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Opel-Werker in Bochum entscheiden über Arbeitsaufnahme

Die Belegschaft des Opel-Werks in Bochum will am heutigen Mittwoch über ein Wiederanfahren der Produktion entscheiden. Dazu sind alle rund 9 600 Beschäftigten für den Vormittag zu einer Belegschaftsversammlung eingeladen worden.

dpa-afx BOCHUM. Die Belegschaft des Opel-Werks in Bochum will am heutigen Mittwoch über ein Wiederanfahren der Produktion entscheiden. Dazu sind alle rund 9 600 Beschäftigten für den Vormittag zu einer Belegschaftsversammlung eingeladen worden. Sie sollen darüber entscheiden, ob die Bänder wieder anlaufen oder ob die Produktion auch am siebten Tag still stehen wird. Der wilde Streik hat inzwischen auch die Produktion in Rüsselsheim und im belgischen Antwerpen lahm gelegt. Auch dort kann am Mittwoch zunächst nicht gearbeitet werden.

Gegen einen drohenden Stellenabbau hatten am Dienstag rund 50 000 Menschen an den Standorten von Opel und anderen Töchtern von General Motors Co. (GM) in Europa protestiert. Im Bochumer Opelwerk besetzen Teile der Belegschaft am Abend weiter die Werkstore. Andere sollen zur Spätschicht allerdings an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt sein.

Betriebsbedingte Kündigungen Vermeiden

Betriebsratschef Dietmar Hahn hatte am Dienstag von einer soliden Basis für die Verhandlungen mit dem Opel-Management berichtet. Die Gespräche würden mit dem Ziel geführt, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden und die deutschen Opel-Standorte langfristig zu sichern.

Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) begrüßte in Berlin, dass die Verhandlungen bei Opel begonnen hätten. Im ZDF -"heute journal" zeigte er sich optimistisch, dass der Standort Bochum erhalten werden kann. Ohne Arbeitsplatzabbau dürfte das nicht vonstatten gehen, "aber das wird hoffentlich einigermaßen steuerbar sein", sagte Clement. Er glaube, dass beim Management mehr Vernunft einziehe.

Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) forderte im Zusammenhang mit der Krise bei Opel weitergehende Reformmaßnahmen, um den Industriestandort Deutschland zu sichern. Stoiber plädierte in einem Interview der Bild"-Zeitung für eine Gemeinschaftsanstrengung, wie "etwas mehr Arbeitszeit und etwas weniger Urlaub. Weniger Steuern und Abgaben. Etwas weniger Macht für Konzern- und Gewerkschaftszentralen und mehr Verantwortung für Betriebe vor Ort." Über die drohenden Massenentlassungen bei Opel debattiert heute (Mittwoch) auch der Bundestag.

Managementfehler

Nach Ansicht des ehemaligen Vize-Präsidenten von GM-Europe, Hans- Wilhelm Gäb, ist die Krise bei Opel durch jahrelange Managementfehler bei der Konzernmutter GM mitverursacht worden. "Die Tatsache, dass die Fabriken jetzt nicht ausgelastet sind, ist nicht allein durch die Konjunktur im Automobilgeschäft begründet." Jahrelang seien Versäumnisse begangen worden, sagte Gäb dem ZDF-Magazin Frontal 21.

In einem Brief an die IG Metall hatte das Unternehmen sich zu einer Lösung bereit erklärt, die die Fortführung der gefährdeten Standorte über 2010 hinaus sichert. "In den Verhandlungen verfolgen beide Parteien das erklärte Ziel, die Standorte Rüsselsheim und Bochum so weit wettbewerbsfähig zu machen, dass sie über 2010 hinaus als Automobilwerke erhalten werden können. Dies bezieht sich sinngemäß auch auf das Werk Kaiserslautern."

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