Opfer identifiziert
Crossair-Absturz: Piloten wollten durchstarten

Mit einem Durchstartmanöver in letzter Sekunde hat der Pilot der am vergangenen Samstag bei Zürich abgestürzten Crossair-Maschine offenbar versucht, das Unglück zu verhindern. Das teilte das Büro für Flugunfalluntersuchungen nach Auswertung des Stimmenrekorders am Freitag in Zürich mit.

dpa GENF. Nach ersten Ermittlungen standen die beiden Piloten weder unter Alkohol- noch Drogeneinfluss. Die Unfallursache ist damit weiterhin unklar.

Die 24 Todesopfer, darunter zehn Deutsche, sind inzwischen identifiziert worden. Bis auf die beiden Piloten sind alle Leichen zur Bestattung freigegeben worden. Die Staatsanwaltschaft will mit einem Verfahren prüfen, ob jemand durch sein Verhalten den Unfall verursacht hat.

Die aus Berlin-Tegel kommende Maschine mit 33 Insassen an Bord war beim Landeanflug auf Zürich abgestürzt. Bis zuletzt sei alles normal im Cockpit des Jumbolino verlaufen, sagte der Leiter des Büros für Flugunfalluntersuchungen, Jean Overney. Von Hektik oder Aufregung habe es keine Spur gegeben.

Nach Auswertung des Stimmenrekorders ergab die Rekonstruktion der letzten Minuten an Bord, dass die Piloten ursprünglich von einem einfacheren Instrumentenlandung auf Piste 14 rechneten. Um 21.48 kam die Anweisung zu einem so genannten Nicht-Präzisionsanflug auf Piste 28. Bei dieser schwierigeren Landung müssen die Piloten selbst auf die Höhe achten.

Zwischen 22.05 und 22.06 Uhr meldete der Pilot an die Flugverkehrsleitstelle, er habe die minimale Anflughöhe von rund 800 Metern erreicht und verfüge über eine gewisse Sicht auf den Boden. Wenige Sekunden später meldete die "synthetische Stimme" des Radar- Höhenmessers, die Höhe betrage 500 Fuß (170 Meter). Um 22.06 Uhr teilte die automatische Stimme mit, die als Minimum eingestellte Höhe von 300 Fuß (100 Meter) sei erreicht. Die Leitstelle gab Flug CRX 3597 die Landeerlaubnis.

Unmittelbar nach dieser Durchsage gab der Pilot mit normaler und sachlicher Stimme den Befehl zum Durchstarten. Ein akustisches Signal auf dem Stimmenrekorder belegt, dass der Autopilot ausgeschaltet wurde. Der Co-Pilot bestätigte das Manöver. Doch es war wohl schon zu spät: Eine Sekunde später zeichnete der Rekorder bereits die ersten Absturzgeräusche auf. Kurz darauf brach die Aufnahme ab.

Unklar für die Ermittler ist weiterhin, warum der Pilot plötzlich das Durchstartmanöver einleiten wollte. Er könne sich vorstellen, dass die Sicht plötzlich gestört wurde, sagte Overney. An dem Abend gab es immer wieder Schneeschauer.

Nach den Worten Overneys dürften weder technische Mängel noch menschliches Versagen als Unfallursache ausgeschlossen werden. Jetzt würden die Daten des Stimmenrekorders mit jenen des Flugdatenschreibers verglichen. Danach könne man die Geschehnisse im zeitlich genauen Ablauf rekonstruieren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%