Operativ erstmals Gewinn erzielt
Panne bei T-Online: Zahlen zu früh im Netz

Der größte europäische Internet-Anbieter T-Online hat früher als erwartet auf Konzernbasis im zweiten Quartal 2002 die operative Gewinnschwelle erreicht und zugleich den Konzernverlust deutlich reduziert.

Reuters FRANKFURT. Wie aus dem Halbjahresbericht des Unternehmens am Freitag hervorgeht, erzielte T-Online unter Einschluss aller Beteiligungen und Projekte im zweiten Quartal einen operativen Gewinn (Ergebnis vor Steuern, Zinsen, Abschreibungen und Amortisationen) von 1,498 Mill. Euro. Unter Berücksichtigung des Anteilsverkaufs von T-Motion an die Konzern-Schwester T-Mobile beläuft sich das Ebitda sogar auf 28,82 Mill. Euro. Analysten äußerten sich positiv, übten sich jedoch vor der offiziellen Veröffentlichung der Geschäftszahlen in Zurückhaltung. T-Online bestätigte am Freitagabend in einer Pflichtveröffentlichung die von Reuters bereits vorab gemeldeten Zahlen, die ursprünglich erst auf einer Pressekonferenz am kommenden Donnerstag präsentiert werden sollten.

Die im Tagesverlauf zunächst mit Abschlägen gehandelte T-Online-Aktie reagierte zeitweise mit einem Kurssprung von rund drei Prozent auf 9,25 Euro. Am Abend lagen die Papiere noch mit 0,3 % im Plus bei 8,98 Euro.

Das Unternehmen begründete die fortgesetzt positive Ergebnisentwicklung mit einem Anstieg der Rohertragsmarge auf 47,1 % von 43,4 % im ersten Quartal und Skaleneffekten. Bislang hatte die Unternehmensführung das Erreichen der operativen Gewinnschwelle im Konzern für das dritte Quartal angekündigt. Auch von Reuters befragte Analysten hatten für die Monate April bis Juni noch mit einem moderaten Ebitda-Verlust in Höhe von vier Mill. Euro gerechnet. Im ersten Quartal hatte das Konzern-Ebitda noch bei minus 14 Mill. Euro gelegen.

Der Konzernverlust wurde im zweiten Quartal 2002 deutlich auf 47,015 Mill. Euro von 89,657 Mill. Euro im ersten Vierteljahr gesenkt. Von Reuters befragte Analysten hatten im Durchschnitt mit einem Verlust von 80 Mill. Euro gerechnet. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal wie von den Analysten erwartet auf 372,063 Mill. Euro von 365,706 Mill. Euro im Vorquartal. Sinkende Erlöse aus dem Geschäft mit Internet-Zugängen wurden dem Halbjahresbericht zufolge durch den Anstieg der Erlöse aus E-Commerce und Werbung überkompensiert.

Die Kundenwachstum fiel im saisonal traditionell schwachen zweiten Quartal moderat aus. Die Zahl der Kunden nahm auf 11,565 Mill. von 11,243 Mill. zu. Von diesem Zuwachs entfielen auf die verlustbringenden Töchter in Spanien, Österreich und Frankreich zusammen weniger als 100 000 Kunden. 1,4 Mill. T-Online-Kunden nutzten in Deutschland die Internet-Angebote über einen Pauschaltarif in Verbindung mit einem schnellen DSL-Internet-Anschluss. Weitere 800 000 DSL-Kunden nutzten zeitabhängige Tarife. Ende des ersten Quartals zählte T-Online 1,22 Mill. Kunden mit einem DSL-Pauschaltarif. Der Trend zu Internet-Anschlüssen mit hohen Übertragungsraten sorgte bei der Tochter in Frankreich für einen Zuwachs um 65 000 DSL-Kunden.

Analysten werteten die Geschäftszahlen positiv. Kai Kaufmann, Internet-Analyst bei Dresdner Kleinwort Wasserstein, sagte: "Das sind starke Zahlen, die etwas besser als erwartet ausgefallen sind." Ralf Hallmann, Analyst bei der Bankgesellschaft Berlin, sagte: "Die Zahlen sind grundsätzlich positiv zu werten." Erfreulich sei die Umsatzentwicklung. Offensichtlich habe sich bei T-Online ein positiver Effekt durch die Fußball-Weltmeisterschaft bemerkbar gemacht. In der Vergangenheit seien die Umsätze im zweiten Quartal regelmäßig gesunken. Die positive Entwicklung beim Ebitda sei eindeutig und liege im Trend. Beim Konzernergebnis drückten nur noch die Goodwill-Abschreibungen T-Online in die Verlustzone.

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