Optimismus für Neuen Markt
Analyst: Dax im Sommer bei 6 000 Punkten

An die gerade begonnene Berichtssaison der Dax-Unternehmen für das erste Quartal 2002 haben Börsenexperten unterschiedliche Erwartungen, zeigen sich für das Gesamtjahr jedoch überwiegend optimistisch.

Reuters FRANKFURT/M. "Wir rechnen nicht mit berauschenden Zahlen bei den Dax-Unternehmen", sagt HSBC-Aktienstratege Volker Borghoff mit Blick auf das erste Quartal. Die Wachstumsraten der Industrieproduktion in Deutschland und Europa seien noch stark negativ. Nach Einschätzung von Gertrud Traud, Aktienstrategin bei der Bankgesellschaft Berlin, "haben die Unternehmen hingegen in der vergangenen Zeit sehr stark negative Stimmung gemacht und versucht, die Markterwartungen stark nach unten zu drücken". Deshalb sollten die Zahlen zum ersten Quartal tendenziell über den Erwartungen liegen.

Am Donnerstag hatte der Softwarekonzern SAP für das erste Quartal einen Nettogewinn ausgewiesen, der deutlich unter den Analystenerwartungen lag und beim Umsatz einen verhaltenen Zuwachs verbucht. Der Maschinenbau- und Nutzfahrzeugkonzern MAN hatte vor einer Woche für die ersten drei Monate 2002 wie erwartet ein Minus beim Umsatz- und Auftragseingang veröffentlicht, an seinen Prognosen für das Gesamtjahr aber festgehalten.

DZ-Bank-Aktienstratege Herbert Sturm zufolge sollte die Zahlen zum ersten Quartal eher verhalten ausfallen, da sich das wirtschaftliche Umfeld erst im zweiten Quartal erholen werde und der Blick der Marktteilnehmer eher auf dem Gesamtjahr liege. "Das wirtschaftliche Umfeld im Inland gibt nicht viel her", fügt Sturm hinzu. Borghoff zufolge kann es im Quartalsvergleich zu Gewinnrückgängen kommen, da die Vergleichbasis noch relativ hoch sei. Rolf Elgeti, Anleihen- und Aktienstratege bei Commerzbank Securities sagt: "Wir werden eher positive Zahlen sehen, aber nicht quer durch die Bank". Viele Unternehmen, vor allem aus dem Maschinenbau und der Industrie, dürften mit ihrem Umsatzanstieg positiv überraschen können. Gute Zahlen erwartet der Experte auch aus den Bereichen High-Tech und IT-Hardware, skeptisch zeigte er sich hingegen bei der Deutschen Lufthansa und Adidas. Elgeti zufolge werden die Anleger allerdings besonders auf den Ausblick achten. "Damit waren viele Unternehmen bislang sehr sparsam".

Aktienstratege Sturm zeigt sich für den Rest des Jahres optimistisch: "Die Konjunktur sollte sich von Quartal zu Quartal verbessern, gepaart mit der Erwartung, dass 2003 einen konjunkturellen Aufschwung weltweit bringen wird." Borghoff rechnet vor allem für das zweite Quartal mit einem Aufschwung auf Grund der zuletzt veröffentlichten positiven Konjunkturindikatoren. Der Ausblick dürfte sich vor allem bei Firmen aus zyklischen Branchen wie dem Maschinenbau und der Chemie verbessern. Traud sagt: "Wenn sich der Zinserhöhungszyklus noch etwas hinauszögert, sehen wir den Dax bis zum Sommer bei 6 000 Punkten. Viele Unternehmen haben restrukturiert, das sollte sich dieses Jahr richtig durchschlagen."

Neuer Markt: Erstes Quartal schwierig, Ausblick positiv

Für die meisten Firmen am Neuen Markt ist das erste Quartal nach Einschätzung von Activest-Fondsmanager Markus Steinbeis noch sehr schwierig gewesen. Schwache Zahlen erwartet er besonders noch von den Online-Brokern, die weiterhin unter dem schwachen Marktumfeld litten. Auf Grund des schwachen Werbemarktes sollte es auch noch bei einigen Medienunternehmen Probleme geben. Invesco-Fondsmanager Jochen Mathee erwartet, dass zwei Drittel der Firmen bessere Zahlen als erwartet vorlegen werden, während bei einem Drittel die Zahlen im Rahmen der Erwartungen oder darunter liegen würden. Positive Zahlen seien vor allem von Firmen zu erwarten, bei denen sich Aufträge vom vierten in das erste Quartal verschoben hätten. Das erste Quartal werde aber das schwächste im laufenden Jahr sein.

Steinbeis zufolge achten die Investoren am Neuen Markt zunehmend auf den Ausblick der Firmen, der eher Anlass zur Hoffnung geben sollte. "Dennoch werden wir auch noch einige unschöne Sachen sehen, was Insolvenzen betrifft", sagt der Fondsmanager. Weitere Schreckensmeldungen, wie der Bilanzierungsskandal bei Comroad, seien nicht auszuschließen, sollten sich aber nicht häufen. Auch Mathee erwartet weitere Betrugsfälle am Neuen Markt. Für das Gesamtjahr zeigt sich Steinbeis optimistisch. Die meisten Firmen am Neuen Markt seien sehr konjunkturabhängig und würden von einer Erholung überdurchschnittlich profitieren.

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