Operatives Ergebnis mehr als verdoppelt
Daimler-Chrysler bleibt trotz Überraschungs-Coup vorsichtig

Der deutsch-amerikanische Autohersteller Daimler-Chrysler hat nach einem überraschend gut verlaufenen dritten Quartal seine Gewinnprognose für 2002 zum dritten Mal angehoben.

Reuters STUTTGART. Trotz der gebotenen Zurückhaltung erwarte Daimler-Chrysler 2002 nun einen um Einmaleffekte bereinigten operativen Gewinn von mehr als fünf Milliarden Euro, sagte der Finanzvorstand des größten deutschen Industriekonzerns, Manfred Gentz, am Mittwoch in Stuttgart. 4,7 Milliarden Euro hat Daimler-Chrysler bereits nach neun Monaten erreicht. Die Planung sei angesichts der Flaute auf den Automärkten "vorsichtig, aber realistisch", verteidigte Gentz sich gegen den Vorwurf, das Ziel sei erneut zu niedrig gesetzt. Die Aktie gab um 4,7 Prozent auf unter 37 Euro nach und folgte damit dem schwachen Markttrend.

Allein im dritten Quartal habe das bereinigte operative Ergebnis deutlich auf 1,7 Milliarden von knapp 700 Millionen im Vorjahreszeitraum erhöht, teilte der Automobilkonzern mit. Es lag damit am obersten Rand der Prognosen von Analysten, die im Mittel von 1,27 Milliarden Euro ausgegangen waren. "Zu dieser Verbesserung hat hauptsächlich der Erfolg der bei der Chrysler Group und bei (dem US-Lkw-Bauer) Freightliner eingeleiteten Maßnahmen beigetragen", erklärte Daimler-Chrysler. Der Finanzchef sagte, Chrysler sei durch die "riesigen Erfolge" der Mannschaft um ihren neuen Chef Dieter Zetsche gerettet worden.

Der Konzernumsatz im dritten Quartal lag mit 36,3 (Vorjahr: 36,0) Milliarden Euro um Währungseffekte bereinigt sechs Prozent über dem Vorjahresniveau. Nach einem fast stabilen Konzernumsatz von 112,6 (113,0) Milliarden Euro von Januar bis September sieht Daimler-Chrysler für das gesamte Jahr einen leichten Rückgang auf 150 (152,9) Milliarden Euro.

Das um Einmaleffekte bereinigte Ergebnis nach Steuern versechsfachte sich fast auf 2,61 (0,45) Milliarden Euro. 2002 fielen Sonderabschreibungen bei Chrysler, im Nutzfahrzeugbereich und bei den Dienstleistungen an, während ein Jahr zuvor die Umwandlung des Airbus-Konsortiums in eine AG für hohe Buchgewinne gesorgt hatte.

Die Verkaufszahlen stiegen im Konzern trotz der Flaute auf den Automärkten im dritten Quartal um sieben Prozent auf 1,08 Millionen Einheiten, zwischen Januar und September lag der Absatz mit 3,46 Millionen Fahrzeugen drei Prozent über Vorjahr. Die Marktanteile seien erneut gestiegen. Auf eine Prognose für 2003 wollte Gentz sich nicht einlassen. Die Verkaufszahlen auf dem nordamerikanischen Markt würden 2003 wohl auf 16 Millionen Einheiten oder darunter sinken.

Höhere Mercedes-Benz-Rendite gefordert

Die Ergebnisstütze Mercedes, die auch die Anlauf-Verluste des Kleinwagens Smart trägt, hielt das operative Ergebnis trotz der Modellpflege bei der S-Klasse mit 792 (807) Millionen Euro auf Vorjahresniveau, der Spartenumsatz stieg um sechs Prozent. Auch Mercedes könne sein Ergebnis mit der größten Modellpalette der Firmengeschichte in den nächsten Jahren noch ausbauen, so Gentz. "Die Margen sind noch nicht so berauschend. Sie können sich noch immer verbessern." Die operative Rendite lag im dritten Quartal bei 6,5 Prozent. Für Chrysler hatte Gentz zuvor die Latte auf eine Umsatzrendite von fünf Prozent 2004 gesetzt.

Im dritten Quartal schrieb die US-Tochter mit 325 Millionen Euro erneut operativ schwarze Zahlen, nach einem Verlust von 267 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Zum Jahresende werde das Ergebnis - bis Ende September schon 1,225 Milliarden Euro - klar über den Erwartungen liegen. Das Lkw- und Bus-Geschäft baute seinen operativen Gewinn auf 143 (18) Millionen Euro aus und soll 2002 trotz der Absatzkrise das Vorjahresergebnis übertreffen.

Analysten finden Zahlen positiv, aber Ausblick zu zaghaft

"Die Zahlen sehen sehr gut aus, vor allem bei Chrysler und bei den Nutzfahrzeugen", lobte Analyst Stefan Greifeneder von der Bayerischen Landesbank. Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler kritisierte das neue Ergebnisziel als "logisch, aber wertlos". "Das ist für niemanden eine Überraschung", sagte Himanshu Patel von J.P. Morgan. Pieper sagte, Daimler-Chrysler werde das Jahr eher mit einem Gewinn am oberen Ende der im Januar verworfenen Spanne von 5,5 bis 6,5 Milliarden Euro abschließen. Damals hatte Daimler-Chrysler seine Erwartung drastisch auf einen bereinigten operativen Gewinn von 2,7 (Vorjahr: 1,35) Milliarden Euro nach unten korrigiert. Im Juli stellte Vorstandschef Jürgen Schrempp bereits mehr als 4,05 Milliarden Euro in Aussicht.

Die Börsenkrise vergrößert auch die Deckungslücke in den Pensionsverpflichtungen von Daimler-Chrysler. Wenn die Märkte sich auf dem bisherigen Niveau weiter entwickelten, werde die Unterdeckung Ende des Jahres etwa 5,5 Milliarden Euro statt wie bisher erwartet vier Milliarden Euro betragen, sagte Gentz. Im kommenden Jahr könne dies das Ergebnis vor Steuern mit 400 bis 600 Millionen Euro belasten.

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