im Kampf um die Arbeitsplätze in Bochum bleiben die Arbeiter des besonders hart betroffenen dortigen Werkes vorerst bei ihrer harten Linie. Sie wollen auch am Montag die Produktion lahm legen, sofern GM und Opel betriebsbedingte Kündigungen nicht deutlich ausschließen. "Wenn positive Signale von General Motors kommen, könnte die Arbeit wieder aufgenommen werden." Die Arbeit war am Donnerstag unmittelbar nach Bekanntwerden der GM-Pläne eingestellt worden. Auch während der bislang letzten regulären Schicht bis Samstag früh standen die Bänder im Bochumer Opel-Werk still. Das ganze Wochenende über blockierten Arbeiter die Werkstore.

Noch Keine Konkreten Signale VON Management

Zu möglichen Spielräumen, den Stellenabbau zu begrenzen und Massenentlassungen zu verhindern, gab es am Wochenende in der Öffentlichkeit noch keine konkreten Signale aus dem GM-Management. Forster brachte eine Auffanggesellschaft ins Gespräch. "Wenn es uns gelingt, die betreffenden Mitarbeiter in Beschäftigungsgesellschaften zu überführen, können wir betriebsbedingte Kündigungen vermeiden", sagte Forster der "Welt am Sonntag". Damit wären die Arbeitsplätze zwei Jahre garantiert, allerdings bei deutlichen Lohneinbußen. Die Belegschaft in Bochum sprach sich am Sonntag bereits dagegen aus. Dies sei nur ein verzögerter Weg in die sichere Arbeitslosigkeit.

Henderson bekräftigte im "Spiegel", die geplanten Einsparungen von 500 Mill. Euro jährlich seien ohne Werksschließung zu schaffen. Auf die Frage, wie lange Opel ohne den angekündigten Sanierungskurs durchhalten könne, sagte er der "Bild am Sonntag": "Gar nicht mehr." Auf die Opel-Standorte könnten sogar noch härtere Schnitte zukommen: "Wenn sich die Autowirtschaft weiter verschlechtert, müssen wir weiter nachjustieren." GM ließ keinen Zweifel daran, dass vor allem das Bochumer Werk gefährdet ist: "Die Gefahr einer Schließung ist nicht vom Tisch", sagte Henderson. "Wenn wir jetzt nicht schnell und schlau handeln, hat Bochum keine Zukunft", unterstrich Forster.

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