Operation in zwei Phasen
Euro unterwegs in arktischer Kälte und Karibik-Sonne

Im finnischen Nuorgam, der nördlichsten Gemeinde der Euro-Zone, geht die Sonne im Winter niemals auf, und das Quecksilber fällt bisweilen unter minus 40 Grad. Aber Irma Hallonen, die an zwei Tagen in der Woche die Filiale der Merita Bank in Nuorgam öffnet, erwartet im kommenden Januar keine Schwierigkeiten, wenn die 200 Einwohner des Ortes ebenso wie 300 Mill. andere Europäer ihre nationale Währung gegen Euro-Bargeld tauschen.

Reuters BRÜSSEL. "Die Straßen bleiben frei und die Post wird immer noch jeden Tag kommen", dämpft sie Sorgen, der Euro könne bei arktischer Witterung im Schnee stecken bleiben.

In allen zwölf Ländern der Euro-Zone laufen die Planungen, um die größte und geballteste Bewegung von Geld in der Geschichte des Kontinents erfolgreich abzuschließen. Vom 1. Januar kommenden Jahres an wollen die zwölf Länder der Euro-Zone rund 14,5 Mrd. neue Banknoten und 50 Mrd. Euro-Münzen verteilen - und gleichzeitig ähnliche Mengen in nationalen Währungen einsammeln. Damit das möglichst glatt geht, müssen die Bürger ein wenig mithelfen und zum Beispiel alte Bargeldbestände möglichst noch in diesem Jahr zur Bank bringen. Umfragen zeigen aber, dass die Bürger immer noch sehr wenig über die geplanten Abläufe wissen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) schätzt, dass die Geldscheine aneinander gelegt eine Strecke ergeben, die fünf Mal von der Erde bis zum Mond und wieder zurück reicht. Mit dem Metall der Münzen könne man 10 000 Lastwagen füllen. An die Dimensionen der Operation Euro reicht kein Währungswechsel in der Geschichte heran.

Jeder Staat im Währungsgebiet hat seinen eigene Zeitplan aufgestellt, denn jedes Euro-Land hat seine Eigenarten - vom 2 500 Quadratkilometer kleinen Luxemburg bis zum 547 000 Quadratkilometer großen Frankreich. Selbst wenn man in dem Fürstentum die geringsten Probleme vermuten könnte, ist es auch für Luxemburg nicht einfach, die Versorgung mit Euro-Bargeld zu sichern. Der Zwergstaat kann seine Scheine und Münzen nicht selbst herstellen und muss diese aus den Niederlanden und Deutschland herbeischaffen. Und die luxemburgische Armee ist mit ihren gerade einmal 700 Soldaten nur begrenzt in der Lage, für Sicherheit zu sorgen.

Auch Griechenland kann das benötigte Bargeld nicht selbst produzieren und muss außerdem noch die Aufgabe meistern, den Euro auf mehr als 250 Inseln zu verteilen. Frankreich muss rund 70 Mill. Banknoten und 1 500 Tonnen Münzen in seine Departements und Territorien in Übersee wie Martinique in der Karibik und Reunion im Indischen Ozean verschiffen. "Wenn man auf die Weltkarte sieht, wird schnell klar, dass man dort nicht auf der Straße oder per Zug hinkommt", sagt ein Sprecher von Liedom, dem französischen Institut, das für Geldfragen in den Gebieten die Verantwortung trägt.

Jacques Godefroimont, Generalsekretär der europäischen Verbandes der Werttransportunternehmen teilt die Operation Euro in zwei Phasen. Die erste beginnt am 1. September mit der Versorgung der Banken mit Bargeld. Die zweite Phase beginnt am 1. Januar 2002, wenn der Euro zum gesetzlichen Zahlungsmittel wird und das Einsammeln von Mark, Peseta und anderen Währungen beginnt. "Der erste Schritt ist eine reine Organisationsübung, wir sehen nicht allzu viele Probleme", sagte Godefroimont. Schwierigkeiten seien aber beim Rückfluss der nationalen Währungen zu erwarten. "Werden die Leute den Euro schnell übernehmen oder werden sie sich Zeit lassen?"

Die Geldtranspoteure werden Anfang 2002 erheblich mehr Touren mit größeren Fahrzeugflotten unternehmen. Aber das große Geschäft sei es für die Unternehmen nicht, sagt Godefroimont. Die Branche fürchte eine steigende Zahl von Überfällen.

Die logistischen Herausforderungen werden jedenfalls Ende Februar noch nicht enden. Europa wird wahrscheinlich saisonale Nord-Süd-Bewegungen von Bargeld sehen. Während Urlauber nun per Kreditkarte zahlen, könnten sie in Zukunft Bargeld vorziehen.



"Das ist eine Sorge nicht nur der Bank von Griechenland, sondern des gesamten Europäischen Systems von Zentralbanken", sagt ein Vertreter der griechischen Notenbank und verweist auf die Beliebtheit der griechischen Inseln unter nordeuropäischen Urlaubern. Angesichts unvorhersehbarer Bargeldwanderungen hat die EZB schon angekündigt, von 2003 an zu überprüfen, in welchen Ländern die Banknoten gedruckt werden.

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