"Opfer des eigenen Erfolges"
Wochenend-Ticket droht das Aus

Dem Schönen-Wochenende-Ticket der Deutschen Bahn droht im Frühjahr das Aus. Die Bundesländer weigerten sich, die von der Bahn zum 1. April geplante Preiserhöhung zu genehmigen, hieß es am Montag in Unternehmenskreisen.

Reuters FRANKFURT/M. Die Deutsche Bahn müsse den Fahrpreis von derzeit 21 Euro auf 28 Euro aber erhöhen, weil sich nur so das Problem der teilweise stark überfüllten Wochenend-Züge in den Griff bekommen lasse. Im Jahr 2000 verkaufte die Bahn nach eigenen Angaben 6,8 Millionen Schöne-Wochenend-Tickets zum Preis von 40 Mark.

Der Fahrschein für bis zu fünf Personen war 1995 zum Preis von 15 Mark eingeführt worden und gilt nur in Nahverkehrszügen. Bereits seit zwei Jahren gebe es an den Wochenenden Probleme mit teils "katastrophal überbesetzten Zügen", hieß es in Bahn-Kreisen. "Wir sind Opfer unseres eigenen Erfolges geworden". Besonders stark betroffen seien die Strecken zwischen Berlin und Rostock sowie zwischen Hamburg und Westerland. In Einzelfällen hätten Züge wegen Überfüllung nicht abfahren können. Die Bahn habe sich daher für den nächsten Tarifzeitraum ab 1. April für eine Preiserhöhung auf 28 Euro entschlossen, um die starke Nachfrage zu dämpfen. Die Länder hätten diese Preiserhöhung allerdings nicht genehmigt.

Bahn besteht auf Preiserhöhung

Die Bundesländer zahlen der Bahn jedes Jahr mehrere Milliarden Euro dafür, dass sie den Nahverkehr für sie betreibt, und haben daher ein Mitspracherecht bei der Tarifgenehmigung. Eine Reihe von Bundesländern bieten zudem in der Woche Gruppenkarten an, die dem Wochenende-Ticket vergleichbar sind. In den Ländern wird erwogen, diese Angebote auch auf das Wochenende auszudehnen. Längere Strecken etwa von Berlin nach Frankfurt über Ländergrenzen hinweg können damit aber nicht gefahren werden.

"Wir müssen auf der Preiserhöhung bestehen. Zusätzliche Züge können wir nicht finanzieren", hieß es in den Bahn-Kreisen. Die Bahn habe daher beim Regierungspräsidium Darmstadt, das die Länder vertritt, Widerspruch eingelegt. Außerdem bereite die Bahn eine Klage auf einstweiligen Rechtsschutz zum Verwaltungsgericht Frankfurt vor, falls der Widerspruch keinen Erfolg haben sollte. Die Klage könne noch in diesem Jahr eingereicht werden. Die Bahn wolle so erreichen, dass die Preiserhöhung im April bis zu einer endgültigen Klärung in Kraft treten könne.

Fahrgastverband äußert Verständnis

Stimmten die Länder dem erhöhten Preis nicht zu, "dann wird das Schöne-Wochenende-Ticket am 31. März aufhören", hieß es in Bahnkreisen. "Wir würden das sehr bedauern, denn wir wollen das Angebot eigentlich fortsetzen". Die Bahn betrachte es aber als staatliche Bevormundung, wenn sie gezwungen werde, ihre Preise in einer bestimmten Höhe festzusetzen. An eine gütliche Einigung mit den Ländern glaube das Unternehmen nicht mehr. Das Schöne-Wochenende-Ticket gilt für fünf Personen oder Eltern mit beliebig vielen eigenen Kindern. Die Passagiere dürfen lediglich Nahverkehrszüge benutzen.

Ein Sprecher des Fahrgastverbandes Pro Bahn äußerte Verständnis für die Haltung des Unternehmens. Die Züge seien in der Tat überfüllt. Wenn die Länder aber keine zusätzlichen Züge bei der Bahn bestellen wollten, sollten sie ihre Gruppen-Angebote auf das Wochenende ausdehnen. So könnten beliebte Verbindungen wie Hamburg-Westerland erhalten bleiben, während längere Strecken wie Berlin-Rostock regulär zahlenden Kunden vorbehalten blieben.

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