OpenBC, Qype und Co. suchen ihre Chance
Comeback der Kellerkinder

Auch bei der zweiten Internet-Welle haben die Amerikaner die Nase vorne. Doch die Deutschen holen auf.
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DÜSSELDORF. Als Lars Hinrichs am 5. September 2001 per E-Mail seinen Geschäftspartnern die Insolvenz seines Internet Böttcher Hinrichs AG-Startups mitteilte, setzte er ein trotziges PS darunter: "Wir werden uns schnell wiedersehen." Hinrichs, heute 29, hat sein Versprechen gehalten. 2003 war Lars Hinrichs wieder da. Demnächst wird OpenBC, sein digitales Netzwerk für Geschäftskontakte, seinen Namen ändern und - auch wenn Hinrichs noch dementiert - an die Börse gehen. Geschätzter Firmenwert: 200 Millionen Euro.

"Nicht zu viel", findet Wagnis-Finanzierer Christian Leybold vom Venture BV-Geber Capital in Hamburg. Denn Hinrichs OpenBC wächst nicht nur dynamisch, sondern schreibt auch tiefschwarze Zahlen. Von den rund 1,5 Millionen Nutzern sind über 150 000 bereit, für eine Premium-Ausgabe 5,95 Euro pro Monat zu zahlen - macht zehn Millionen Euro Jahresumsatz. Äußerst ungewöhnlich für ein Unternehmen der neuen Internet-Generation (Web 2.0), wo fast alle Services umsonst sind und die meisten Anbieter vom Sparen und der Hoffnung auf Werbefinanzierung leben.

Hinrichs will Europa und Asien erobern. Bereits in neun Ländern ist sein Dienst mit eigenem Manager aktiv. In China, dem derzeit heißesten Internet-Markt, hat Hinrichs im Sommer die Great Firewall überstiegen. Im vierten Stock am Hamburger Gänsemarkt 43 ist das Comeback der New Economy mit Händen zu greifen. Eine halbe Hundertschaft junger Menschen werkelt auf 600 Quadratmetern. Manche hängen in Zehnerreihen still und konzentriert am Flachbildschirmen. Andere wuseln, zum Teil mit Headsets auf dem Kopf, umher.

Der zweite Web-Boom findet die deutschen Startups, Finanziers und Medienunternehmen grimmig entschlossen: "Diesmal werden uns die Amerikaner nicht vorführen", sagt Marcel Reichart, bei Hubert Burda Media für die Unternehmensentwicklung zuständig. E-Commerce und Suchmaschinen beherrschen Amazon, Ebay und Google. Bei Content und Community wollen die Deutschen gegenhalten. Eine neue Gründerwelle rollt durchs Land.

Weltweit sorgen derzeit schnelle Datenleitungen, bewegte Bilder und ein Werbeboom für ein kraftvolles Comeback des Internets bei Nutzern, Investoren und Medienunternehmen. Die Trends kommen weiter aus den USA - die Deutschen behindert ein kleiner Heimatmarkt, eine vergleichsweise geringe Verbreitung von Breitbandanschlüssen, zögerliche Konsumenten und die unterentwickelte Gründer-Kultur im Lande. Nur an Investoren fehlt es nicht - deutsche Web-2.0-Pioniere wie OpenBC, Qype, StudiVZ und Plazes suchen ihre Chance.

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