Operativer Zuwachs
Deutsche Bank senkt Risikovorsorge

Die Deutsche Bank hat im ersten Quartal 2003 ihre Risikovorsorge gesenkt und operativ mit 950 Mill. ? deutlich mehr verdient als von Analysten erwartet.

Reuters FRANKFURT. Die Bank sei wegen gesenkter Kosten und eines verbesserten Risikoprofils gut vorbereitet, um von einem Marktumschwung schnell profitieren zu können, teilte Vorstandschef Josef Ackermann im Zwischenbericht am Mittwoch mit.

Die Risikovorsorge sei insgesamt auf 350 Mill. ? nach 384 Mill. ? im Vorjahreszeitraum zurückgenommen worden. Wegen milliardenschwerer Abschreibungen ergibt sich für das erste Quartal ein Gewinn vor Steuern von 234 Mill. ?. Nach Steuern entstand ein Verlust von 219 Mill. ?, da die Belastungen überwiegend steuerlich nicht abzugsfähig sind. Im ersten Quartal 2002 hatte die Bank nach Steuern noch 597 Mill. ? verdient. Analysten lobten die vergleichsweise starke Ergebnisse im operativen Geschäft und die Kostendisziplin. Die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) senkte allerdings den Ausblick für die Bank auf "negativ".

Gerling erhält zum Abschied Kapitalspritze

Bereits in der vergangenen Woche hatte die Bank mitgeteilt, dass in den Nettobelastungen von 718 Mill. Verluste aus Beteiligungen in Höhe von rund 625 Mill. ? enthalten seien, die vornehmlich aus Abschreibungen auf den 34,5 prozentigen Anteil am defizitären Kölner Versicherungskonzern Gerling resultierten. Die Bank sucht seit rund einem Jahr den Ausstieg aus dem kostspieligen Engagement und wird die vollständig abgeschriebene Beteiligung nach Angaben aus Verhandlungskreisen in den nächsten Tagen ganz abgegeben. Zugleich werde die Bank gemeinsam mit dem Schweizer Rückversicherer Swiss Re ihre Anteile am Kreditversicherer Gerling NCM deutlich auf rund 90 % erhöhen und zur Aufstockung ihres NCM-Anteils 120 Mill. ? in bar bezahlen. Auf die Swiss Re entfallen rund 60 Mill. ?. Deutsche-Bank-Finanzvorstand Clemens Börsig wollte keine Details nennen und sagte nur: "Es laufen Diskussionen über den Ausstieg aus dem unerfreulichen (Gerling) Investment."

"Bank auf Marktumschwung gut vorbereitet"

Der um die Nettobelastungen bereinigte Vorsteuergewinn lag über den Erwartungen von Analysten. "Angesichts unserer nachhaltig gesenkten Kosten und unseres verbesserten Risikoprofils sind wir gut vorbereitet, um von einem Marktumschwung schnell und umfänglich zu profitieren", schreibt Ackermann im Zwischenbericht. "Für dieses Szenario sehen wir momentan bereits ermutigende Anzeichen." Das Handelsergebnis gab die Bank für das erste Quartal mit 1,784 (Vorjahr: 1,399) Mrd. ? an. Der Zinsüberschuss liege bei 1,306 (1,725) Mrd. ?. Die Kernkapitalquote sei stabil bei 9,6 %. Die zinsunabhängigen Aufwendungen senkte die Bank im ersten Quartal vor allem durch einen Rückgang der Personalkosten um 27 % auf 4,38 Mrd. ?.

Der Konzernbereich "Corporate and Investment Bank" erzielte ein Vorsteuerergebnis von 1,45 Mrd. (563 Millionen) Euro. Darin enthalten sind 508 Mill. ? aus dem Verkauf des Wertpapierverwahr- und-verwaltungsgeschäftes. Der Konzernbereich "Private Kunden und Vermögensverwaltung (PCAM) erzielte einen Gewinn vor Steuern von 274 Mill. ? nach einem Verlust von 81 Mill. ? im Vorjahresquartal.

Analysten heben Ertragsstärke hervor

"PCAM lag etwas unter unseren Erwartungen, da könnte im Jahresverlauf auf der Retailseite noch zugelegt werden", sagte Metehan Sen von Sal. Oppenheim. "Der Handel war wirklich stark, während wir beim Provisionsergebnis etwas mehr erwartet hatten." Auf der Kostenseite habe die Bank ihren Sparkurs fortgesetzt und vor allem die Personalkosten weiter gesenkt. Sen stuft die Aktien nach wie vor mit Outperformer ein mit einem mittelfristigen Kursziel von 51 ?. Die Bank stehe operativ gut da und könne es sich anders als ihre Wettbewerber leisten, milliardenschwere Abschreibungen zeitnah vorzunehmen und so die Transparenz zu steigern, sagte Sen.

Unterdessen nahm S&P den Ausblick für die Deutsche Bank auf "negativ" von bislang "stabil" zurück. Ungeachtet der erfreulichen operativen Verbesserung seien Zweifel angebracht, ob die Bank bei schwachen Aktienmärkten und der weltwirtschaftlichen Unsicherheit ihr Ertragswachstum fortsetzen kann. Außerdem könnte es in den Folgequartalen erneut zu "Einmalbelastungen" kommen. Das entscheidende Langfristigrating von AA- wurde aber bestätigt. 2002 hatte die Deutsche Bank wegen massiver Beteiligungsverkäufe einen Vorsteuergewinn von 3,5 (1,8) Mrd. ? erzielt. Die Aktie der Deutschen Bank notierte am Mittwoch mit rund zwei Prozent im Plus bei 46,47 ?.

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