Oppsition gegen Milosevic wird immer stärker
200 000 Menschen demonstrieren in Belgrad

Mindestens 200 000 Menschen haben sich am Mittwochabend in Belgrad auf einem zentralen Platz versammelt und ihre Unterstützung für den Oppositionskandidaten Vojislav Kostunica demonstriert.

Reuters BELGRAD. Aus allen Richtungen strömten die Menschen auf den Platz der Republik vor dem Parlament. Nach der Präsidentenwahl am Sonntag hatten sowohl die Opposition als auch Präsident Slobodan Milosevic den Sieg für sich beansprucht. Nach Angaben der Wahlkommission hat Milosevic mit 40 % der Stimmen gegen Kostunica mit 48 % verloren. Da Kostunica aber keine absolute Mehrheit erreicht habe, sei eine Stichwahl am 8. Oktober nötig. Nach Schätzung der Opposition bekam Kostunica am Sonntag jedoch mehr als 54 % der Stimmen. Er lehnte die Stichwahl ab.

Mit ihrer als Siegesfeier bezeichneten Kundgebung vor dem Parlament demonstrierte die Opposition zugleich gegen die Angaben der Wahlkommission.

Zuvor hatten Polizisten in Zivil die Oppositionvertreter angewiesen, eine für die Feier errichtete Bühne wieder abzubauen. Eine Begründung dafür gaben sie nicht. Der Oppositionspolitiker Cedomir Jovanovic sagte, die Kundgebung werde trotz der Polizeiforderung stattfinden. Sie sei nicht offiziell verboten worden. Auch die Bühne werde stehen bleiben.

Angehörige der oppositionellen Studentenbewegung Otpor hatten gewarnt, möglicherweise werde die Regierung mit Otpor-T-Shirts bekleidete Provokateure in die Menge schicken. Doch die Stimmung auf dem Platz war festlich. Die 28-jährige Milanka sagte: "Ich werde hier warten, bis Milosevic seine Sachen packt und geht." Sie sei schon bei den Demonstrationen der Opposition in den Jahren 1992, 1996 und 1997 dabei gewesen. Sie hoffe, dass sie das nie wieder tun müsse. Jetzt sei alles klar. "Kann er (Milosevic) denn nicht sehen, dass er verloren hat?"

Polizei hält sich zunächst zurück

Die Polizei hielt sich auf dem Platz selbst zurück, zeigte aber Präsenz hinter dem Parlament und in nahe liegenden Straßen. Ein Polizist bestätigte, dass rund 200 000 Menschen demonstrierten. "Die Straßen sind voller Leute, und noch immer strömen mehr herbei." Ein früherer Polizist, der unter den Demonstranten war, sagte, die Polizei sei auf der Seite der Demonstranten. Er gab aber zu bedenken, dass die Spezialeinheiten Milosevic unterstützten. Diesen traue er nicht.

Andere Demonstrationsteilnehmer zeigten sich besorgt, dass die Polizei noch am Abend eingreifen könnte. Ein Mann sagte, er befürchte einen Polizeieinsatz. "Aber wir haben keine andere Möglichkeit, unsere Abstimmung zu verteidigen.

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