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Open Source hat seine Grenzen

Microsoft hält seine eigenen Produkte für sicherer als die der Open-Source-Konkurrenz. Und so schwer es fällt: Es ist etwas dran.

Open-Source-Software ist unsicher. Die Vision, man müsse nur den Programmiercode offenlegen und schon machen sich in Hongkong, LA und Köln-Bocklemünd Myriaden von kreativen Programmierern ans Werk, stopfen wieselflink Sicherheitsloch um Sicherheitsloch, um nichts als der bloßen Ehre willen und stolz jede materielle Entlohnung verschmähend... diese schöne Utopie ist nichts als ein Haufen romantischer Blödsinn. Wer eine Programmpaket ohne Sicherheitslücken braucht, soll sich an ein herkömmliches Softwarehaus seines Vertrauens wenden, wo ein Trupp Profis dafür bezahlt wird, dass alles funktioniert.

Sagt wer? Sagt Steve Lipner vom Security Response Center einer US-amerikanischen Softwareschmiede namens Microsoft. Na klar, ist man versucht zu seufzen. Wer soll denn darauf reinfallen? Der Fall ist klar: Bill Gates' Schergen säen in bekannter Manier Angst und Verunsicherung in den Reihen der Unerschrockenen, die sich aus dem Windows-Kerker befreit haben und sich nun um das Linux-Banner der Freiheit scharen. Sicherlich, Microsoft war noch nie zimperlich, wenn es um die Verteidigung seiner Interessen ging. Doch wer jetzt reflexhaft den Flammenwerfer in Richtung Redmont, Washington entsichert, sollte sich einen Moment lang zurücklehnen und nachdenken: Es ist etwas dran an dem, was Lipner sagt.

Die Grundidee der Open-Source-Vision ist einfach: Tausend leidenschaftliche Freizeit-Programmierer sind besser als jedes angestellte Softwareentwickler-Team. Sie entwickeln neue Anwendungen, sie finden jeden Fehler, sie machen die Software stabil und sicher. Und dafür muss man nichts tun, als den Quellcode offenlegen, und zwar kostenlos. Die Frage ist nur: Warum setzen sich die tausend Programmierer während ihrer kostbaren Freizeit vor den Monitor statt vor den Fernseher? Darauf gibt es drei Antworten: Spaß, Ehre und Geld.

Spaß und Ehre haben der Welt Open-Source-Wunderwerke wie GNU/Linux und Apache geschenkt. Wer neue Features programmierte oder versteckte Fehler aufspürte, dem war in der Szene Ruhm und Anerkennung sicher. Und dann gibt es auch einfach nichts Schöneres als ein schlankes elegantes Stück Code, das spielerisch ein vertracktes Problem aus der Welt schafft. So weit, so gut. Was übrig bleibt, ist die Drecksarbeit. Und die macht nur, wer gutes Geld dafür bekommt. Es macht keinen Spaß, Millionen unkoordinierter Codezeilen nach kleinen, unspektakulären Bugs zu durchstöbern. Und Ehre bringt es auch keine.

Drecksarbeit ist es auch, für graphische Benutzeroberflächen, Plug and Play und ähnlichen Kinderkram zu sorgen. Open-Source-Programmierer motiviert nicht die Sorge um das Los des unbedarften Anwenders. Im Gegenteil: Wer zu doof ist, die Graphikkarte per Unix-Befehlsstring anzusteuern, hat aus Sicht des typischen Programmierers sowieso nichts an der Tastatur verloren. Immerhin hat es GNU/Linux erstaunlich weit gebracht in Sachen Anwenderfreundlichkeit. Das liegt teils daran, dass Firmen wie Red Hat oder SuSE für die besagte Drecksarbeit bezahlen. Und dann darf man nicht vergessen, dass es stets und zu allererst darum ging, es Microsoft kräftig zu besorgen. Da beugt man sich auch schon einmal unter das Joch der Anwenderfreundlichkeit. Aber nur bis zu einem gewissen Grad. Irgendwo ist Schluss. Und ab diesem Punkt siegt Microsoft. Wo Lipner Recht hat, hat er Recht.

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