Operativer Verlust deutlich reduziert
T-Online kommt ohne Flatrate wieder auf Kurs

Der mit 11,2 Millionen Kunden größte europäische Internetanbieter T-Online hat im ersten Quartal 2002 durch Kosteneinsparungen seinen Betriebsverlust deutlich gesenkt und dabei die Erwartungen der Finanzmärkte leicht übertroffen.

Reuters DARMSTADT. Das zur Deutschen Telekom gehörende Unternehmen teilte am Donnerstag in Darmstadt mit, der operative Verlust Ebitda (Ergebnis vor Steuern, Zinsen, Abschreibungen und Amortisationen) habe sich auf 14 Millionen Euro nach 31,27 Millionen Euro im Vorquartal und 66,4 Millionen Euro im Vorjahr verbessert. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt mit einem operativen Verlust von 15,2 Millionen Euro gerechnet. Im Gesamtjahr sollen Gewinne erwirtschaftet werden. An der Börse legten die T-Online-Aktien zu und entwickelten sich mit plus 1,74 Prozent auf 10,55 Euro besser als der Gesamtmarkt.

Als Gründe für den deutlich gesenkten operativen Verlust nannte T-Online Effizienzsteigerungen und das Auslaufen des Internet-Pauschaltarifs. Dieses Tarifmodell hatte im vergangenen Jahr große Verluste verursacht, da die Internet-Nutzung der Kunden mehr Kosten als Einnahmen verursachte.

Beschleunigtes Umsatzwachstum erwartet

Für das Gesamtjahr erwartet T-Online ein beschleunigtes Umsatzwachstum auf 1,5 bis 1,6 Milliarden Euro nach 1,14 Milliarden Euro im Vorjahr. Im ersten Quartal lagen die Erlöse bei 365,7 Millionen Euro nach 330,6 Millionen Euro im Schlussquartal 2001. Zudem bekräftigte Unternehmenschef Thomas Holtrop in einer Telefonkonferenz das Ziel, den Konzern im Gesamtjahr operativ in die Gewinnzone zu führen.

Das im Konzern dominierende Deutschland-Geschäft war zwar auch im ersten Quartal 2002 auf operativer Basis profitabel. Allerdings sank hier der operative Gewinn im Vergleich zum Vorquartal leicht auf 21 Millionen Euro von 23,6 Millionen Euro. Finanzvorstand Rainer Beaujean führte dies auf die saisonale Schwäche des ersten Vierteljahres zurück. Bei den in- und ausländischen Beteiligungen sowie den neuen Internet-Portalen T Travel-Online und T-Info verringerten sich die operativen Verluste im ersten Quartal 2002 deutlich auf 34,7 Millionen Euro nach rund 55 Millionen Euro im Vorquartal. Die Verlustbringer erwirtschaften rund zehn Prozent der Umsätze.

Unter dem Strich sank der Konzernverlust den Angaben zufolge auf 89,7 Millionen Euro nach 132,4 Millionen Euro im Vorquartal und 121,1 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Belastend wirkten vor allem Abschreibungen auf Firmenwerte und Amortisationen in Höhe von 87 Millionen Euro.

Analysten bewerten Ergebnisse positiv

Die WestLB nahm die ihrer Ansicht nach besser als erwartet ausgefallenen Quartalszahlen des Unternehmens zum Anlass, die Aktien von T-Online hochzustufen. Die Bewertung lautet nun "Outperform" von zuvor "Neutral". Als Kursziel wurde 11,50 Euro genannt. "Die guten Zahlen deuten auf ein starkes Umsatzwachstum, Kosteneinsparungen und reduzierte Verluste bei den ausländischen Beteiligungen hin", sagte WestLB-Analyst Hubert de Marliave.

Andere Analysten behielten ihre Einschätzungen für die Aktien zunächst bei, werteten die jüngsten Zahlen jedoch ebenfalls überwiegend positiv. Sollten sich die Kosteneinsparungen fortsetzen, könne über eine Anhebung der Prognosen nachgedacht werden, erklärte das Researchhaus SES. Auf dem gegenwärtigen Kursniveau sei die Aktie hingegen zu teuer. Dresdner Kleinwort Wasserstein lobte "ermutigende" Schritte zur Verlustminimierung bei den Töchtern in Spanien und Frankreich. Die Bankgesellschaft Berlin begrüßte "eine kontinuierliche Verbesserung" des operativen Ergebnisses über die Quartale.

Zukunftsinvestition Breitband

Über die Akzeptanz des vor zwei Monaten gestarteten Breitband-Portals T-Online Vision will das Unternehmen erst in den kommenden Monaten berichten. Nach den Worten von Firmenchef Holtrop sollen die zum Teil kostenpflichtigen Breitband-Angebote vom Jahr 2004 an einen "signifikanten Ertragsstrom" liefern. T-Online Vision bietet beispielsweise Filme, Musikvideos und exklusive Medien-Angebote, die über schnelle Internetanschlüsse (DSL) angesehen werden können. Potenzielle Nutzer sind die rund zwei Millionen Kunden mit einem DSL-Anschluss. Derzeit erlöst T-Online über seine Internet-Plattformen knapp ein Fünftel seines Umsatzes mit Werbung und elektronischem Handel. Angestrebt wird eine Quote von 30 Prozent im Jahr 2004. Das Gros der Umsätze stammt aus kostenpflichtigen Internet-Zugängen.

"Microsoft-Einstieg ist Nonsens"

Zuletzt aufgekommene Gerüchte über einen geplanten Einstieg des weltgrößten Software-Herstellers Microsoft bei T-Online dementierte Konzernchef Holtrop. "Das ist Nonsens (Unsinn), an dieser Story ist nichts dran", sagte er.

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