Opfer kannte Täter
"Ein menschenverachtendes Verbrechen"

Der elfjährige Frankfurter Bankierssohn Jakob von Metzler ist vier Tage nach seiner Entführung tot in einem See gefunden worden. Die Polizei stieß am Dienstag auf die als Bündel zusammengeschnürte Leiche. Ein bereits am Vortag festgenommener 27-jähriger Student hatte die Tat nach Erkenntnissen der Polizei wohl alleine begangen.

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dpa FRANKFURT/MAIN. Der aus Frankfurt stammende Mann hatte sein Opfer nach Darstellung der Polizei gekannt. Er wurde am Abend unter dringendem Verdacht des Mordes und erpresserischen Menschenraubes in Untersuchungshaft genommen. Die Anteilnahme am Schicksal Jakobs war in Frankfurt groß.

Der Junge war nach Vermutungen der Polizei schon am Freitag, dem Tag der Entführung, getötet worden. In der Nacht von Sonntag auf Montag wurde eine Million Euro Lösegeld gezahlt. Nach Zeitungsinformationen wurde der Mann festgenommen, als er sich ein Flugticket auf die Malediven kaufen wollten. Der Student hatte die Polizei mit seinen Aussagen selbst zu dem Fundort der Leiche in der Nähe von Schlüchtern gelenkt.

Nach ersten Ergebnissen der Obduktion ist der Junge entweder erwürgt worden oder ertrunken, sagte Oberstaatsanwalt Rainer Schilling am Abend in der ARD. Am Hals des Jungen seien Würgemale zu erkennen gewesen. Nähere Ergebnisse der Obduktion wie auch der Spurensuche sollen am Mittwoch veröffentlicht werden. Die Polizei hatte die Fundstelle weiträumig abgesperrt und sammelte auch am Abend im Scheinwerferlicht Spurenmaterial, das in einem Prozess Bedeutung haben kann.

Der Junge war am Freitagvormittag nach Schulschluss im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen entführt worden. Zuletzt hatte ihn ein Mitschüler gesehen, als er in der Nähe seines Elternhauses aus einem Linienbus stieg.

Der Verdächtige, Jura-Student im 13. Semester, hatte nach Darstellung der Staatsanwaltschaft in jüngerer Zeit versucht, mit den Kindern der Bankiers-Familie Freundschaft zu schließen. Er soll gegenüber der Bushaltestelle gewohnt haben, an der Jakob von Metzler zuletzt gesehen wurde. Möglicherweise stieg der Junge völlig arglos in den Wagen seines Bekannten und musste schon deshalb sterben, weil er seinen Entführer kannte.

In der Wohnung des Mannes fand die Polizei eine größere Menge Bargeld. Es wurde geprüft, ob die Scheine aus dem markierten Lösegeld stammen. Der Verdächtige soll das Lösegeld in der Nacht zum Montag persönlich abgeholt haben. Schon vorher hatte die Polizei den Studenten im Visier. Zwischen der Lösegeldforderung am Freitag und der Geldübergabe gab es keinen weiteren Kontakt.

Zwar hat der 27-Jährige den Mord nach Darstellung der Polizei nicht zugegeben, es deuteten aber viele Indizien und Bemerkungen auf seine alleinige Täterschaft. Das Motiv war zunächst unklar, vor dem Haftrichter äußerte sich der Mann auf Anraten seines Anwalts nicht.

Die Polizei war vom Beginn der Entführung am Freitagmittag in das Geschehen eingeschaltet. Der Täter habe zunächst erkennen lassen, dass er sich an seine Planungen halte und sei von der Polizei beobachtet worden. Als er nach der Lösegeldübergabe keine Anstalten machte, sein Opfer zu versorgen, habe man am Montag die Öffentlichkeit informiert.

Neben den öffentlichen Beileidsbekundungen führender Politiker gaben auch viele Frankfurter Bürger ihrer Trauer am Abend spontan Ausdruck. Sie stellten Kerzen und Blumen an die Auffahrt zur Villa der Bankiersfamilie von Metzler.

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