Optimale Disposition möglich
Neue Impulse für die Wertschöpfungskette

Supply-Chain-Management-Konzepte gibt es wie Sand am Meer. Logistische Kernprobleme können sie nicht allein lösen. Hier wirkt, so Ergebnisse aktueller Studien, das vom Kaufverhalten des Endkunden ausgehende Demand Chain Management erheblich effizienter.

DÜSSELDORF. Seit die Zeiten von E-Commerce angebrochen sind, vergehen kein Fach-Kongress und keine Messe, wo nicht neue Konzepte und Softwarewerkzeuge zur Optimierung der Wertschöpfungskette vorgestellt werden. Supply Chain Management ist zum Hauptgegenstand der Diskussion geworden, wenn es darum geht, den Unternehmenserfolg zu steigern. Und die Zeit drängt: Das schnelle Wachstum des E-Commerce verkürzt die Lieferzeiten und zwingt die Unternehmen zum Handeln.

In der Tat lassen sich heute durch die technischen Möglichkeiten der Vernetzung, durch immer leistungsfähigere Rechnersysteme und immer feinere Instrumente sämtliche Stufen der Versorgungskette weitaus besser planen und aufeinander abstimmen als noch vor einigen Jahren - und das sogar unternehmens- und branchenübergreifend. Dennoch ist es alltägliche Realität, dass in Warenhäusern, Supermärkten oder anderen Handelsfilialen bestimmte Produkte partout nicht zu finden sind. Selbst in gut geführten Einzelhandelsunternehmen fehlen üblicherweise zwischen sieben und zehn Prozent der Artikel. Die unangenehme Konsequenz: Was nicht im Regal steht, kann nicht verkauft werden und führt zu Umsatzeinbußen.

Modernes Supply Chain Management verbessert zwar die logistischen Abläufe, aber eine Lösung für das Problem, immer die richtige Ware zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu haben, bieten die Supply Chain Tools nicht. Anders dagegen funktioniert das so genannte Demand Chain Management. Es steuert und optimiert die gesamte Prozesskette des Waren- nachschubs von seinem zentralen Treiber her, also von den Kaufakten der Endverbraucher und macht damit die Nachfrage der Kundschaft zum Ausgangspunkt der Disposition. Professor Gerhard Arminger, der an der Universität Wuppertal Wirtschaftsstatistik lehrt, hat das Konzept des Demand Chain Management neu entdeckt.

Auf den von Arminger dafür entwickelten neuen mathematischen und statistischen Verfahren basiert auch der von dem im schweizerischen Tägerwilen ansässigen Softwareunternehmen SAF AG realisierte innovative Lösungsansatz. Das 1996 gegründete Unternehmen macht die komplexen statistischen Methoden in der wirtschaftlichen Praxis anwendbar und ermöglicht durch spezielle Softwarepakete die automatische Disposition von Gütern im Handel - und das mit äußerster Genauigkeit.

Ziel ist jeweils ein hoch effizientes Demand Chain Management und damit verbunden eine erhebliche Kostenreduktion auf Grund stark verbesserter Prognosen. So lässt sich mit dem Programm SuperStore die Verfügbarkeit von Waren ohne aufwendige Lagerhaltung steigern und durch die Senkung der Bestände sind Sortimentserweiterungen möglich, ohne dass teure Nutzflächen vergrößert werden müssen.

Um dies zu erreichen, berechnet die Vorhersage- und Optimierungssoftware den optimalen Bestand von Waren zur Bedarfsdeckung für eine gegebene Periode. Herkömmliche Prognosetools dagegen basieren auf einem anderen Prinzip. Sie prognostizieren die zukünftigen Abverkäufe, nicht den Bestand.

Die gefürchteten Präsenzlücken kann SuperStore zu annähernd 100 Prozent schließen. Dazu wird der optimale Warenbestand für jede Filiale und für jede Produktgruppe treffsicher prognostiziert - ganz gleich ob Schnell-, Langsamdreher oder Spezialartikel.

Ein integriertes Warnsystem, das so genannte "Management by Exception", meldet überdies nicht vorhandene oder vergessene Warenbestände sowie andere außergewöhnliche Ereignisse. Die neue Version des Programms berücksichtigt sogar die Mindesthaltbarkeit von Frischeartikeln und kann aus 120 verschiedenen Prognoseverfahren das jeweils geeignete auswählen.

Voraussetzung für die optimale Disposition ist ein funktionierendes Bestandsmanagement. Der aktuelle Bestandswert im Warenwirtschaftssystem und die tatsächlich im Regal vorhandenen Artikel müssen übereinstimmen. Das allerdings ist aus den verschiedensten Gründen häufig nicht der Fall.

Hierzu ein Beispiel: Kauft die Kundin eines Drogeriemarktes zwei Gläser Babykost mit Möhren und zwei mit Hühnchen, die Kassiererin zieht der Einfachheit halber aber nur das Glas mit Möhren über den Scanner und multipliziert den Preis mit vier, führt das zu Bestandsdifferenzen bei allen zwei Sorten. Das mag banal klingen, führt aber bei Zigtausend Produkten in hunderten von Filialen zu Fehlbestellungen und Präsenzlücken.

Mit dem Programm SuperStore kommt es erst gar nicht so weit. Es arbeitet mit einer Vielzahl statistischer Daten und Informationen über vergangene und künftige Kaufakte und ist so auf Grund von Wahrscheinlichkeitsberechnungen und Erfahrungswerten in der Lage, falsche Systembestände automatisch zu erkennen und mittels des Exception-Management darauf hinzuweisen. Mit der Entwicklung eines neuen Programms bindet die SAF AG auch die Herstellerunternehmen in den elektronischen Dispositionsprozess ein und deckt so die komplette Wertschöpfungskette ab. Damit kann das Kostensenkungspotenzial im Bestands- und Lagermanagement auch auf Produzentenseite erschlossen werden.

Dr. Andreas von Beringe, Gründer und Vorstandsvorsitzender der SAF AG, Konstanz.

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