Oppositionsbündnis schickt elf Vertreter zu Bonner Konferenz
Nordallianz verstärkt Angriffe auf Kundus

Unterstützt von der US-Luftwaffe hat die afghanische Nordallianz am Freitag ihre Angriffe auf die seit Tagen belagerte Taliban-Bastion Kundus verstärkt. Gefechte gab es auch im Süden der Hauptstadt Kabul. Nach Angaben der Nordallianz liefen seit einer Kampfpause am Donnerstag bis zu 600 Taliban zu ihr über.

afp KABUL. Zu der am Montag beginnenden UN-Konferenz über die politische Zukunft Afghanistans auf dem Petersberg bei Bonn will die Nordallianz elf Vertreter entsenden, unter ihnen "mindestens eine Frau". Zur Vermeidung einer humanitären Katastrophe angesichts des bevorstehenden Winters startete das Welternährungsprogramm (WFP) eine Luftbrücke für Afghanistan.

Die Kämpfer der Nordallianz griffen Kundus, den letzten großen Stützpunkt der Taliban nördlich von Kabul, an drei Fronten an. Wie die afghanische Nachrichtenagentur AIP meldete, wurden bei den Kämpfen dutzende Menschen getötet oder verletzt. Am zweiten Tag in Folge ging die Nordallianz auch gegen die von den Taliban kontrollierte Ortschaft Chanabad, 20 Kilometer östlich von Kundus vor. Am Nachmittag griffen Nordallianz-Kämpfer nach vorheriger Bombardierung durch ein B-52-Kriegsflugzeug der USA den fünf Kilometer südlich von Kundus gelegenen Ort Devairone an.

Stellungen der Taliban wurden nach Berichten eines AFP-Reporters mit Granaten und schweren Maschinengewehren attackiert. Der Nordallianz-Kommandeur Sadreddin sagte, seine Kämpfer hätten die Taliban von den Hügeln oberhalb von Chanabad vertrieben. Als nächstes sei Kundus an der Reihe. Dort sind seit mehr als einer Woche mehrere tausend Taliban-Kämpfer zusammen mit Verbündeten aus Arabien, Pakistan und Tschetschenien eingeschlossen. Nach Darstellung der Nordallianz wollen sich die Taliban ergeben, die ausländischen "Hardliner" von Osama bin Ladens Netzwerk El Kaida seien jedoch dagegen. Der Nordallianz-General Moahammed Daud sagte, die Verhandlungen zur Übergabe von Kundus gingen parallel zu der militärischen Offensive weiter.

Der Usbeken-General Raschid Dostum, dessen Nordallianz-Truppen das Gebiet um Masar-i-Scharif westlich von Kundus kontrollieren, berichtete von Fortschritten bei seinen Verhandlungen mit den Taliban-Führern, unter ihnen den Kommandeur der belagerten Kämpfer, Mullah Fasil Maslum.

Nordallianz-Innenminister Junis Kanuni sagte, die ethnischen Minderheiten seien mit jeweils mindestens einem Vertreter in der Abordnung für die "historische Zusammenkunft" auf dem Petersberg vertreten. Ziel der dortigen Gespräche sei es, Grundlagen und Konzepte für eine Übergangsregierung zu erarbeiten. Die Konferenz ist der erste Schritt zur Umsetzung eines Fünf-Punkte-Plans für Afghanistan, den die UNO in der vergangenen Woche vorgelegt hatte.

Eine Maschine des Welternährungsprogramms flog nach Angaben einer Sprecherin am Freitag mit 17 Tonnen Mehl von Koljab in Tadschikistan nach Faisabad im Norden Afghanistans. Insgesamt sollen über die Luftbrücke 2000 Tonnen Nahrungsmittel in das seit 22 Jahren vom Krieg heimgesuchte Land gebracht werden. Von Faisabad aus sollen die Hilfsgüter mit Lastwagen im Nordosten des Landes verteilt werden, wo 270 000 Menschen auf Hilfe angewiesen sind. Die russischen Lkw, die dafür im Einsatz sind, sind mit Schneepflügen ausgestattet.

Wie das Katastrophenschutzministerium in Moskau mitteilte, sollen in den kommenden Tagen zudem 396 Tonnen Lebensmittel aus Russland über Tadschikistan nach Afghanistan gelangen. Im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet traf eine Delegation des Deutschen Roten Kreuzes ein. Ein für das katholische Hilfswerk Misereor tätiger Arzt kehrt am Sonntag in das Krisengebiet um Masar-i-Scharif zurück.

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