Operativer Verlust soll vermieden werden
Lufthansa rechnet mit "signifikantem Nachfrageeinbruch"

Wegen der Krise im Flugverkehr nach den Terroranschlägen in den USA erwartet die Deutsche Lufthansa ein schlechteres Ergebnis als bisher angekündigt.

Reuters FRANKFURT. Auf Grund der Anschläge in den USA und deren Folgen für die internationale Luftfahrt wird die Deutsche Lufthansa wie erwartet ihre Ergebnisziele in diesem Jahr nicht erreichen. Die bisherige Gewinnprognose könne nicht mehr aufrechterhalten werden, eine seriöse Neueinschätzung sei derzeit aber nicht möglich, teilte der Konzern am Mittwochabend nach einer Aufsichtsratssitzung in Frankfurt mit. Zudem rechne das Unternehmen damit, die Ticketpreise erhöhen zu müssen.

Insgesamt müsse bis Jahresende aber mit einem "signifikanten Nachfrageeinbruch" gerechnet werden, erklärte Lufthansa. Der Vorstand wolle nun alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um einen operativen Verlust zu vermeiden. Dazu zählten vor allem weitere Kapazitätskürzungen, ein Einstellungsstopp und das Zurückstellen von Investitionen.

A 380 wird nicht geordert

Entgegen den Erwartungen mancher Branchenkenner legte die Lufthansa im Zuge des Investitions-Stopps auch die geplante Bestellung des neuen Großraumflugzeuges A 380 auf Eis. Vorstand und Aufsichtsrat hätten sich darauf verständigt, die vorgesehenen Order von bis zu 15 Airbus A 380 sowie vier Boeing 747 zurückzustellen. Mit Blick auf die Korrektur der Ergebnisprognose, die die Lufthansa bereits vor einigen Wochen deutlich gesenkt hatte, hieß es in der Mitteilung: "Angesichts der anhaltenden politischen Unsicherheiten können derzeit zuverlässige Einschätzungen des Reiseverhaltens sowie des Frachtverkehrs nicht vorgenommen werden."

Lufthansa-Vorstandsmitglied Wolfgang Mayrhuber sagte, er erwarte auch höhere Ticketpreise. Höhere Fixkosten auch durch schärfere Sicherheitsmaßnahmen und teurere Versicherungen seien Gründe dafür. Der Vorstand kündigte zudem an, die größte deutsche Fluglinie werde ihre Kapazität bei Langstreckenflügen - vor allem auf den Nordatlantik-Routen - um neun Prozent und bei Kurzstrecken um 15 % kürzen.

Analyst Anthony Bor von Merrill Lynch hatte vor der Lufthansa-Mitteilung für das operative Ergebnis in diesem Jahr gesagt: "Es ist möglich, dass es sehr, sehr gering wird".

Konjunkturbelebung nicht zu erwarten

Auf 700 bis 750 Mill. Euro und damit um 25 bis 30 % kürzte die Lufthansa bereits vor einigen Wochen ihre eigene Schätzung für den operativen Gewinn in diesem Jahr. Doch selbst vor diese revidierte Vorhersage stellte die Lufthansa die Bedingung, dass es gegen Jahresende zu einer Konjunkturbelebung kommen müsse. Genau dies dürfte für die Fluglinien nach Einschätzung von Branchenkennern jedoch nach den mit entführten Flugzeugen geflogenen Attacken in New York und Washington auf keinen Fall eintreffen. Im Gegenteil dürften die Ängste vor erneuten Anschlägen die Nachfrage nach Flugreisen insbesondere über den Atlantik mittelfristig erheblich einschränken. Zusätzliche Verunsicherungen bringen die wahrscheinlich bevorstehenden militärischen Gegenschläge der USA. Bei den Anschlägen in den USA in der vergangenen Woche starben wahrscheinlich mehr als 5000 Menschen.

Konzerne, Branchenverbände und Analysten hatten bereits kurz nach den Anschlägen auf das World Trade Centern und das Pentagon gewarnt, dass die Luftfahrtbranche wirtschaftlich in eine Krise geraten werde. Der Reisedienstleister Amadeus - eine Beteiligungsfirma der Lufthansa - verzeichnete allein in der vergangenen Woche einen Rückgang bei den Ticket-Buchungen für Nordamerika-Flüge um mehr als zwei Drittel. Unzählige Fluglinien kündigten Gewinneinbrüche sowie die Streichung von Kapazitäten, Arbeitsplätzen und Ausgaben an - manche schlossen einen Konkurs nicht aus. Die Lufthansa strich in der vergangenen Woche sofort einige Strecken vom Flugplan - darunter auch die erst seit Frühjahr bestehende Direktverbindung Berlin-Washington - nachdem sie erst vor einigen Wochen ihre Kapazitäten gekürzt hatte.

Die bereits zweite Gewinnwarnung dokumentiert, in welch schwierigigem Umfeld die Lufthansa in ihrem im 75. Jubiläumsjahr und überdies im zehnten Amtsjahr von Konzernchef Jürgen Weber fliegt. Neben dem harten Wettbewerb und Preiskampf insbesondere auf den interkontinentalen Strecken und ständig steigenden Ölpreisen sah sich die Lufthansa im Frühsommer eines wenig Image-fördernden und kospieligen Konflikts mit ihren Piloten ausgesetzt. Deren Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) forderte deutliche Gehaltserhöhungen, die sie auch mit mehrfachen Streiks durchzusetzen vermochte. Auf rund 200 Mill. Euro bezifferte die Lufthansa hierfür die Kosten, die schließlich neben anderem auch zur ersten Gewinnwarnung führten.

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